Berlin, Berlin (4): Olympiastadion

Nicht viel los hier, von 74.244 Sitzen gerade zwei besetzt.

Ah – dahinten sitzen auch noch zwei – schade, daß sie nichts Rotes tragen.

Wenn man sich dem Olympiastadion nähert, sieht es gar nicht so groß aus. Die Nazis haben es in den 30er Jahren für die Olympischen Spiele 1936 bauen lassen. Auch vorher war hier schon ein Olympiastadion, gebaut für die Spiele von 1916, die dann aber aus bekannten Gründen ausfielen. Nachdem Deutschland die Austragung 1931 erneut zugesprochen wurde, wollte man erst nur das alte Stadion herausputzen, aber Hitler entschied sich für einen Neubau.

Es gibt keine spezifisch nationalsozialistische Architektur, allerdings gibt es architektonische Formen und Bauelemente, deren die Nazis sich besonders gern bedienten: Klare Linien, geometrische Grundformen, weite Bögen, hochdimensionierte Bauten und ein Material, das wie aus Stein gehauen erscheint, soll eine Verbindung schaffen zu einer Jahrtausende überspannende Kultur, der griechischen Klassik, in deren Tradition sich die Nazis sehen wollten.

Das „edle“ Selbstbild der Rassenfanatiker, erschaffen von den Bildhauern Karl Albiker und Arno Breker. Haben Hitler, Goebbels und Co. sich eigentlich nie im Spiegel angesehen?

Wie gesagt: Mauern, so alt und so stark wie Felsen, diese Anmutung sollte das Gebäude haben. Tatsächlich verraten die Fugen, daß es nur Fassadenplatten sind, die ein Gerüst bedecken.

Aber wenn man nicht so genau hinsieht, kann man sich dem Eindruck antiker Formenstrenge überlassen.

So sah das Stadion 1936 aus …

… und so heute. Man kann gut sehen, wie tief der Kessel in die Erde gegraben wurde.

Vier Stockwerke wurden hier unterirdisch eingerichtet, und auch die Zufahrt, über die Hitler die Räume und seine Tribüne erreichte, war unterirdisch. Heute befinden sich hier Umkleideräume, eine Aufwärmhalle und VIP-Lounges.

Das Dach ist neu. Vor der Fußball-WM 2006 wurde das Stadion aufwendig saniert, Kosten: 242 Millionen Euro, nur wenig mehr, als Herr Hoeneß auf seinem Schweizer Konto gehabt hat. Leider hat der das nicht bezahlt, sondern wir alle, ob wir uns für Brot und Spiele interessieren oder nicht.

Westlich des Stadionovals erstreckt sich das sogenannte Maifeld. Vorher war hier eine Rennbahn. Hitler ließ den Pächter kurzerhand enteignen, um Platz zu haben für Aufmärsche und Kundgebungen – bis zu eine halbe Million Menschen können sich gleichzeitig hier aufhalten, wahrend er am Turm steht und seine menschenverachtenden Reden schwingt, so stellte er sich das wohl vor.

Geradezu gespenstisch der S-Bahnhof, von dem außerhalb der Veranstaltungen nur zwei Gleise benutzt werden.
Insgesamt eindrucksvoll, ein Besuch lohnt sich, auch wenn der Eintritt 7 Euro beträgt.

0 Antworten zu “Berlin, Berlin (4): Olympiastadion

  1. Hi Videbitis,

    wow… die Fotos sind der Hammer… 🙂
    Ich glaube, ich habe sie mir nun zum 3ten Mal angesehen!!!
    Wahnsinnig toll sind sie geworden!!!
    Und was gelernt habe ich auch wieder mal, dank sehr… 😉

    LG mosi

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  2. Danke für den Link. Unter „Impressionen“ findet man ein paar Fotos und gewinnt eine ungefähre Vorstellung. Ein interessantes Thema, zum Vergleich sollte ich wirklich mal nach München fahren und mir da das Olympia-Stadion ansehen.

    Muskelmasse und Hirn sollen ja in einem umgekehrten Verhältnis zueinander stehen. Jetzt weiß ich auch, warum ich so ein dünnes Hemd bin. 😉

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  3. Ich bin hin und weg von der grafischen Qualität deiner Fotos. Es liegt nicht allein am Motiv, man muss auch die richtigen Blickwinkel und Bildausschnitte finden. Das ist dir bei diesen Fotos hervorragend gelungen. Vielen Dank für die Einblicke!

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  4. Danke! Das kann man sich mal ansehen, die Größe ist echt überwältigend, wenn man da am Rand steht. Allerdings möchte ich nicht da sein, wenn es voll ist. Aber ich hab’s ja sowieso nicht so mit Fußball.

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