Breslauer Platz

Wenn am sogenannten grünen Tisch ein Platz geplant wird, dann ist auf dem Platz selbst nichts Grünes zu finden, Bäume, Sträucher, auch popelige Blumenkübel verursachen Arbeit und damit Kosten – Gießen, Blätter wegpusten und andere lästige Dinge. „Folgekosten“ ist wahrscheinlich das Wort, das man in Rat und Verwaltung fürchtet wie der Teufel das Weihwasser. Und was ist mit ein paar Bänken? Auch wenn die Aussicht nicht sehenswert ist, so kann es doch die ein oder andere Wartezeit zum Verweilen geben, schließlich befinden wir uns gleich hinterm Bahnhof. Ha – von wegen! Nachher setzt sich da noch jemand hin! Der produziert doch nur Müll, oder trifft sich da mit anderen Obdachlosen und Alkoholikern.

Oberbürgermeister Roters sprach anläßlich der Eröffnung im März von einem „Meilenstein“ in der Stadtgestaltung, Bürgermeister Hupke sogar von einem „kleinen Gesamtkunstwerk“ – ich weiß nicht genau, wahrscheinlich ist das eine Art von berufsbedingter kognitiver Dissonanz. Was ist ein Platz? Eine leere Fläche – basta! Urbaner Lebensraum? Papperlapapp.

Na gut – einen Brunnen findet man schön im Rat, also hat man 2008 einen beschlossen. Dummerweise ist nun keiner zu sehen. Wie es heißt, habe die Stadtverwaltung ihn „vergessen“, merkwürdig ist allerdings, daß die unterirdischen Leitungen bereits gelegt wurden. 280.000 Euro soll es nun kosten, doch noch einen Brunnen anzulegen. Ob er jemals kommt, darauf würde ich keine Wette eingehen. Denn was folgt einem Brunnen, wenn er schließlich da ist? Ist doch klar: Folgekosten.

Hohenstaufenring

Nachdem man in Köln und NRW nun ein striktes NiSchG eingeführt hat, müssen an manchen Stellen Hausbewohner sich erst durch eine dichte Traube von Menschen kämpfen, wenn sie auf die Straße wollen. Ich fordere daher dringend den Erlaß eines HaSchG. Und wenn man schon mal dabei ist: Für die allgemeine Volksgesundheit ist unbedingt erforderlich, ein ArVeGwöhönS-vL zu erlassen!

NiSchG = Nichtraucher-Schutz-Gesetz
HaSchG = Hauseingangs-Schutz-Gesetz
ArVeGwöhönS-vL = Arbeitszeit-Verkürzungs-Gesetz auf wöchentlich höchstens neunzehn Stunden bei vollem Lohnausgleich

Neumarktunterführung

In der Unterführung am Neumarkt, wo täglich Tausende Leute entlanggehen, weil sich hier die Nord/Süd- und die Ost/West-U-Bahnen kreuzen, steht neuerdings ein Krimi-Automat, betrieben von der Stadtbibliothek. Unter insgesamt 800 verschiedenen Titeln kann man auswählen (genauer gesagt: Unter 200, die im wöchentlichen Turnus ausgewechselt werden) – wenn man einen Ausweis der Bibliothek hat, und der kostet inzwischen 38 Euro im Jahr, ganz schön happig! Die Benutzung von Bibliotheken sollte grundsätzlich umsonst sein, und dafür könnten sie meinetwegen auf solche Spielereien wie diesen Automaten verzichten. Wer keine Krimis mag, guckt sowieso in die Röhre *mecker mecker*.
Also: Nette Idee, aber bitte erst Gebühren senken!

Haustiere

… in der Großstadt, das ist so eine Sache für sich. Wenn schon, dann so eins: Braucht keinen Auslauf, kostet keinen Unterhalt, schmutzt und bellt nicht. Allerdings verjagt es auch keinen Einbrecher – es sei denn, er ist wasserscheu.

Lichtshow im Dom

Es wird ja immer mal wieder behauptet, in Weihrauch sei der selbe Stoff vorhanden, der auch die Cannabis-Raucher high macht.

Auf den Gedanken könnte man jedenfalls kommen, wenn man einige Sequenzen der Lichtshow sieht, die anläßlich des eucharistischen „Kongresses„, der letzte Woche in Köln stattfand, jeden Abend um 22 Uhr im Dom gezeigt wurde.

