Unter Fettenhennen/Roncalliplatz

„Könnte man nicht auch sagen, die geheime Verkettung der Dinge bilde für uns etwas, das wir Zufall nennen, was doch aber notwendig ist?“ (Susette Gontard, 1769 – 1802)

Wenn das stimmt, dann möchte ich gern wissen, worin die geheime Notwendigkeit der Ähnlichkeit dieser beiden U-Formen, gebildet von Menschenansammlungen, liegt. Das obere Bild zeigt die Terasse des überkandidelten Cafés Reinhard direkt vorm Dom, eine teuere Touristenfalle und geschmackloses Oma-Café … jaja, ist ja schon gut, ich übertreibe – der Kuchen ist wirklich ausgezeichnet (nur viel zu teuer). Die U-Form ist hier von der Begrenzung der Terasse vorgegeben. Weshalb die Zuschauer keine 50 Meter entfernt auf dem Roncalliplatz in der gleichen Formation einem Alleinunterhalter zusehen, darüber kann man nur spekulieren (die Fotos wurden am selben Tag und ungefähr zur gleichen Uhrzeit gemacht, die Ähnlichkeit ist mir erst auf den Bildern aufgefallen).

Die geheime Botschaft könnte z.B. lauten: „Menschenmengen in der Nähe des Doms sollen immer die U-Form annehmen.“ Macht keinen Sinn, oder? Was sollte das denn heißen? Unter Umständen? Urkatholisch unterbelichtet? Blödsinn. Wenn Zufall eine verborgene Notwendigkeit ist, muß es irgendwas Vernünftiges sein. Ich hab’s: Wenn man die Schatten genau betrachtet, sieht man, daß die beiden U-Bögen zueinander stehen, wenn man von oben, quasi aus der Vogelperspektive, beide Bilder zusammen sieht, dann steht das eine u auf dem Kopf. Ein u, das auf dem Kopf steht, könnte auch ein n sein – Resultat: UN! Vereinte Nationen, also vereinte Menschen aus allen Nationen, das paßt: Die Stadt wurde von Italienern gegründet (sie ist immer noch die nördlichste Stadt Italiens), die haben sich mit den Germanen zusammengetan, zwischendurch kamen die Hunnen, die Goten wahrscheinlich auch, ganz zu schweigen von den Franzosen, eben aus aller Herren und Damen Länder, vermehrten sich und bildeten so eine Weltstadt (naja, gut …).
Auf jeden Fall: Die Notwendigkeit hinter diesem vermeintlichen Zufall will uns sagen, daß immer, wenn in Köln viele Menschen zusammen stehen, sie ein Gemisch der Menschen aller Nationen bilden!
Ah ja.
Gefällt mir.

Kolumba Kunstmuseum, Kolumbastr.

Das katholische Diözesanmuseum heißt schon seit einiger Zeit nicht mehr so, sondern „Kolumba: Kunstmuseum des Erzbistums Köln“, da der im September 2007 geöffnete Neubau auf dem Gelände der Ruinen der im 2. Weltkrieg zerstörten Pfarrkirche St. Kolumba steht. Das Gebäude des Architekten Peter Zumthor ist sehr imposant: Von außen erinnert es an eine Festungsanlage, innen vermitteln zum Teil sehr hohe und zueinander verschachtelt gelegene Räume und Gänge unterschiedlicher Größe auf drei Etagen Erhabenheit: Der Mensch kommt sich klein vor.

Die Wände innen sind hellgrau, aber nicht aus bloßem Sichtbeton, sondern ganz glatt, als wären sie mit Kunststoff versiegelt. Die Kunstwerke umfassen die Zeit vom Mittelalter bis heute. Bei der Hängung wurde sehr großzügig vorgegangen: Wäre dies ein normales Museum, würde das dreifache an Kunstwerken ausgestellt sein.

Das gibt tatsächlich den Eindruck, als befinde man sich an einem besonderen Ort: Man ist so leise und vorsichtig wie in einer Kathedrale, in der grade Gottesdienst abgehalten wird – oder spielt mir etwa meine Wahrnehmung einen Streich? Auch das Aufsichtspersonal erinnert mich eher an Tempelwächter …

Auffallend ist, daß kein Kunstwerk benannt ist, weder Titel noch Künstler werden erwähnt. Das hat den Vorteil, daß man sich ganz auf das Werk an sich konzentriert und sich oft irritiert fragt, was das nun bedeuten soll, andererseits wird man doch allein gelassen mit seinen Eindrücken … zumindest museumspädagogisch ist das nicht auf der Höhe der Zeit. Ob das vielleicht dazu dient, unerwünschte Eingriffe zu vermeiden? Ich stelle mir das so vor:
Das Telefon klingelt. „Kardinal Meisner hier. Ich war neulich im Museum – um Himmels Willen, hängt doch bloß dieses entartete Werk ab!!“ „Euer Hochwürden, aber natürlich, sofort, sofort – welches meinen Euer Hochwürden?“ „Na, das eine, das da hängt, Sie wissen schon!“ „Den Klapheck? Beuys? Warhol? Den Lochner gar?“ „Quatsch, doch nicht den Lochner! Den … den … ach, Sie können mich mal kreuzweise!!“ Der Hörer wird aufgeknallt, alles bleibt so, wie es ist.
Vielleicht hätte er dieses verstörende Kunstwerk gemeint:

Unter der Tischplatte hängt eine gefesselte lebensgroße Figur auf Stroh mit aufgerissenem Mund und vor Entsetzen geweiteten Augen (wenn ich mich recht erinnere). Meine erste Assoziation war: Folter. Inquisition. Sehr eindringlich, sobald ich den Katalog habe, berichte ich vielleicht mehr davon.

