Hansaring

Ein kleiner Teil der Ende des 19. Jahrhunderts geschleiften Stadtmauer, eingebettet in eine kleine Parkanlage. Im Schatten des kleinen Turms befindet sich eine deutsch-türkische Begegnungsstätte, allerdings ist in jedem Dönerimbiß mehr Begegnung als hier, aber vielleicht täusche ich mich und zu bestimmten Zeiten geht hier die Post ab.

Hochzeit in der Stadt

Hochzeitsempfang auf dem Rathausvorplatz – sehr schön sieht man die Renaissancelaube, die 1573 fertiggestellt wurde. Die Brautleute sind offenbar im Karneval engagiert:

Und da sind sie auch schon. Nur ein Vollblutskeptiker (oder Unbeteiligter, wie ich) hat zu dieser „Hohen Zeit“ den unedlen und bangen Gedanken, daß die Scheidungsrate in Städten bei ca. 50% liegt. Also hat man allen Grund, alles Gute zu wünschen!

Weidenbach

Im Brauhaus „Weiss Bräu“ hat man es irgendwie mit der Zahl 10, ich hatte keine Lust, danach zu fragen. Aber 10 Schnäpse braucht man auch, wenn man folgendes gegessen hat: „10 Köstlichkeiten ab 2 Personen: Knusprige Spareribs mit BBQ Soße, rösche Haxe, Putenspieße vom Grill, echte Nürnberger Rostbratwürste, saftiger Schweinsbraten aus dem Ofen mit allerlei diversen Beilagen und Hausspezialitäten – angerichtet auf einer großen Platte, serviert auf dem Tisch und die ganze G`schicht kost bloß 17,00 pro Person.“ (Zitat aus der Speisekarte). So sieht es aus, wenn es bereits halb abgegessen ist (ich habe es heimlich vom Nebentisch fotografiert):

Aber es ist wirklich ganz nett hier, relaxt sitzt man im 1. Stock auf einer Dachterrasse, das Bier schmeckt einigermaßen (obwohl es Kölsch ist), und der kleine Snack (Flammenkuchen) ist zwar teuer, aber gut. Hier war ich nicht das letzte Mal.

All you can eat!

Hm – wenn man direkt davor sitzt, sieht es irgendwie besser aus als auf einem Foto. Im DuMont Carree in der Breite Str. gibt es ein chinesisches „All you can eat“-Restaurant, man bezahlt 6,90 Euro (Getränke extra) und kann so viel essen, wie und solange man will. Da hier relativ viel Betrieb herrscht, kann man davon ausgehen, daß die Speisen immer frisch sind. Es gibt Schwein-, Rind- und Geflügelgerichte, aber auch viele Gemüsearten, geschmort oder roh, mit Tofu oder ohne, Gebackenes, Frittiertes, Suppen und verschiedene Desserts – eine Riesenauswahl, weshalb der Besuch auch lohnt, wenn man nicht für eine Woche im Voraus essen will.
Tatsächlich sieht man immer mal wieder Leute, die ohne Teller am Tisch sitzen und warten – darauf, daß die Verdauung arbeitet, der Magen sich wieder halbwegs leert und sie oral nachschieben können. Die meisten Besucher aber erfreuen sich an der guten Auswahl und Qualität und der zwanglosen Atmosphäre.

Südfriedhof

So wünschte ich mir mein Grab – sattes Grün, und wenn die Hinterbliebenen den Wunsch haben, eine der typischen Friedhofskerzen in den roten Plastikbehältern aufzustellen, erfreute die farbliche Zusammenstellung das Herz meiner Seele.

PS: Ich bin übrigens kerngesund und habe vor, noch einige Jahre am Leben zu bleiben.

