Werbung in der Innenstadt

Köln hat 710 Litfaßsäulen, die insgesamt in jeweils zehn Tagen von über 119 Millionen Menschen zu Fuß, im Auto oder im Bus/Bahn passiert werden – so jedenfalls die Angaben der Firma, die die Säulen vermarktet. Da Köln nur 1 Millionen Einwohner hat, rennt jeder Kölner, die Touristen mal nicht berücksichtigt, ca. 12 Mal am Tag an einer Litfaßsäule vorbei. Ganz schön aufdringlich, die Dinger, aber ich mag sie trotzdem, weil sie meine Neugier wecken, gern laufe ich drumherum, um zu erfahren, welche Veranstaltungen annonciert werden. Ganz anders, als diese riesigen Werbeflächen, deren Plakate alle paar Sekunden im Inneren rotieren, um einem aggressiv gleich mehrere Überflußartikel anzudienen.

Aufgestellt wurden die erste Litfaßsäulen von dem Berliner Ernst Litfaß im Jahre 1854, sie dienten neben der Werbung anfänglich auch amtlichen Verlautbarungen.

Eine Fläche von der Größe eines Din-A-1-Plakates kostet übrigens 87 Cent pro Tag bei einer Mindestmietdauer von 10,5 Tagen, also ungefähr 9 Euro pro Säule; wer eine ganze Säule mietet, muß ca. 24 Euro pro Tag bezahlen, und wer es edel möchte und eine beleuchtete Säule ordert, 35 Euro pro Tag. Litfaßsäulen und andere Werbeflächen gehören im Amtsdeutsch zur „Stadtmöblierung“. Wer Interesse hat: Ich habe auch noch Möbelstücke, die für Werbezwecke zur Verfügung stehen, z.B. die Kleiderschrankinnenwand. Da gehen zwar keine 119 Millionen Menschen durch, aber dafür ist es auch viel billiger. Wie wär’s?

Man kann eine Litfaßsäule auch für andere Dinge als Werbung nutzen, wie dieser beliebte Crèpe-Verkaufsstand zeigt.

0 Antworten zu “Werbung in der Innenstadt

  1. *Ahäm* Du machst gerade den Arbeitsplatz meines Gatten mies! 😉
    Er hat übrigens früher auch in Köln für die Bestückung der Werbetafeln besorgt. Heute ist er technischer Leiter für den ganzen Norden. Ich mag natürlich die gute alte Litfaßsäule auch lieber.
    Interessant auch, zuweilen wartet er auch Normaluhren. Das Beste daran ist, daß er da mit total vielen Leuten ins Gespräch kommt. Stets sagen irgendwelche alten Leute: „Jaja, die Zeit rast!“, wenn er gerade dabei ist, die Uhr zu stellen.
    Und einmal kam ein Schulkind und sagte: „Wegen Ihnen bin ich letzte Woche 2x zu spät gekommen!“ Da ging die Warnemünder Uhr nicht richtig.
    Auf Rügen machte eine der Uhren einmal seltsame Geräusche. Als er sie reparierte, kam das ganze Dorf zusammen und klopfte ihm auf die Schulter. Dankbare Bürger.
    Und natürlich auch: wird ein sexy Plakat abgehängt, kommt immer irgendwann ein kleiner verhuschter, grauer Typ und fragt, ob er’s kaufen kann.

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  2. „Leute! Schaut alle auf die rotierenden Werbetafeln. Denkt an die Arbeitsplätze!!“ So, puuh, ich hoffe, ich habe die Kurve nochmal gekriegt, ich will ja nicht, daß Herr LaWendeltreppe meinetwegen seinen Job verliert und die ganze Familie deswegen in Not und Elend stürzt. „Wegen Dir haben wir nichts mehr zu essen!“ ist ein schwerwiegenderer Vorwurf als die Sache mit der Uhr.

    Ich kann mich erinnern, als Ann Nicole Smith in den 90ern für Unterwäsche posierte, wurden überall die Plakate geklaut.
    Und, bekommt der arme Mann das Plakat? Die sind ja teilweise riesig, ich stelle mir vor, daß er in seiner Wohnung von monstergroßen halbnackten Frauen umgeben ist, eine leicht gruselige Vorstellung.

