Berlin, Berlin (1): Dies & das (1)

Eine Woche in Berlin, und schon sind 1.400 Fotos gekni gemacht – die müßt ihr euch nun alle ansehen, oh je! Wo fange ich bloß an? Am besten mit Allerlei:

Der Bär ist nicht metaphorisch gemeint – könnte man ja denken: Das verrückte, weil auf dem Kopf stehende Berlin; wenn man ordentlich drückt, wird’s süß (wofür das eine Metapher sein soll? – keine Ahnung) usw. Aber nein, das Bild ist eine Warnung: Kauft sowas nicht, man drückt an dieser Flasche herum, es kommt aber kaum Honig heraus, der Kopf ist so hart, der läßt sich überhaupt nicht eindrücken.

Und überhaupt: Diese Bären. Versteh ich ja, Bärlin – Bär, da freut man sich, so ein Kuscheltier an die Touristen verhökern zu können, als Schlüsselanhänger, Abziehbild oder eben Honigflasche. Aber wieso diese riesigen häßlich-kitschigen Bären schon seit Jahren die Stadt verunstalten, frage ich mich jedes Jahr aufs Neue. Hier besonders „schön“ im Verein mit zwei anderen Skulpturen.

Da winkt einer aus dem ehemaligen Ostteil in den Westen hinüber, als wolle er sagen: Schaut nur, wir, die westliche Kultur mit all ihrem überflüssigen Plastikschund, haben gesiegt, ha!

Hier in der Niederkirchner Str., wo dieser Mauerrest steht, ist nicht nur der Gropius-Bau mit seinen wechselnden Ausstellungen, sondern auch in einem eigens errichteten Gebäude die Dauerausstellung „Topographie des Terrors“, in der es aber nicht um die Mauer geht, sondern um die Zeit vor 1945: In diesem Viertel waren die Hauptbüros der SS, Gestapo, SD und Luftwaffe usw. der Nazis ansässig. Die Ausstellung ist überschaubar und sehr informativ. Das Grauen wird nicht mit grauenhaften Fotos von Leichenbergen erzeugt, sondern durch die innere Logik der Befehle der Nazigrößen, jenseits aller Moral und Menschlichkeit. Wirklich gut gemacht, ein Besuch lohnt sich.

Die 173 U- und 133 S-Bahnhöfe sind allein schon Grund genug, die Stadt zu besuchen. Man sollte über die schönsten mal einen Bildband herausgeben. Oder gibt es den schon?

Wir sind natürlich auch viel herumglaufen, mit leichtem Gepäck. Solche Koffer wären heute aber nicht mehr angesagt, ohne quietschende oder rappelnde Rollen an der Samsonite-Imitation kommt heute kaum noch ein Reisender aus. Die Schuhe erinnern mich an einen Koffer namens „Truhe“ aus den Scheibenweltromanen von Terry Pratchett, der hatte Füße und konnte selbst laufen. Vielleicht sind das hier ja auch so welche?

Wer viel läuft – wir waren übrigens auch am Reichstagsgebäude, wie man sieht – bekommt schnell Hunger …

… nein, natürlich nicht auf eine schnelle Wurst im Stehen (das letzte Mal, als ich auf den Preis geachtet habe, kostete das Würstchen noch 1 Euro) …

… sondern – wir sind ja auch schon etwas älter – auf eine Apfelkuchen-Création im Glas. Tatsächlich sieht das schöner aus, als es geschmeckt hat, der Kuchen war hauptsächlich süß und hatte wenig Apfel, aber okay, man sitzt ganz nett im bürgerlich-gediegenen Café/Restaurant Ursprung im Kulturkaufhaus Dussmann in der Friedrichstr.

Hier hängt nicht nur ein Garten vertikal an der Wand, auch die Speisen sollen bio sein. Aber ganz billig ist es nicht. Im Kulturkaufhaus gibt es übrigens auf mehreren Ebenen Bücher, Filme und CDs zu kaufen, besonders interessant ist die große Klassikmusikabteilung, wo man in die CDs auch reinhören kann. Allerdings sollte man viel Zeit mitbringen.

Frisch gestärkt machen wir uns wieder auf den Weg und entdecken merkwürdige Erscheinungen der modernen Zeit …

… wie zum Beispiel die Behauptung, daß man ohne Schmerz dumm bleibt, und wer das nicht will, soll sich tätowieren lassen, eine nur logische Schlußfolgerung. Ich glaube den Betreibern ihre Erfahrung durchaus, daß alle untätowierten Leute, die in ihren Laden kommen, nicht die Schlauesten sind. Daß sie aber nach der Behandlung klüger wieder hinausgehen … Funktioniert das auch, wenn man sich mit dem Hammer auf den Daumen haut? Oder den Kopf gegen die Wand? Dabei bleiben einem ja wenigstens die Tattoos erspart.

