Schweinisches

Euch allen ein frohes neues Jahr! Gut, ich möchte nicht wissen, wie oft mir das in den letzten Tagen nachgerufen wurde, ohne daß es die Leute so meinten. Sie wünschten mir natürlich auch nichts Schlimmes an den Hals, aber z.B. die Kassierer im Supermarkt, wo jeden Tag ein paar tausend Leute durchlaufen, was für ein Interesse haben die daran, wie ich die nächsten zwölf Monate verbringe? Gar keins, das hat man ihnen in der Kassiererschulung nur so beigebracht, immer schön grüßen.
Aber bei mir kommt es von Herzen, keiner zwingt mich dazu.

Das Brillengeschäft dekoriert mit Schweinen, und da es kein Discounter ist (das erkennt man an den Champagner-Flaschen), müssen sie silbern und riesig sein. „Wenn die aus Marzipan wären …“, sagte meine Begleiterin sehnsüchtig. Wikipedia weiß, das schon bei den Griechen und Römern derjenige als wohlhabend und angesehen galt, der viele Schweine hatte – ob man das auf Brillen ummünzen soll? Mir reichen eigentlich zwei.

Bei diese kleinen Schweinchen könnte man eher auf den Gedanken kommen, der Schenker wünscht einem nicht allzuviel – „Schwein gehabt“ sagte man im Mittelalter zu demjenigen, der einen Wettkampf verloren hatte und als Trostpreis ein Schwein erhielt.

Bei den Germanen galt das Schwein als Symbol für Fruchtbarkeit und Stärke. Aha – schöne Schweinerei. Ich hatte Silvester auch Schwein, in Form von Kassler. Alle Vegetarier heulen auf, aber Grünkohl ohne Kassler, das geht einfach nicht.

0 Antworten zu “Schweinisches

  1. … ich mag Schweine und hab gelernt, dass es eigentlich kein Problem macht, wenn wir uns ab und zu, auf meinem Nachhauseweg entweder in Köpenick, Müggelheim oder durch den Wald, treffen …

    liebe Grüsse
    ein feines Jahr 14

    Karen

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  2. Ich finde das schön sich ein Frohes Neues zu wünschen, auch wenn es nur eine Floskel ist, erhöht es dennoch die Energie. Fake it til you make it, sagt der Amiländer und da ist was dran. Oder wäre es dir lieber jeder würde vor sich hinmuffeln?

    Schweine- man denke an Cerridwen, die hohe keltische Göttin, zu deutsch: die weiße Sau. Die kochte in ihrem Kessel die ganze Welt. Der kleine Taliesin stand daneben und beim Rühren bekam er einen Tropfen ab und wurde weise. Schweinen mal mythologisch nachspüren ist ausgesprochen interessant.

    Eine Freundin von mir lebte auf einem schweinezüchtenden Bauernhof, wir waren oft bei den Schweinen, eine sehr freundliche und friedliche Tierart, nur die Eber waren unheimlich und nicht ohne. Schweine sind einfach lustig mit diesen Steckdosenasen und den wippenden Ohren, dem Grunzen und den Boris-Becker-Wimpern. Und riechen auch nicht strenger als jedes andere Bauernhofvieh.
    Mein Töchting würde gerne ein Schwein halten. Ich gebe zu, es hat was, aber man sollte Herdentiere nicht allein halten.

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  3. Als ich klein war, war ein Schwein im Berliner Zoo mein Lieblingstier, das ich immer besuchte. Dann – so mit 14 – sah ich „Aufstand der Tiere“, den alten Zeichentrickfilm von John Halas und Joy Batchelor nach Orwells „Animal Farm“. (Interessant übrigens, dass die CIA die Filmrechte kaufen ließ und die betont antikommunistische Fassung in Auftrag gab.) An den Film erinnere ich mich jetzt immer, wenn mein Gewissen mich daran hindern will Kassler zu essen, weil doch „die Würde des Schweins unantastbar“ ist. Ich glaube aber, dass Schweine nichts dagegen haben, Glücksbringer zu sein, und wünsche Dir deshalb viel Schwein 2014.

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  4. Hi Videbitis,

    ich wünsche es auch und meine es von Herzen.
    Von der „Frau Müller an der Kasse“ finde ich es schön, lege ich aber nicht so viel Bedeutung rein, wie von Freunden/Familie etc.

    Schweine… hmmh…sind süß, zählen aber nicht zu meinen Lieblingstieren… 😉
    Trotzdem dies Jahr schon zwei verschenkt. Glück und so… ;D

    LG mosi

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  5. Das ist es ja gerade, sie wünschen einem alles mögliche – und muffeln dabei wie eh und je. Zwei Wochen vor dem Fest fängt das an: „Frohes Fest“ zu allen Gelegenheiten, ein paar Tage davor kommt noch ein „guter Rutsch“ dazu, der dann nach dem Fest allein übrigbleibt, ab Neujahr aber für mindestens zwei Wochen von „Frohes neues …“ abgelöst wird. Wenn ich das (gefühlt) ein paar tausend Mal hinter mir habe, bin ich froh, daß ich nicht darauf folgend mit „Alaaf!“ verabschiedet werde. 😉

    Schweine sollen ja sogar intelligenter sein als Hunde. Ich glaube, was ihren Ruf versaut hat, ist das Vergnügen, sich ab und zu gern mal im Schlamm zu wälzen. Ungerecht wahrscheinlich, denn wenn sie könnten, würden sie hinterher wohl auch gern eine warme Dusche nehmen.