Keine Veranstaltung wurde übrigens mehr besucht als diese, schon weit vorher standen die Massen vor den Toren Schlange, wir sind nur mit viel Glück im letzten Schub hineingekommen.

Natürlich ging das nicht ohne ein paar einleitende Worte irgendeines Geistlichen, der mehrmals ausdrücklich betonte, daß der vor 2000 Jahren verstorbene Namensgeber der Firma „wirklich und leibhaftig“ anwesend sei beim Abendmahl – immer nach dem Motto: Je öfter man den Quatsch wiederholt, desto glaubhafter wird er. Und weil es so schön war, wurde das Lichspektakel unterbrochen, um langweilige Bibelstellen vorzulesen, damit es nicht zu viel Spaß macht, dabeizusein.

Die Lichtschow selbst – zu mächtiger Orgelmusik – war aber sehr imposant. Hier ein kleiner Ausschnitt, um vielleicht wenigstens einen Eindruck zu bekommen – viel sieht man nicht, aber immerhin:

Stammstr.

Nanu – komplett leer im sonst zurecht gutbesuchten Café Goldmund, wie kann das sein?

Kein Wunder, alle Gäste sitzen draußen. Eigentlich ein Parkplatz in einer unwirtlichen Ecke, hat man mit ein paar Pflanzenkübeln und Sonnenschirmen das Beste daraus gemacht. Schöne, lebendige Atmosphäre.

Chamisso-/Ecke Eichendorffstr.

Na – das nenn ich doch mal eine ordentliche Portion Spargel, nicht die drei bis vier Stangen, die man sonst schon mal für viel Geld bekommt.

Im Wirtshaus Hotzenplotz war ich gestern zum ersten, aber bestimmt nicht zum letzten Mal – gutes Essen (die Gerichte an den Nebentischen sahen auch gut aus) zu günstigen Preisen, nette und schnelle Bedienung: Das ist jedem Brauhausbesuch vorzuziehen.

Compassion

Im Auftrag der katholischen Kirche „St. Peter“ hängen an zwölf Stellen in der Stadt überdimensionale Fotos des Künstlers Zlatko Kopljar. Allen gemeinsam ist, daß ein kniender Mann vor einer mehr oder weniger bekannten Architektur posiert, in New York, Moskau, Peking usw. So schön ich es auch finde, daß großformatige Fotokunst aktionsweise das Stadtbild bereichert, so empört war ich gleichzeitig über dieses Motiv: Werden wir jetzt schon angehalten, uns in allen möglichen Situationen vor einer irrationalen oder anonymen Macht demütig zu beugen?

Im Gegenteil, wie ich inzwischen gelesen habe: Der Künstler will mit dieser Fotoserie (genannt „K9 – Compassion“) gerade das kritisieren, daß wir nämlich inzwischen alle möglichen weltlichen Dinge anbeten, als seien es Gottheiten. Aha, gut, wenn das so ist … ich finde diese Körperhaltung aber grundsätzlich für unwürdig, auch in der Kirche. Hoch erhobenen Hauptes, mit geradem Rückgrat sollte der Mensch durch die Welt gehen, eine Religion, die gekrümmte Rücken verlangt, hat sich allein schon deswegen um jede Glaubwürdigkeit gebracht. Der einzige Kniefall, mit dem ich mich abfinden kann, ist der von Willy Brand in Warschau, eingedenk der Opfer des Nationalsozialismus.

Die Ausstellung findet statt im Rahmen des „Eucharistischen Kongresses“ der Katholischen Kirche, der vom 5. bis 9.6. in Köln abgehalten wird … Moment, ein Kongreß ist eigenlich eine Art Tagung, auf der Wissenschaftler zusammenkommen, um die neusten Ergebnisse ihrer jeweiligen Forschung vorzustellen und kritisch darüber zu diskutieren. Kann man das glauben, daß die katholische Kirche bereit ist, das sogenannte Abendmahl und die damit verbundenen „Wunder“ auf diese Weise zu hinterfragen?

