Einkaufsbahnhof

Der Hauptbahnhof von Köln ist nicht nur ein simpler Bahnhof, mit Gleisen, Fahrplänen und Zügen, nein, er ist sogar ein „Einkaufsbahnhof“. Hier kann man sich mit allem versorgen, was man so braucht: Man kann sich komplett neu einkleiden, Nägel feilen oder Haare färben lassen, international Essen gehen, Bücher, Zeitschriften, Handies und andere Lebensmittel kaufen, Geschenkartikel, Parfüm oder Blumen für die Geliebte liebe Ehefrau besorgen, usw. Das heißt, man braucht, selbst wenn man mehrer Stunden Wartezeit zwischen seinen Zügen hat, das Gebäude nicht zu verlassen – und sieht so gut wie nichts von der Stadt. Das ist aber gar nicht schön, hat man sich wohl gedacht, und daher im Juli ein paar Ausstellungsbeete installiert. Wir zeigen den Reisenden die schönen Seiten Kölns, dann speichern sie die 3D-Bilder positiv im Gedächtnis und kommen später nochmal zurück, um an Ort und Stelle noch mehr Geld auszugeben. Toller Plan, oder?

Hier ist allerdings etwas schiefgelaufen: Schwarz-„häutige“ Schaufensterpuppen in derangierter Kleidung krallen sich verzweifelt an ein Gitter, an dem Schlösser hängen – da wird eine Zielgruppe angesprochen, die es meistens gar nicht bis hierher schafft, die Beteiligten werden, wenn sie nicht ertrunken sind, auf Lampedusa eingesperrt und wieder dahin zurückgeschickt, wo sie herkommen. Außerdem will man hier Geld verdienen und nicht ausgeben müssen, für neue Kleidung und Unterkünfte. Die schwarzgelbe Bundesregierung hat das vorgemacht: Um 124 Millionen Euro wurde der Etat für „Entwicklungszusammenarbeit“ (früher sagte man „Entwicklungshilfe“) gekürzt. Wahrscheinlich denkt man, die benutzen das Geld ja doch nur dafür, um sich Boote zu bauen, mit denen sie hierher kommen. Fürs Nägelfeilenlassen haben sie dann sowieso keins mehr.

0 Antworten zu “Einkaufsbahnhof

  1. Hehe, da ist aber einer sehr zynisch, vermutlich, weil im sein langjähriges pc-Gewissen verbietet selber mal zu shoppen bis der Arzt kommt in einer dieser von der schnöden Wirklichkeit gesäuberten Konsumtempel! Reisen, speisen, Wohlstand preisen.
    Ich verstehe nicht, wie man daran was aussetzen kann. Ich find’s toll! Und Minigolf bei McDoof, ach nä, wie isset doch schön!

    („Kumma Erna, der Bimbo hat noch dat Preisschild anne Hose-typisch, hatter wohl mitgehen lassen! Die führen sisch hier auf wie die Prinzen: Dat is alles nur geklaut…“)

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  2. Ja, zynisch, aber wahrscheinlich gar nicht mit Absicht, sondern aus Dummheit („Annemie, guck doch emol, wat Pommfritz up französisch heißt.“) Oder es war ein Revoluzzer-Praktikant, der der Gesellschaft zeigen will, wie zynisch die Wirklichkeit ist – merkt nur keiner.

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  3. Wahrscheinlich billig eingekauft, Deine Adresse, bei Beate-Uhse-Versand Amaton oder wie die heißen.
    Ich gestehe: Ich habe da gestern einen Café Latte to go gekauft, der war gar nicht schlecht. Ein Hoch auf den Kaffeevollautomaten!

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  4. Die meisten Läden, die es da gibt, brauche ich nicht, aber daß die Buchhandlung sonntags geöffnet hat, finde ich auch klasse, das gebe ich zu – nicht so schön für die Mitarbeiter, da hast Du recht.

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  5. Als ich es mal sehr eilig hatte, habe ich mir im Bahnhof ein belegtes Brötchen gekauft – als die Verkäuferin mir den Preis sagte, dachte ich, die hat sich versehen und mir zwei eingepackt. 😉
    Mich nervt es ein bißchen, daß man alle Bereiche in der Öffentlichkeit mit Werbung und Geschäftemacherei belegt, selbst in der Bibliothek hängen große Werbetafeln, auf denen die vermeintlichen Vorzüge irgendwelcher Handy-Firmen angepriesen werden.

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  6. *Lach*… ja, dass kenn ich auch und man denkt, man hätte ein Brötchen von Paul Baucuse höchst persönlich zubereitet bekommen… 🙄 😉
    ABER, dass schlimme ist ja, die Leute sind darauf angewiesen, die Industrie weiss das und kann es sich eben auch leisten… :no:

    Das stimmt, da hast Du recht. Das ist auch nervig!

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  7. Für die Apotheke bin ich unheimlich dankbar, die hat mir (mit meiner Migräne) schon so manches Wochenende gerettet, ohne, dass ich noch extra etwas bezahlen musste.

    Ich bin selbst auch im Einzelhandel und heilfroh, dass mein Unternehmen z.B. verkaufsoffene Sonntage NIE mitmacht – wann soll man denn sonst noch Wochenende haben…

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  8. So eine geöffnete Apotheke am Wochenende ist wirklich nicht schlecht, ich glaube, die gibt es hier gar nicht.

    Verkaufsoffene Sonntage halte ich auch für Quatsch, als ob die Leute mehr Geld hätten und zusätzlich Gelegenheit bräuchten, es auszugeben. Am Ring gibt es zwei Rewe-Supermärkte, die sind zu Fuß 10 Minuten voneinander entfernt und haben beide jeden Tag (außer sonntags) bis 24 Uhr geöffnet. Verrückt.

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  9. Am HBF? Dooooch, ganz am Ende, Richtung Musical Dome, ist eine :yes:

    Soweit ich weiß, sind die beiden nicht die einzigen REWES in Köln, die so lange auf haben. In Berlin haben die sogar teilweise bis 2 Uhr nachts auf! 8|

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