Fluchtpunkt Berlin (3)

Eine kleine, aber feine Ausstellung finden Freunde der modernen Kunst in dem kleinen Hof neben dem Haupteingang zu den Hackeschen Höfen.

Jedes Mal, wenn ich hier bin, werden zum größten Teil neue Werke ausgestellt, die alten werden – zerstört! Welch Frevel, aber es geht nicht anders, denn es handelt sich um Graffitikunst.

Horden von Touristen aus aller Welt werden hier durchgeführt, die natürlich (genau wie ich) alles abfotografieren. Ob die Darstellung des Affen mit der Kamera ein Kommentar des Künstlers dazu ist?

Die Künstler dürfen hier legal ihr Können zeigen, daher kann man Polizeihelme getrost für andere Bedürfnisse benutzen als vorgesehen.

Dieser Künstler zitiert ein anders Bild, eine Ikone der Antikriegsbewegung zu Zeiten des Vietnamkrieges:

Das Poster hing Anfang der 70er in vielen Wohngemeinschaften. Die Frage ist immer noch aktuell: Warum Krieg? Zum Einen natürlich, weil man Geld damit verdienen kann, viel Geld. Wenn dann noch Politiker mit psychopathologischen Zügen dazukommen, ist das Paradies soweit entfernt, wie es weiter nicht geht.

Adam und Eva haben sowieso besseres zu tun: Urlaub in Berlin, das ist hip. Coole Sonnenbrillen haben sie schon.

Der Künstler legt letzte Hand an.

Bunt, groß, folkloristisch …

… wie auch diese Indianerin. Das Kamel staunt und hat erstmal ein Foto gemacht.

So laß ich mir Karneval gefallen – still.

Gendermix.

Noch eine Mix: Ein zwei- und dreidimensionales Graffito.

Auch Surrealismus ist vertreten, sehr schön.
Das ist nur ein kleiner Ausschnitt, es gibt noch mehr Werke zu sehen. Ein Besuch lohnt sich!

Fortsetzung folgt.

20 Antworten zu “Fluchtpunkt Berlin (3)

  1. Unglaublich! Ich war ja vor wenigen Monaten noch da und da war fast nix von dem da, was du jetzt gezeigt hast. Da kann man ja wirklich immer wieder hin und entdeckt immer Neues. Ich bin gespannt, wie stark es sich in den 4 Wochen ändert, wenn ich dort bin. Gut, daß du mich dran erinnert hast.
    Ich berichte dann. Auch der Unterschied zu deinen Bildern jetzt hier und meinen dann ca. 4-5 Wochen später wird interessant sein.
    Übrigens hab ich nie jemanden gesehen, der die Wände abfotografiert, bisher war ich da immer alleine. Die Reisegruppen staunen nur rum und machen höchstens ein Selfie von sich & friends in den Höfen.

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  2. …ich staune immer wieder über tolle Graffitis – in Perpignan gibt es sehr gute – …finde es einerseits schade, dass sie vergänglich sind, andererseits ringen die Künstler mir dadurch noch mehr Achtung ab…

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  3. Beim Anschauen Deiner Fotos habe ich mich mal wieder gefragt, warum um alles in der Welt ich da nicht mit einer gewissen Regelmäßigkeit vorbeischaue. Ich weiß natürlich, warum. Und… nein, es liegt nicht (nur) daran, dass meine Fotos erbärmlich wären, sondern mehr noch daran, dass ich Touristenströme meide, wo immer ich ihnen aus dem Weg gehen kann. Das wird in Berlin allerdings sowieso immer schwieriger, als könnte ich mir auch ein bisschen Kunst angucken, wenn ich mich schon ins Getümmel stürze.

    Ich bin inzwischen schwer begeistert von Kunst, die keinen Ewigkeitsanspruch erhebt. Im Grund war ich das schon viel früher, schon als die ersten Pflastermaler auftauchten, deren Kreidebilder vom nächsten Regen weggewaschen wurden, und wenn es nicht regnete, schafften es die Füße der Passanten innerhalb von zwei, drei Tagen. Mich berührte diese Hingabe für ein paar Münzen in der Blechdose. Später kam eine Phase, in der ich mich Installationskunst für nur eine Ausstellung aufregte, weil ich inzwischen einen Einblick hatte, wie viel Geld dafür teilweise draufging. Aber auch darüber bin ich hinweg. Meine größte Hochachtung gilt dem Künstler, der nicht an die materielle Wertschöpfung denkt. Graffitis, Sandskulpturen, umhäkelte Hydranten, … Bitte mehr davon!

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  4. Wirklich fabelhaft, auch wenn ich es -ganz persönlich gesprochen- immer schade finde, wenn Kunst der Kunst weichen muss. In meiner Heimatstadt wurde letztes Jahr eine Unterführung für Graffity-Künstler freigegeben, die sich da direkt ausgetobt haben, mit einem riesigen Medien-Brimborium und keine zwei Wochen später hatten andere Sprayer mehr schlecht als recht die Werke übermalt.

    In den Hackeschen Höfen wird sicherlich damit gerechnet, und sicherlich haben die Künstler andere Methoden, ihre Werke am Leben zu erhalten. Letztendlich bleibt der Ort so auch interessanter, als er es mit einer Dauerausstellung wäre :yes:

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  5. Ja, bei Graffiti kann man sicher sein, daß sie nicht gemacht wurden, um Geld damit zu verdienen, von den kommerziellen Auftragsarbeiten natürlich abgesehen, aber die erkennt man meist sofort.

    Sehr viel Graffitikunst sieht man übrigens auch auf dem Cassiopeia-Gelände zwischen S-Bahnnhof Warschauer Str. und Revaler Str. Am Wochenende ist hier immer Flohmarkt (mit überschaubaren Menschenmassen – am Boxhagener Platz ist mehr los), aber in der Woche ist hier kaum jemand, außer vielleicht ein paar einsame Fotografen, die Graffiti sammeln.

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  6. Das gehört einfach dazu zur Graffitikunst, daß die Werke jederzeit wieder verschwinden können, entweder durch Übermalung oder durch Beseitigung durch irgendwelche Saubermänner. Aber ich finde es natürlich auch besser, wenn die Kunst der Nachwelt erhalten bleibt, deshalb fotografiere ich sie, wo ich nur kann.

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  7. Kunst bleibt Kunst, egal welcher Art. Allein der Gedanke, dass auch regelmäßig die Werke Banksy’s verschwinden müssen. Maaah!

    Wobei, wenn wir das mal genauer betrachten, war das ja auch schon seit Jahrhunderten Gang und Gebe unter Künstlern: brauchte man eine Leinwand und hatte keine frische mehr zur Hand, hat man einfach über was Anderes drüber gemalt, das einem nicht so gut gefallen hat. Ist ja irgendwo auch ne Form von (Selbst-)Kritik, glaube ich.

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