Brüsseler Str.

Kommt mir fast so vor, als wäre ich Wochen weg gewesen. Verreisen macht Spaß, aber es ist auch schön, wieder zu Hause zu sein. Ich bin kein rheinischer Spaßvogel, aber ich mag es, wenn Leute etwas gelassener sind, das ist die Grundvoraussetzung für eine zwar oberflächliche, aber sehr angenehme Freundlichkeit im Umgang mit anderen. Wenn ich in den Supermarkt gehe, erwarte ich von der Kassiererin ja gar kein tiefschürfendes Freundschaftsangebot, es reicht mir vollkommen, wenn sie mich anlächelt und mir einen schönen Abend wünscht, ohne daß sie sich groß verbiegen muß.

In Nürnberg waren die freundlichsten Menschen, denen wir begegnet sind, die Bedienungen im Frühstücksraum des Hotels, und die hatten alle, ohne Ausnahme, einen Migrationshintergrund, man konnte es an der Hautfarbe sehen oder an der Sprache hören. Die anderen Nürnberger waren bestenfalls gequält freundlich, ausdruckslos gleichgültig oder muffelig bis unverschämt. Was ist los mit den Nürnbergern? Das ist doch auch nicht gut für einen selbst, wenn man den anderen so die kalte Schulter zeigt. Gut, vielleicht zur Ehrenrettung muß ich zugeben, daß wir fast nur mit Leuten aus dem Tourismusgewerbe zu tun hatten – das ist natürlich keine Entschuldigung, aber eine mögliche Erklärung. Wer in Köln einem Brauhauskellner (=Köbes) in die Hände fällt, der gerade mal keine Lust hat (oder schlimmer), wird auch mit schlechten Eindrücken wieder nach Hause fahren.

0 Antworten zu “Brüsseler Str.

  1. Eigentlich eher untypisch für Süddeutschland, in Würzburg z.B. fand ich die Leute schon fast unheimlich freundlich und aufgeschlossen und redselig. Aber der Dialekt! und dieses „grüß Gott!“, zum Weglaufen.

    Die Kölner habe ich selten freundlich erlebt. Auch wenn ich natürlich mit der rheinischen Natur an sich kann. Der Dialekt amüsiert mich. Hier ist ja leider so gut wie keiner. Nur Jugendliche sagen immer „Alder“ zueinander und „mein‘ Mudder“.
    In Köln würde ich sofort zu jemandem „is jot“ sagen und „Wat sull dat dann?“ oder „Isch bin fast am kriesche….“ oder so was.
    In Berlin auch, es macht Spaß, Leute „Meester“ zu nennen und „darf ick ma“ zu sagen, wenn man irgendwo durch will.

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  2. Ja, so sammelt man auf kurzen Besuchen Eindrücke, die zu einem Urteil führen, und dann hat man sich vielleicht doch getäuscht, weil man aus Pech immer nur den falschen Leuten in die Hände gefallen ist.

    Gehörst Du zu denen, die gut Dialekte imitieren können? Ich befürchte, ich kann es nicht so gut, deshalb laß ich das lieber, es ist doch ein wenig peinlich und anbiedernd, wenn jemand im heimischen Idiom spricht, ohne es richtig zu können.

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  3. Kann ich mir vorstellen, in München habe ich das auch erlebt. Manchmal denke ich, vielleicht liegt hinter der Schroffigkeit irgendwo Freundlichkeit und Achtung verborgen, was die aber nur untereinander wahrnehmen, aber kein Bewußtsein davon haben, daß die Nordlichtern davon nichts merken, keine Antenne dafür haben. Aber das glaube ich nicht wirklich.

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  4. Andere Länder, andere Sitten…*schulterzuck*
    Aber Recht haste, bei uns sind die Menschen einfach herzlicher, das meine ich überhaupt nicht abwertend allen anderen gegenüber, und es spricht aus mir auch nicht das (unterschwellig) immer währende Heimweh, nein – es IST einfach so. Rheinland rules!

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  5. Genau, so meine ich es auch, überhaupt nicht überheblich, sondern (bedauernd) feststellend. Ich selbst z.B. bin nicht besonders herzlich, ich bin ja auch nicht von hier, aber es gibt für mich auch keinen Grund, unhöflich zu sein.

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