Fluchtpunkt Berlin (2)

Das ist der Kollhoff-Tower am Potsdamer Platz, ein Bürogebäude, benannt nach seinem Architekten Hans Kollhoff. Gut 100 Meter ist er hoch. So gut, so langweilig – das Schöne ist: Die beiden letzten Etagen sind Panoramaplatformen, auf die man fahren kann, wenn man bereit ist, 6,50 Euro zu bezahlen.

Die Fahrstuhlführerin leiert ein paar Informationen während der Fahrt herunter – sie muß sich beeilen, denn nach 20 Sekunden ist man schon oben: Der schnellste Aufzug Europas hat eine Geschwindigkeit von über 30 km/h – man merkt nichts davon, so sanft fährt er an und bremst wieder ab. Von dem Bären, der uns oben erwartet, hat sie aber nichts erzählt. Macht nichts, der tut nix, der will bloß spielen.

Es ist bitterkalt hier oben, der Wind bläst viel schärfer als unten. Dafür hat man einen guten Ausblick auf den Berliner Dom, den Fernsehturm und überhaupt auf die Dächer Berlins.

Und in das DB-Haus gleich nebenan. Komisch, da sitzt kaum jemand an seinem Schreibtisch – ob die alle schnell abgehauen sind, als sie uns mit unseren Kameras sahen? Obwohl, die müssen das ja eigentlich gewohnt sein. So einen Arbeitplatz möchte ich nicht haben, wo man nicht mal unbeaufsichtigt in der Nase popeln oder noch intimere Sachen machen kann. Diese moderne Glasarchitektur wird oft mit positiv besetzten Begriffen wie Transparenz und Demokratisierung umschrieben, ich dagegen finde das Wort von Richard Sennett vom „Terror der Intimität“ angemessener: Transparent ist hier nur die Außenwand, die eine voyeuristische Sicht in die Büros ermöglicht. Was die da mauscheln, welche Pläne sie schmieden, um z.B. Gewerkschaften wie die GDL zu diskreditieren, davon wissen wir gar nichts.

Der Leipziger Platz – das Gebäude unten links, an dem die Reklame hängt, ist übrigens immer noch mit einer bedruckten Plane umhüllt, die Fenster sind nicht echt, seit Jahren ist das schon so. Merkwürdig.

Der Blick zur anderen Seite: Mitte links der Berlinale-Palast, daneben die Staatsbibliothek und auf der anderen Straßenseite die großartige Neue Nationalgalerie, die leider für vier Jahre wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten geschlossen ist.

Ein Blick in s/w auf die Potsdamer Str. …

… im Detail auch in Farbe ganz schön.

Das sogenannte Sonnendeck, die 25. Etage. Die Sonne läßt uns leider im Stich, länger als 5 Minuten hält man das hier nicht aus. Es gibt hier oben auch ein Café, aber wir vermuten hohe Preise und fahren lieber wieder hinunter.

Ein letzter Blick zur Goldelse zeigt, daß ein Besuch der Panoramaterassen im Sommer bestimmt lohnenswerter ist. Einen Vorteil hat allerdings der Besuch im Winter: Wir hatten überhaupt keine Wartezeit.

Fortsetzung folgt.

0 Antworten zu “Fluchtpunkt Berlin (2)

  1. schöner einblick in berlin, danke.
    an der siegessäule hatte ich vor ungefähr 10 jahren eine verabredung zur demo.
    der kontakt hat aber die jahre nicht überdauert.

    dafür hänge ich an meinem freunden aus dem blogland. 😳

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  2. Hi Videbitis,

    wow… Berlin von oben… 🙂
    Klasse Aufnahmen, danke dafür!!!

    Ich mit meiner Höhenangst bin für die Fotos besonders dankbar.
    So muss ich nicht hoch… ;D

    LG mosi

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  3. Ach da hattet ihr aber leider Pech, bei Sonne sieht das sicher alles ganz anders aus. Und natürlich im Sommer.
    Die Sha-Chi Architektur am Potsdamer regt mich so auf, daß ich echt Magengrimmen kriege, wenn ich den sehe. Ich mache um das Ding stets einen Bogen.

    Das vierte Bild erinnert mich an die Werke von Andreas Gursky. Sehr viel Unbehagen in der Faszination.

    Neulich blinkte die Joldelse derartig rüber, daß ich zu D. meinte: „Die ist sicher frisch geputzt.“ Er: „Wie die das wohl machen?“ Ich: „Mit’m Hubschrauber drüber fliegen und ein paar Eimer Wasser drüber und zum Schluß lehnt sich einer raus und wienert nach.“ 😉

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  4. So ganz geheuer sind mir große Höhen auch nicht, als ich vor ein paar Jahren auf der Siegessäule stand, habe ich auch weiche Knie gekriegt. Aber hier geht’s, es ist alles mit hohen Zäunen gut abgesichert, allein schon, um den Lebensmüden keine Gelegenheit zum Springen zu geben.

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  5. „Sha-Chi“: Nach Feng Shui negative Energie, die durch lange Geraden entsteht. Wieder was gelernt.

    Vielleicht hat so ein Engel ja auch eine Bürzeldrüse, wie die Vögel, dann putzt er sich selbst, frühmorgens wahrscheinlich, solange keiner hinguckt.

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  6. Sha-Chi entsteht vor allem durch solche spitzen Ecken, die auf etwas zeigen. Die wurden Anfang der 2000er Jahre in der Architektur wahnsinnig modern. In Feng Shui Ländern setzt man das bewußt ein, um den Gegener zu schwächen, also etwa ein Firmengebäude beim anderen.
    Ich kann diese Energie deutlich spüren, mich schwächt es z.B., wenn eine Tischecke auf mich zeigt o.Ä.. Am Potsdamer sind einige solcher Gebäude. Berlin schwächt sich also selbst und seine Bürger gleich mit. Typisch!

    *Lach* Eine wunderbare Vorstellung!

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  7. Hieß es nicht mal, im KaDeWe wäre der schnellste Aufzug?

    6.50€ hätte ich auch bezahlt, aber im Sommer – die Aussicht ist zwar wirklich wunderbar, aber wenn man es da oben nicht so lange aushalten kann, schade 😦

    Tatsache, die Plane hängt wirklich schon eine gefühlte Ewigkeit an der Fassade. 2009, als ich im Sommer da war, definitiv schon. An sich keine schlechte Idee, lenkt es das Auge des Betrachters von Bauschutt und Bauarbeitern ab, aber mittlerweile sind die da doch eigentlich fertig, oder?

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  8. Keine Ahnung, was sagt denn Google? Ah ja – ein Video:

    Ist jetzt nicht sooo schnell, was meinst Du? 😉

    Ich könnte mir vorstellen, die haben gar nicht vor, die Fassade anzugleichen. Dahinter befinden sich vielleicht nur Magazinräume, da sitzt eh keiner, der rausgucken muß, oder soll, chinesische Sklavenarbeiter z.B., die Styropor kleinpulen müssen, damit man Material für Schneekugeln mit Brandenburger Tor oder Reichstag hat.

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  9. Ich hab da eh ne andere Wahrnehmung, mich darfste da nicht fragen. Bin mal in Düsseldorf aufn Rheinturm rauf, da dachte ich auch, mein Magen braucht jetzt ne Stunde bis her auch hier oben ist, so schnell ging das.

    :)) Wäre ein nachvollziehbarer Grund, und es wäre ja auch nicht das erste Mal, dass in Berlin etwas vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen wird…

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