Nein, kann man natürlich nicht: „Anders als der übliche Sprachgebrauch vielleicht nahelegt, ist dieser „Kongress“ im ursprünglichen Sinn des Wortes eine Zusammenkunft: die Gläubigen versammeln sich um das Zentrum des Glaubens, die Eucharistie – also die Gegenwart Christi in der Gestalt von Brot und Wein.“, steht auf der Homepage. Das hätte mich auch wirklich gewundert. Die ganze mehrtägige Veranstaltung ist Selbstfeier und Propaganda: Morgens, mittags, abends kann man Gottesdienste besuchen, oder eine der zahlreichen Unterweisungen, schließlich kann es nicht schaden, den „Schäfchen“ immer mal wieder den „rechten“ Weg zu weisen, also dem Nachwuchs zu sagen, was er denken und glauben soll.

Die Eucharistie, also das Abendmahl, steht im Mittelpunkt der Vermittlung: Die Kirche behauptet, die beim Abendmahl in den Mund gelegte Oblate und der gereichte Wein seien tatsächlich, also nicht nur symbolisch, der Leib und das Blut von Jesus Christus. Heißt das, daß man nun wirklich auf Menschenfleisch herumkauen und Blut trinken muß? Das zu glauben, so blöd kann doch eigentlich kein Mensch sein. Außerdem wäre das doch bestimmt auch verboten …

Und so ist es auch nicht, wie man bei Bischof Heiner Koch nachlesen kann: „Die äußeren Erscheinungsweisen von Brot und Wein ändern sich in der Wandlung nicht [Hervorhebung von mir]. Sie sind das sakramentale Zeichen für die Wirklichkeit Jesu Christi. Die Substanz des Brotes und des Weines wird in die Substanz des Leibes und Blutes Christi verwandelt.“ (Kirchenzeitung Köln, Ausgabe 25/2012 vom 22. Juni, S. 12) Aha, ich verstehe: Der Zeremonienmeister bringt Brot und Wein mit, spricht ein paar Worte darüber, dann sieht es immer noch aus wie Brot und Wein und schmeckt glücklicherweise auch genau so, aber – ha! – ist in Wirklichkeit was anderes, nämlich die Substanz von Leib und Blut. Tja. Das größte Wunder ist, daß das als Botschaft funktioniert und Leute wirklich daran glauben.

Wenn ein Zauberer die Bühne betritt, in der einen Hand ein weißes Kaninchen, in der anderen einen Zylinder, und sagt: „Stellt euch das mal vor: Dieses Kaninchen habe ich aus diesem Hut gezogen!“, dann kann man das auch glauben oder nicht. Zumindest aber würde man das für eine ziemlich schlechte Aufführung halten.

Und was soll das Ganze? Man trifft sich mit Gleichgesinnten, ißt und trinkt was zusammen und hat Spaß miteinander? Nichts da: Wenn ich das richtig verstanden habe, wird da – nach katholischer Lehre – jemand immer wieder neu geopfert für unsere angeblichen Sünden, mit jeder Oblate, die da weggelutscht wird, weshalb wir fromm, dankbar und der Kirche gehorsam sein müssen. Himmel, was sind das für Leute, die sich sowas ausdenken?!

Willy-Millowitsch-Platz

Die kleine Empore da, mit den Stühlen und den Tischen, ist das nun ein improvisierter Biergarten oder eine Kunstinstallation? Dieses kleine Stückchen Rasen gehört zu einem großen Hotel, deren Betreiber es erlaubt haben, ihn nach dem Volksschauspieler zu nennen, weil der Stadt gerade kein anderer Ort eingefallen ist. Der Platz, wie man ihn nun schönfärberisch nennt, ist von Verkehr umgeben, an drei Seiten jeweils vielbefahrene zweispurige Straßen, an der vierten ein Taxistand fürs Hotel. Man kann sich nicht vorstellen, daß sich hier jemand länger aufhält, als die Rotphase der Fußgängerampel dauert.
Der Stadtrat findet das inzwischen auch unwürdig für den 1999 Verstorbenen und hat deshalb kurz vor Weihnachten, vermutlich in einer Dringlichkeitssitzung, einen anderen Platz ausgesucht, der künftig Willys Namen tragen soll. Da gibt es eine stark frequentierte Pommesbude, einen Tiefgarageneingang und ein Café (Kölnkenner könnten schon erraten, wo das ist). Jetzt ist nur die Frage, wann der Beschluß umgesetzt wird – ich rechne damit, daß es 2030 erledigt sein wird, aber sicher ist das natürlich nicht.