Pünktlich zum Weltfrauentag hat man sich beim „Kaiser’s“ am Kottbusser Tor gedacht: Es wächst zusammen, was zusammen gehört. Da hat frau nicht so weite Wege, wenn sie das besorgen muß, was Frauen von heute (und gestern) so alles brauchen.

Seh‘ ich auch so: Wenn es Bier gibt, gibt es keinen Grund zur Trauer. Selbst bunte Vögel sind hier willkommen.

Fortsetzung folgt.

0 Antworten zu “Berlin, Berlin (1): Dies & das (1)

  1. Ich versuche es immer wieder, aber ich schaffe es einfach nicht: Mit den Augen einer Touristin durch Berlin zu laufen. Heute habe ich eine Freundin besucht, deren Sohn neuerdings in München wohnt und immer den Linienbus nimmt, wenn er nach Berlin kommt. Letztens fuhr er zusammen mit einer Gruppe sehr junger Bajuwaren, die das Wochenende hier verbringen wollten, weil „in Berlin richtig was abgeht“. Denen gefällt sogar, wie dreckig die Stadt überall ist. Da bietet es sich regelrecht an, selber auch die Sau rauszulassen. – Jedenfalls freut es mich, dass Du offenbar wieder viel Interessantes entdeckt hast.

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  2. Die Bären sollen eindeutig an Nikis Nanas erinnern, denke ich. Wenn du viele willst, mußt du mal „Unter den Linden“ lang, jedenfalls früher stand da alle 300 m einer. Anfangs findet man sie noch nett, aber dann irgendwann… naja.
    Den am Stadteingang (von Norden kommend) fand ich immer schön, als Svea noch klein war, war das immer das Ding, guck mal der Bär, wo sind wir? Berlin! Und wer ist hier geboren? „Oma, Mama und Sea.“ Das war ne schöne Linie. Witzig, drei Generationen Berlinerinnen, die alle die meiste Zeit ihrens Lebens NICHT dort gelebt haben und eine Ur-Oma,die woanders geboren ist und fast ihr ganzes Leben dort gelebt hat.

    Wo ist der Laden mit dem weißen Pferd? Und wo ist der dazu gehörende Prinz, der einem als Mädchen immer versprochen wurde. Vermutlich gerade einkaufen oder Schrippen holen, eventuell auch dem Ruf des Bieres gefolgt. Weine nicht, Mädchen, der Gaul ist noch da.

    Das mit den schönen Bahnhöfen ist nicht dein ernst oder? Ich finde die fast alle furchtbar, bis auf wenige Ausnahmen. Meine Empfehlung: Mexikoplatz, Breitenbachplatz: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/10/110428-Bahnsteig-U-Bahnhof-Breitenbachplatz.JPG, Schlesisches Tor.

    Und als Beispiel wie man es nicht macht: Hermannplatz, Kottbusser Tor unten oder Weinmeisterstrasse.(wir hatten noch Kacheln von Schwimmbädern über)

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  3. In Köln gibt es immer mal wieder Wellen der Aufregung, wie dreckig die Stadt ist, absurde Schilderwälder, uneinheitliche Bepflasterungs usw. Ich denke dann immer: Leute, das ist noch gar nichts, geht mal nach Berlin. Aber bei der Masse Menschen ist es wahrscheinlich noch viel schwieriger, ein Mindestmaß an Ordnung zu halten, wenn die Bewohner nicht selbst mitmachen.

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  4. Vielen Dank für den Link, das ist ja noch schlimmer, als ich dachte. Furchtbare Vorstellung, daß dieser Plastikkitsch wahrscheinlich länger auf dem Erdball „überlebt“ als Menschen. 😉

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  5. Kann sein. Die Nanas haben wenigstens Ausdruck, während die Bären Dutzendware sind, wie vom Fließband. Wie ich jetzt gelesen habe, stehen die nicht nur seit Jahren überall in Berlin und Umgebung herum, sondern werden in die ganze Welt exportiert. Deutsches Kulturgut. Vielleicht will man allen zeigen, daß von uns keine Gefahr mehr ausgeht, da der „deutsche Geist“ heute komplett infantilisiert ist.