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  3. Schöner, informativer Beitrag. Ich habe übrigens schon am Grab von Ernst Litfaß gestanden. Es befindet sich in Berlin auf dem Dorotheenstädtisch-Friedrichswerderschen Friedhof, auf dem lauter Berühmtheiten begraben liegen, unter anderem Bertolt Brecht, aber auch Fritz Teufel, ist aber keine Litfaßsäule.

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  4. 1. Daß da 119 Mio. Passanten vorbeilaufen heißt ja nicht, daß die die Werbung auch beachten. Für Werbung, die gar nicht beachtet wird, 9 Euro zu zahlen, also, das kann man in meinem Schrank viel billiger haben. Schlimmer noch, wenn die Werbung beachtet wird, aber sie führt beim Betrachter zu Mißstimmungen: Das kann in meinem Schrank nicht passieren, darüber brauchst Du Dir wirklich keine Sorgen zu machen. Werbung in meinem Schrank trägt folglich zu Deinem Wohlergehen bei.

    2. Würdest Du z.B. auf einem Werbeplakat in meinem Schrank die Vorzüge eines Lebens im schönen Südfrankreich propagieren, könnten sich die Mottenpopulationen, die sich bei mir evt. häuslich einrichten wollen, dazu entschließen, zumindest ihren Urlaub dort zu verbringen. Sollte das eintreffen, wäre ich sogar bereit, Dir einen zusätzlichen Rabatt einzuräumen.

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  5. 710 litfaßsäulen … wow, er hat die denn alle gezählt?
    interessant, finde ich, dass die immer noch aktuell sind, selbst in unserer elektronisch so durchgeknallten zeit …
    schöner beitrag in wort und bild!

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  6. …jetzt brauche ich natürlich noch Informationen darüber, wie viele Menschen in Deinem Schrank weilen werden bzw. ihn passieren, um mich wirklich zu überzeugen…

    denn wenn ich in Deinem Schrank werben wollte, braucht es sicherlich genauere Kenntnis über die Beschaffenheit der Betrachter, um Deine Behauptung, dies führe nicht zu Missstimmungen zu untermauern…

    …ja, und ich würde sicherlich nicht für Deine Motten werben wollen, die gibt es nämlich hier auch…doch dabei fällt mir ein, vielleicht möchtest Du in meinem Schrank eine Werbung anbringen…mottengeneigt, so dass diese sich zu einem Ausflug nach Köln animiert fühlen…?

    …da könnten wir ins Geschäft kommen.

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  7. Mein Schrankinneres passieren täglich 5 Millionen Menschen, immer in meiner Abwesenheit, frag mich nicht, was die da wollen. Immer wenn ich was herausholen will: Das totale Durcheinander, ich räum schon gar nicht mehr auf, hat eh keinen Zweck. Manchmal nehmen sie auch Sachen mit, jedenfalls finde ich sie nicht mehr, um sie dann Jahre später wieder irgendwo hinzustopfen, zu einem Zeitpunkt, wo ich sie nun wirklich nicht mehr brauche. Aber es sind nicht alle so, da kann ich Dich beruhigen, ja, ich bin sicher, die Allermeisten benehmen sich gesittet und wären für eine farbenfrohe Gestaltung der Innenwände Deinerseits sehr dankbar.

    PS: Danke für das Angebot, aber im Moment kann ich leider keine Motten aufnehmen. Mir fehlt die Zeit, mich um Gäste zu kümmern, denen man ja was bieten will, Stadtführung, Theater etc. Vielleicht später mal, ich … äh … komm dann darauf zurück.

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  8. Ja, vor allem, weil sie sich nicht sofort komplett offenbaren. Will man genau wissen, was da steht, muß man schon hingehen und die Säule selbst umrunden, ganz anders als die Wände, die sich vor einem egozentrisch aufbauen und jeden Blick auf sich zwingen mit der schreienden Aufforderung: SIE.MICH.AN!! Ich denke dann sofort: Das kauf ich auf keinen Fall. Von einer Litfaßsäule dagegen würde ich mich durchaus mal verführen lassen.

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