Im Schnütgen-Museum (1)

Ich habe ja neulich erzählt, daß in der Darstellung von heiligen Märtyrern gern die Marterinstrumente, mit denen sie gefoltert wurden, dem Heiligen in die Hand gegeben werden, damit man weiß, um wen es sich handelt. Dieser Herr zeigt recht anschaulich, wie er zu Tode gekommen ist. Der Heilige Dionysius wird meistens mit seinem kompletten Kopf in seinen Händen dargestellt (hier ein Beispiel), hier aber – ich vermute, aus ästhetischen Gründen – hat der Bildhauer dieser Figur von ca. 1320 das Gesicht an der richtigen Stelle gelassen. Es ist einfach zu unheimlich, auch für Kinder, wenn da irgenwo in der Kirche eine Figur steht, deren Augen einen aus Hüfthöhe ansehen.
Der Heilige Dionysius war im Jahr 250 erster Bischof von Lutecia (der Asterix-Kenner, weiß, wie die Stadt heute heißt), sofern man das sagen kann, denn die christliche Kirche war von den Römern ja noch nicht anerkannt. Weil er nicht aufhören wollte mit dem Predigen, haben die Römer ihn geköpft, woraufhin der Heilige wieder aufgestanden ist, seinen Kopf unter den Arm genommen hat und zwischen zwei Meilen und sechs Kilometern (je nach Quelle) dahin gelaufen ist, wo er beerdigt werden wollte – durch postmortales Muskelzucken läßt sich das nicht erklären, und Zombies sind eine Erfindung viel späterer Zeit. Also konnte es nur irgendwie ein himmlisches Wunder sein, oder?
Inzwischen ist er einer der Nationalheiligen Frankreichs, deshalb gibt es da so viele Orte und Kirchen mit „St. Denis“ im Namen. Und bei welchem körperlichen Unbehagen wohl soll man den Heiligen um Hilfe anrufen? Bei Kopfschmerzen, was sonst!

0 Antworten zu “Im Schnütgen-Museum (1)

  1. das ist ja mächtig interessant.
    dann bedeutet denis auf französisch also dyonisus.

    ich habe mal im katholischen bayern gelebt und dort auch zeitweise gearbeitet.
    bei der arbeit in einem kloster mit integriertem heim für körperlich und geistig schwer und schwerst behinderte erzählte man mir, dass der heilige antonius angerufen wird, wenn man etwas verloren hat oder nicht finden kann.

    so kam es, dass ich eines tages meine geldbörse nicht finden konnte. habe überall im meinem zimmer gesucht… und nix gefunden. da fiel mir der antonius ein.
    ein kurzes stoßgebet und prompt fand ich meine geldbörse.
    habe mich dann noch schnell beim heiligen antonius bedankt.

    ich bin nur evangelisch getauft und aus der kirche ausgetreten.
    doch denke ich, wenn mensch betet, dann wird kurz der kopfsalat befreit und mir ist dann eine stelle eingefallen an der ich meine geldbörse noch nicht gesucht hatte.

    könnte das so sein, was meinst du?

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  2. Vielleicht sind ja auch alle anderen Darstellung mit dem komplett abgetrennten Kopf falsch, und diese hier ist die einzig Richtige? Vielleicht konnte er damit ja noch ein bisschen spazieren gehen :>>

    Wie das mit allen Überlieferungen so ist…mit der Zeit wurden sicherlich viele Details verändert, weggelassen, neue hinzugesponnen…wer weiß, was damals wirklich passiert ist.

    Definitiv aber eine interessante Geschichte! :yes:

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  3. Ja. Oder die Heiligen sind gar nicht so kleinlich wie die katholische Kirche und helfen auch Menschen anderer Konfession, bzw. Ungläubigen. B)

    Vielleicht ist es so ähnlich, wie wenn einem ein Wort partout nicht einfällt: Einfach an was anderes denken, und wenn man Glück hat, erinnert man sich.

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  4. Genau. Noch im 19. Jh. stritt man sich darüber, ob dieser Dionysus vielleicht derselbe ist, der in Athen ein Richteramt ausübte, letztlich entschied man sich dagegen. Wenn die das noch nicht mal sicher wissen …
    In einer Version der Geschichte habe ich sogar gelesen, er hätte seinen abgeschlagenen Kopf in einer Quelle gewaschen, bevor er sich auf den Weg zu seinem zukünftigen Grab gemacht hat – ein bißchen dick aufgetragen, oder? Was denn noch? Vielleicht hat man noch eine gemeinsame Mahlzeit bei guten Freunden eingenommen? Zusammen Karten gespielt, wobei der Kopf so gestellt wurde, daß er dem Nachbarn ins Blatt schielen konnte? Also … wer soll das noch glauben?

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  5. Damals warn’se doch alle permanent besoffen, ist doch klar, dass die sich 1. nicht einig sind, was nun wirklich passiert ist, und 2. würde ich mit ordentlich Alkohol in der Blutbahn auch noch mit einem mehr oder minder abgetrennten Kopf durch die Gegend laufen können. UND mein Richteramt in Athen ausüben! :yes:

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