    Genau, der Prinz ist gerade biertrinken gegangen, aber solange der Gaul noch da ist, weiß man, daß er bestimmt zurückkommt. Aber will ihn dann noch jemand? Ist frau nicht mit einem Staubsaugerbeutel besser beraten als mit einem rülpsenden Suffkopp, der wahrscheinlich nichts besseres zu tun hat, als in diesem Laden am Senefelderplatz noch ein paar Absacker zu kippen? Ich befürchte, die Prinzen von heute gehören zu den „schlauen“ Tattooladenbesuchern.

    Mein voller Ernst. Viele sind vielleicht nicht schön, aber sehr eigen, immer Ausdruck von Stadtgeschichte. Aber vielleicht haben wir auch nur Glück gehabt, soo viele haben wir ja gar nicht gesehen. Ich mag z.B. auch den Görlitzer Bahnhof bei Nacht:

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  6. Die Berliner Bahnhöfe sind 1000x schöner als die blöden, gesichtslosen Kölner Stationen. In Berlin lässt man wenigstens mal was, wie es ist. In Köln muss immer alles „neu“ gemacht werden. Ist zumindest mein Eindruck.

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  7. … och, das hat im Laufe meiner 45 Jahre in der Stadt und den zwei Jahren seit dem, viel Schlimmeres in der Stadt gegeben … so schlimm sind die Bären nicht :yes: 🙂

    liebe Grüsse
    Karen

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  8. Die meisten Berliner U-und S-Bahnhöfe sind schön – auch der Alexanderplatz.
    Ist eine Frage, WIE man es fotografiert !
    (nur grüne Kacheln sind natürlich hässlich!)

    Die Buddy-Bären sind auch nicht immer häßlich; es kommt darauf an wer sie wie bemalt hat 😉

    Liebe Grüße aus Berlin
    Bärlinerin

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  9. „… wenn die Bewohner nicht selbst mitmachen.“ Richtig. Und die Besucher lassen sich davon nicht nur nicht abschrecken, sondern finden das teilweise wohl ganz urig und tragen ihr Quäntchen dann auch noch mit bei. Es gibt eben keine Hauswarte mehr, keine Ladenbesitzer, die sich für den Bürgersteig vor ihrem Geschäft verantwortlich fühlen, keine Erwachsenen, die schimpfen, wenn Kinder oder Jugendliche ihre Abfälle auf die Straße werfen, oder gar mutwillig etwas beschmieren oder beschädigen, keinen Schutzmann an jeder Ecke. Nein, das wollen wir auch alles nicht. Diese soziale Kontrolle, diese Einmischungen in unsere persönliche Freiheit wären uns heute ganz unerträglich. Leider gibt es auch wenig von dem, was es stattdessen aber geben sollte, nämlich die Einsicht, dass Freiheit ein hohes Maß an Verantwortung bedeutet und Rücksichtnahme auf die Freiheit des Anderen, der es vielleicht gerne ein bisschen sauberer und ruhiger hätte.

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  10. Hier nicht zu sehen, das stimmt. Wahrscheinlich gibt es noch einige, die unansehnlich und uninteressant sind, aber es würde mich reizen, mal alle abzuklappern. Zwischen den U-Bahnhöfen von Berlin und denen aus Köln liegen Welten.

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  11. Ich habe inzwischen Fotos gesehen, auf denen zig von den Bären in einem Kreis stehen, als Kunstaktion finde ich das nicht schlecht. Aber wenn ich mit dem Bus M 29 von Kreuzberg nach Mitte durch die sich ständig verändernde, relativ graue Stadtlandschaft fahre (als Tourist natürlich möglichst oben, ganz vorn an der Scheibe ;-), trifft es mich fast körperlich, wenn dann unvermittelt so ein kitschig-bunter Bär mit gereckten Armen wahllos irgendwo auftaucht.

    Liebe Grüße aus der Provinz

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  12. Hi Videbitis,

    habe ich total verpasst… :no:
    ABER, nun doch noch entdeckt und sage DANKE…danke, fürs Mitnehmen und Teilhaben lassen.
    Ich war bisher nur ein Mal in Berlin, war aber sofort von der Stadt fasziniert und werde sicherlich noch ein paar Male hin fahren.

    LG mosi

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  13. Wie gesagt – manche Bären sind häßlich, aber es gibt auch schöne.
    Der am Hauptbahnhof ist schön 🙂

    Ich bringe mal eine „Sammlung“ auf meinem Blog 😉

    Mit Grafitys ist es ja ähnlich.
    Manches ist nur Schmiererei und anderes ist schön.

    Provinz ? Na, na, Köln ist doch keine Provinz ! 😉

    Liebe Grüße aus Berlin
    Bärlinerin

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