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  6. Ich danke Dir, das wünsche ich Dir auch (natürlich nicht in Form von Kassler, oder höchstens ausnahmsweise).

    In seinem letzten Roman deutet der Schriftsteller Ian McEwan an, daß Mitte des letzten Jahrhunderts Geheimdienste allgemein ihnen genehme Schriftsteller unterstützten, und es fiel auch der Name Georg Orwell. Aber ob wirklich was dran ist, Orwell hat ja für die „Farm …“ zuerst nichtmal einen Verleger gefunden.

    Schweine kommen auch nicht gut weg in amerikanischen Underground-Comics, da sind die „Pigs“ brutale Polizisten, die die armen Hippies verprügeln.

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  7. Ja, Alaaf, das wäre ausgesprochen bitter!

    Nein, Schweine gelten als unrein, denn sie fressen Fäkalien. Ich denke, das ist es. (und Vegetarier sind auch welche, denn sie verderben ihren Mitmenschen den Appetit mit solchen Wissenspartikeln ;))

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  8. Orwells Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Verleger werden sicher zutreffen. Die CIA hat sich ja auch erst reingehängt, als es um die erste Verfilmung ging.

    Was Geheimdienste und Literatur angeht, hat mich der Film „Die drei Tage des Condor“ wirklich schockiert – aber natürlich auch fasziniert. Ob man sich in Geheimdienstkreisen wirklich durch Literatur auf Ideen bringen lässt?

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  9. Ich habe noch mal schnell recherchiert, hier ein McEwan-Zitat aus einem Interview im Tagesspiegel: „Spione, die die Imagination unterwandern wollen, das interessierte mich. Und die Vorstellung, dass die Imagination sich rächt. Der britische Auslandsgeheimdienst MI 6 hat George-Orwell-Übersetzungen bezahlt, in 17 oder 18 Sprachen. Hat die Literatur da nicht umgekehrt vom Geheimdienst profitiert?“ http://tinyurl.com/nvwc8mk

    Bei Geheimdiensten halte ich alles für möglich. Als ich zum ersten hörte, daß die Stasi Geruchsproben der Bürger in kleinen Plastikbeuteln aufbewahrte, dachte ich, daß wäre ein Witz.

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  10. Das mit dem üblen Geschmack stammt angeblich aus der Zeit, als es noch keine Kühlschränke gab und Lebertran schnell ranzig wurde. Der heutige Lebertran schmeckt gut gekühlt eigentlich nur ein bisschen nach Fisch – für Leute, die regelmäßig Fisch essen also kein Problem.
    Ja, ich ess auch jede Woche Lachs oder Hering (und im Schnitt alle zwei Tage ein Ei), aber rein rechnerisch deckt das den Vitamin D Bedarf noch nicht ab, um eine effiziente Kalzium-Aufnahme zu garantieren. Ist allerdings nur relevant, wenn man nicht regelmäßig ins Sonnenlicht kann (Vampirpanda, muahaha xD).

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  11. Ein interessantes Interview. Danke für den Link. 🙂
    Ob auch die Literatur vom Geheimdienst profitiert, die Armen vom Kapitalismus…
    Es gibt wohl mehr Symbiosen unter der Sonne, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt.

    Ich lese Spionageromane lieber als Krimis, weil ich die Frage, wie weit der Zweck die Mittel heiligt, sehr spannend finde. Und dann diese schön-traurigen Gestalten die zu Gefangenen ihrer eigenen Legende werden – wie übrigens jeder, der anfängt, sich mit einer Legende zu umgeben.

    Geruchsproben in Plastikbeuteln? Um Spürhunde auf sie anzusetzen, oder was? Vielleicht dachten sie aber auch, dass die Auswertung von Geruchsproben eine große Zukunft hat, und vielleicht hatten sie damit sogar recht. An nichts erinnern wir uns so lange wie an Gerüche, habe ich gelesen. Das scheint zu stimmen. Manchmal steigt einem ein Geruch in die Nase, und selbst wenn man gar nicht weiß, wonach es eigentlich riecht, erinnert man sich sofort an einen bestimmten Ort.

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  12. Hunde sind auch im Spiel, aber wie man sich das genau gedacht hat, keine Ahnung. In der BRD hat man das übrigens auch gemacht, habe ich gerade gelesen, schau hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6rpergeruchsprobe#Verwendung_in_der_DDR

    Die Wohnung meiner ersten Freundin hatte einen ganz spezifischen Geruch. Neulich bekam ich im Bioladen ein Seifenpröbchen – und da war er wieder, ein Geruch, den ich ca. 30 Jahren das letzte Mal gerochen habe. Ab und zu schnüffel ich mal daran und bin sofort in die Zeit zurückversetzt.

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