Dom

Am 23. Juli 1164, also vor genau 844 Jahren, brachte der damalige Erzbischof Rainald von Dassel die angeblichen Gebeine der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Köln, die ihm der Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa, nach der gelungenen Besetzung der Stadt geschenkt hatte. Um ein angemessenes Gebäude für den Schatz bemüht (die „kleine“ Vorgängerkirche konnte den wirtschaftlich lukrativen Pilgeransturm nicht fassen), begann man 1248 mit dem Bau des heutigen Doms – das Jahr markiert übrigens auch den Beginn der gotischen Architektur, eigentlich eine französische Erfindung, in deutschen Landen. Im neuen Gebäude, das bereits nach ca. 640 Jahren fertig gestellt war, finden aber noch viel mehr Reliquien Platz.

Im Ernst: Ich mag diesen Seitenaltar, auch wenn ich mit Religion nichts am Hut habe.

Ich habe vor gestern Abend den Dom noch nie so voll gesehen: Sämtliche Plätze besetzt, in den Gängen standen die Leute: Im Sommer findet jeden Dienstag bei freiem Eintritt ein Orgelkonzert statt, der Klang ist wirklich gewaltig, auch wenn gestern Modernes gespielt wurde, ich muß gestehen, ich hätte lieber Bach gehört – aber der steht nächsten Dienstag auf dem Programm.

Josef-Haubrich-Hof

Der Josef-Haubrich-Hof (der Namensgeber hat der Stadt nach dem 2. WK seine umfangreiche Sammlung von Bildern der Klassischen Moderne geschenkt) ist, so das Zitat einer Freundin, „ein Platz, der nur sich selbst gehört“ – oder, anders ausgedrückt, ein Beispiel städtebaulicher Fehlplanung. In den späten 80ern noch eine unbebaute häßliche Brache (ich kann mich noch daran erinnern), wurde mit dem Bau des Ärztehauses an südöstlicher Ecke des Neumarktes (hier links im Bild) auch die Gestaltung des Platzes geplant, der außerdem von der Volkshochschule (im Bild rechts) und der städtischen Zentralbibliothek eingerahmt wird – eine belebte Atmosphäre schien garantiert. Aber es kam anders: Die Bänke wurden schnell wieder abgebaut, da sie alkoholselige Penner anzogen, die die vielen Passanten anbettelten. Dann wurde er einer der Haupttreffpunkte der hiesigen Drogenszene, das mobile Betreuungsbüro für Abhängige stand hier eine Zeitlang, und in den Toiletten der Bibliothek wurden die Glühbirnen gegen blau-strahlende ausgetauscht, damit die Fixer dort ihre Venen nicht finden konnten. Jetzt ist der Platz nur noch einer, der überquert wird, öde und traurig. Dabei würde sich doch eine mobile Außengastronomie ganz gut machen, ich würde hier Milchkaffee trinken … seltsam.

"Wenn Totenstille eintritt"

Reklame

Wohin aber gehen wir
ohne sorge sei ohne sorge
wenn es dunkel und wenn es kalt wird
sei ohne sorge
aber
mit musik
was sollen wir tun
heiter und mit musik
und denken
heiter
angesichts eines Endes
mit musik
und wohin tragen wir
am besten
unsere Fragen und den Schauer aller Jahre
in die Traumwäscherei ohne sorge sei ohne sorge
was aber geschieht
am besten
wenn Totenstille
eintritt

Ingeborg Bachmann (1956)

Inspiriert von SusanIwanowa.

Neue Weyer Str.

An einer Ecke des Barbarossaplatzes, eines der verkehrsreichsten Plätze der Stadt, steht, viel zu nah an einem häßlichen Betonbau, diese filigrane Stahlplastik „Attilla“ aus dem Jahr 1977 von dem Schweizer Künstler Paul Suter. Lesen wir, was Suter selbst zu seiner Kunst sagt: „Wichtiger als die technische und formale Machart ist der räumlich plastische Ausdruck. Ich versuche, die gezählten Formteile so einzusetzen und zusammenzufügen, daß nicht so sehr die materielle Präsenz bekundet wird, als vielmehr Bewegungen im Raum, Kräfte im Raum veranschaulicht werden.“ Die beabsichtigte Wirkung wird leider weitgehend durch die Umgebung zerstört.