Neumarkt

„Wat den Eenen sin Uhl, is den annern sin Nachtigall“, heißt es in meiner alten, plattdeutschen Heimat: Ich finde es ganz schön, wenn der Weihnachtsmarkt nicht so überfüllt ist, man kann entspannt durch die Gänge schlendern, sich neugierig den ganzen Überflußkram ansehen und in Ruhe Glühwein trinken, ohne angerempelt zu werden und sich dabei die Jacke vollzusauen. Die Händler dagegen beklagen den Besucherrückgang und das nur schleppende Anlaufen der Geschäfte. Es sollen vor allem die Gäste aus dem Ausland sein, die wegbleiben.

Laut einer neuen Umfrage haben 61 Prozent der Befragten Angst vor einem islamistisch motivierten Anschlag. Ein Fachmann sagte dagegen neulich im Fernsehen, es sei in Deutschland wahrscheinlicher, an einem Kugelschreiber im Hals zu ersticken als bei einem Terrorakt zu sterben. Der Vergleich irritiert mich etwas, nicht so sehr wegen des Mengenverhältnisses, sondern wegen des Bildes, das sich sogleich in meiner Vorstellung bildet: Da gibt es also Leute, die mit einem Kugelschreiber … ja, was tun? Amateurhaft Schwertschlucken üben? Darauf herumkauen und ihn aus Versehen in die Luftröhre bekommen? Und gibt es tatsächlich jemanden, der eine Statistik führt über diese unglückliche Art zu sterben? Ich glaube, ich brauch noch einen Glühwein …

16 Antworten zu “Neumarkt

  1. Meinst du nicht, dass auch das Frühlingswetter nicht so recht Weihnachtsstimmung aufkommen lassen will? Ich habe den Eindruck, dass die „Weihnachtsmärkte “ immer früher beginnen, damit der Absatz stimmt, solange die Geldbörsen noch prall gefüllt sind. Kurz vor Weihnachten könnte ein Geldbörsenvakuum evtl das Geschäft verhageln.

    🙂

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    • Das kann gut sein, daß das auch eine Rolle spielt. Ich kann mir auch vorstellen, daß viele Leute erstmal abwarten, ob irgendwas passiert, und wenn das nicht der Fall ist, dann doch noch gehen.

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  2. Ich grüße dich, auf eine Freundin wartend, von hoffnungslos überfüllten Münchner Christkindlmarkt. Vielleicht ist auch hier weniger los, man merkt es nur nicht.
    Von Kugelschreibern halte ich mich fern und hoffe, dass Füller ungefährlicher sind. 😉

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    • Gestern, Sonntag, war es auf dem Altstadtweihnachtsmarkt auch voll – mal abwarten, was die Händler am Ende der Saison sagen, wie zufrieden sie sind.

      Auch Füller sollte man vom Rachenraum fernhalten, Buntstifte und Stricknadeln sollte man dort ebenfalls nicht einführen, es sei denn, man häckselt alles ganz klein und gibt ein wenig Worcestersauce hinzu, dann geht’s.

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  3. Stösschen… 🙂
    So macht das auf „unserem“ Weihnachtsmarkt Spass.
    Aber hey… ich treffe mich am 18.12… (Randbemerkung… LETZTER FREEEITAAAG VOR Hl. Abend) um 18:30 mit 12… in Worten ZWÖLF Menschen… was ein mega Irsinn…DAVOR graut es mir!

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    • Große Truppe – aber gut, da hat man gute Chancen, daß jemand anders den Glühwein holt, und man seinen erkämpften Platz nicht zu verlassen braucht.

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  4. Oh ja, Weinermärkte, mein Thema. Ich hasse die Dinger seit ich denken kann. Komme aber witzigerweise gerade von einem, den man unfreiwillig besuchen muß, wenn man in Hamburg vom Altonaer Bahnhof nach Ottensen reinschlendert.
    Mein Fazit: an den Buden wird fast nix gekauft, aber beim Glühwein und den Freßständen ist es gut besucht.

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    • Ja, ich frag mich auch immer, ob sich das überhaupt lohnt, so einen Stand mit überteuertem Geschenkenippes zu betreiben, aber muß ja, jedes Jahr bieten sie wieder ihre Ware an.

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  5. eigentlich mag ich weihnachtsmärkte gern, besonders den glühwein. leider wird der glühwein gezuckert was mir nicht schmeckt, ich mags nicht so süß.
    in hannover in der altstadt steht ein glühweinstand, der nicht zuckert. den werde ich wohl noch besuchen. aber bei den temperaturen kommt auch mir keine weihnachtsstimmung auf.

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  6. Mir ist aufgefallen, dass die Medien (jedenfalls die, die ich verfolge) sich aller Spekulationen über rückläufige Zahlen bei den Weihnachtsmarktbesuchern wegen der Angst vor Terroranschlägen enthalten haben. Das scheint aber nichts zu nützen. In meinem Kalender stehen zwei ganz kleine aber feine Weihnachtsmärkte, die ich bedenkenlos besuchen werde. Nur der Glühwein würde bei knackiger Kälte besser schmecken (weil er ja eigentlich eben gar nicht schmeckt). Billiger Wein und dann noch warm! Bah! Da genieße ich jetzt lieber meinen Schoppen Dornfelder (Küchentemperatur) und knabbere einen Gewürz-Spekulatius dazu.

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    • In meinem Bekanntenkreis wird darüber geredet, ob man besser nicht gehen sollte, und wenn doch, wann und wohin. Man versucht, sich in die Psyche eines Attentäters hineinzudenken und fragt sich, was für den ein besonders attraktives Ziel ist – und da geht man dann auf gar keinen Fall hin.

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      • Für uns ist bei der Überlegung: Weihnachtsmarkt ja oder nein, und wenn ja welcher, ausschlaggebend, dass wir die großen sehr kommerziellen Märkte sowieso nicht mögen. Am Sonntag war ich auf dem Weihnachtsmarkt am Mexikoplatz, der nur an den Adventssonntagen stattfindet und eine Fülle sehr schöner kunstgewerblicher Dinge bietet – dazu außer Rostbratwurst auch Wildgerichte. Das war sehr angenehm, und ich habe keine Sekunde lang an Terroristen gedacht.

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    • Das wünsche ich Dir nicht, daß die Stadtmenschen jetzt alle kleinen Weihnachtsmärkte vollstopfen – aber ich glaub’s auch nicht. Hab eine gute Zeit!

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