Kerpener Str.

Was ist wichtiger, Gesundheit oder Krankheit? Blöde Frage, weiß doch jeder, deshalb wird ja auch alles dafür getan, die Gesundheit zu erhalten, also eine gesundheitsfördernde Lebenswelt zu errichten und zu erhalten. Das Merkwürdige allerdings ist, daß man mit Krankheit viel mehr Geld umsetzen kann – das optisch umweltzerstörende fabrikähnliche Gebäude oben ist z.B. das Hauptgebäude der Kölner Klinik.

Wie sehr der Klinikverwaltung die Gesundung ihrer Patienten am Herzen liegt, zeigt diese Baugrube, an deren Stelle sich bis Anfang des Jahres noch ein Patientengarten mit 120 Bäumen befand, die zum Teil bereits über 100 jahre hier standen, gespendet von ehemaligen Patienten und Kölner Unternehmen. Von einer „Grünen Oase gegen das Leiden“ wurde anläßlich der Wiedereröffnung 1997 von offizieller Seite gesprochen. Nun hat sich der Wind gedreht, Natur wird zum Luxusgut, das man sich nicht leisten will. Da müssen Gebäude hin, Labors, da muß gewinnbringend geforscht werden, da müssen Umsätze gemacht werden, da muß die Kasse klingen! Gegen den Willen von Politik und Bürgern hat die Verwaltung mit Verfahrenstricks ein weiteres Stück Natur in der Stadt vernichtet, Lebens- und in diesem Fall auch Genesungsraum mutwillig zerstört (wenn es interessiert: „Der Tod des Patientengartens„).

Und dieses mitleiderregende Stückchen Natur – wenigstens etwas Grün zwischen all den Krankheitsfabrikgebäuden – ist auch schon wieder verplant, auch hier soll noch ein Gebäude hin. „Mit dem Herzen sehen“ steht auf der Skulptur – die Klinikbetreiber scheinen keins zu haben, anders ist das nicht zu erklären. Hier wird nur mit dem Portemonnaie gedacht. Sollte ich mal ernsthaft krank werden, bitte bringt mich nicht an diesen Ort.

0 Antworten zu “Kerpener Str.

  1. Ich mache den Beitrag von Dir auf und bin von dem obersten Bild geplättet.
    Videbitis, Du machst inzwischen richtig gute Fotos. bei Dir konnte ich in der vergangenen Zeit immer nur staunend zusehen.

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  2. Da kann man froh sein, dass nicht ein Massengrab geschaufelt wurde. Danke für die eindrucksvollen Fotos einer Krankheitsfabrik. Hab mal gelesen, dass die Zahl der Erkrankungen mit der Anzahl der Krankenhausbetten in der Region steigt. Ist eigentlich kein Wunder.

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  3. Bettenanzahl erhöhen, Personal gleichzeitig abbauen, Apparatemedizin etablieren, Forschungs- und Baugelder an Land ziehen – man hat den Eindruck, da sitzen an den verantwortlichen Stellen nur eiskalte Technokraten, der Patient ist bloße Ware. Es würde mich nicht wundern, wenn man da durchaus schon mal über die gewinnträchtige Effektivität eines eigenen Friedhofs nachgedacht hätte, um die Verwertungskette zu schließen.

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  4. nun ja, wir staunen und bemerken, aber wir tun nix dagegen, nicht ganz, du bloggst darüber … und danke!
    auch ich finde deine bilder immer sehr gelungen, du gibst diur mühe, und das gefällt mir!

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  5. …ein Aufenthalt in gesunder Natur wirkt sich gesundend auf den Menschen aus, seiner Seele und den Körper…

    …wissen die das nicht?

    In so ein Krankenhaus darf man nicht gehen. Wenn ich das sehe, bekomme ich das Gefühl, ich käme da nie wieder lebend raus, bin dann gefangen zwischen den Apparaten…gruselig und unmenschlich.

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  6. Eine Freundin von mir war in einer Bürgerinitiative engagiert, allerdings arbeitete die Krankenhaushausverwaltung mit derart miesen Tricks, daß selbst gestandene Lokalpolitiker übertölpelt wurden.

    Danke, das freut mich!

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  7. Ich glaube, das wissen die auch ganz genau – es gibt wahrscheinlich keinen Verwaltungsdirektoren, der nicht in einem schönen Haus mit Garten und viel Grün drumherum wohnt. Hier geht’s nur um Geld, zynisch und unmenschlich, genau wie Du sagst.

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  8. ja, sie schaffen z.B. im Gleisdreieck eine riesige grüne Asphaltdecke (wo Bäume, Sträucher und viel wildes Grün war), mit Geldern die als GrünAusgleichszahlung vom Potsdamer -Platz -Bau herstammen …

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