Im Cinedom, Mediapark

Viele Leute mögen den Cinedom nicht: 14 Kinosäle auf drei Etagen, hauptsächlich Mainstreamfilme und ein entsprechendes Publikum, und am Wochenende 8,50 Euro Eintritt: Der Charakter eines Warenhauses, in dem einem Massenpublikum das Geld aus der Tasche gezogen werden soll, drängt sich auf. Wenn ich aber einen Film sehen will, der unter anderen Kinos auch hier läuft, ist der Cinedom meine erste Wahl: Wegen des Preises muß man natürlich in der Woche gehen, und wenn man auf seinem Platz sitzt und außerdem das Glück hat, in einem Radius von fünf Metern keine Nachos- oder Popkorn-mampfenden Krakeeler um sich zu haben, dann ist es richtig großes Kino: Die ganze Einrichtung ist schwarz, die Sitzreihen in einer Steigung, daß man nie den Kopf seines Vornachbarn im Bild hat, eine Beinfreiheit, daß der Begriff überflüssig wird, riesige Leinwände und ein Sound, der seinesgleichen sucht. Hier wird so mancher kleiner Film geadelt, der eigentlich allenfalls fürs TV taugt.
(Siehe auch
hier)

Roonstr.

Diese Straße war früher zweispurig und recht ruhig, bis die Stadtväter (und wohl auch ein paar -mütter) auf die Idee kamen, den Bereich, durch den der Durchgangsverkehr Richtung Westen sonst ging, zu entlasten. Also wurde sie zur vierspurigen Umgehungsstraße ausgebaut – Pech für die Anwohner.  Zwischen den Ampeln dient sie einigen Autofahrern auch gern mal als Rennstrecke. Sonntags (s.o.) kann man erahnen, wie ruhig es früher immer war.

Mittelstr.

Die Mittelstraße ist eine ‚Einkaufsmeile‘ für gehobene Ansprüche – italienische Designerschuhe, Dolce und Gabana, Blano etc. sind die Marken, die hier an Neu- und Altreiche verhökert werden, die in ihren dicken Umweltverschmutzern in die City zum Shoppen kommen. Um die Ecke gibt es einen schicken Imbiß mit Schampus und Kaviar, die Preise sorgen dafür, daß man unter sich bleibt und sich dem Gefühl der Exklusivität hingeben kann. Na dann – viel Spaß!

Wallrafplatz

Wer kennt ihn noch, den „Spatz vom Wallrafplatz“? Das war eine populäre Kindersendung Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre, produziert von dem heute sehr bekannten Armin Maiwald („Sendung mit der Maus“) für den WDR, dessen Hauptgebäude eine Seite des Platzes begrenzt. Auf dieser Platane hat der Spatz gesessen und mit leicht berlinerischem Akzent seine Kommentare abgegeben.

Der Wallrafplatz ist das Entree zur Hohestr., einer engen, häßlichen Standardfußgängerzone, und hat mit dem bekannten Kölner Bürger Günter Wallraff nicht zu tun: Er ist benannt nach dem  damaligen Universitätsrektor Ferdinand Franz Wallraf (1748–1824), der der Stadt über 50000 Kunstwerke geschenkt hat und daher auch einer der Namensgeber des Wallraf-Richartz-Museums ist.

Jülicher Str.

Ja – was ist DAS denn? Hat der Polier sein Senkblei verloren? Waren die Maurer betrunken? Die scheinbar natürliche Reaktion auf solch eine Architektur ist vermutlich die, das sie einem nicht gefällt – und ich sage mit Bedacht „scheinbar natürliche“ Reaktion. Denn unser Verständnis von ‚angemessenen‘ Gebäuden ist kulturell geprägt und basiert auf einfachen geometrischen Figuren, die hier so ineinander verschachtelt sind, daß uns die Ansicht irritiert oder gar abstößt. So steht diese dekonstruktivistische Architektur nicht nur für sich, sondern hilft dabei, eigene Wahrnehmungsgewohnheiten zu dekonstruieren, d.h. die Wahrnehmungen in ihrer Gesamtheit zu hinterfragen.

Ob dies ein gelungenes Werk dekonstruktivistischer Architektur ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Im Gebäude befindet sich das Hotel Chelsea, das u.a. dadurch bekannt ist, daß Künstler seit Mitte der 80er Jahre Kost und Logis im Tausch gegen Kunstwerke erhalten, die dann in den Räumen ausgestellt werden. Im Erdgeschoß befindet sich das Café Central, das einfache Speisen nach meinen Erfahrungen lieblos, uninspiriert und für zu viel Geld anbietet.