Konrad-Adenauer-Ufer

Dieser Turm wird noch heute im Volksmund „Weckschnapp“ genannt, die Bezeichnung basiert auf einer alten Sage: Im Turm befand sich eine Gefängniszelle für zum Tode Verurteilte. Die Gefangenen bekamen nichts zu essen, stattdessen wurde ein Weck, also ein kleines Brot, unter die Decke gehängt. Wenn der hungrige Insasse nun hochsprang, um sich den Weck zu schnappen, landete er unweigerlich auf einer Falltür, die in einen Schacht mündete, der mit Messern bestückt war. Der Delinquent fiel praktischerweise zerkleinert in den Rhein und nährte die Fische. Nur einmal soll einem Gefangenen die Flucht gelungen sein: Er war so dünn, daß er unverletzt durch die Messer hindurchfiel.


Stich: Arnold Mercator

Tatsächlich hatte das Türmchen nie eine Öffnung zum Rhein. Man nimmt an, daß der Inhalt der Sage sich von einem anderen Gebäude der Kunibertstorburg „verschoben“ hat, da das Türmchen als einziges Gebäude der Wehranlage erhalten ist. Die Weckschnappsage bezog sich ursprünglich vermutlich auf den im Bild oberhalb des Türmchens gelegenen Kunibertsturm, der Teil der mittelalterlichen Stadtmauer war und einen Ausleger zum Rhein hatte, eine sogenannte Ark. Im Turm fanden „peinliche“ Verhöre statt, also Befragungen unter Pein, eine Methode, der sich besonders gern u.a. die katholische Kirche bediente. Und die Angst vor diesen Folterungen beflügelte die Fantasie der Bürger. So entstand die Weckschnappsage.

0 Antworten zu “Konrad-Adenauer-Ufer

  1. Tolle Sage. Der Anbau an den Weckschnappturm ist architektonisch irgendwie misslungen. Für ein Weckchen würde ich in Hannover auch hoch springen. Es gibt dieses süße Weißbrot hier nämlich nicht, was ich sehr bedauere.

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  2. Unglaublich, nicht wahr? Eine Vereinigung an Inkompetenz muß da am Werk gewesen sein, Bauherren, Architekten und Bauamtsmitarbeiter. Stadtplaner werden in Köln sowieso nicht beschäftigt, vermute ich.

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