Moltkestr.

Irgendwie ungehalten war ich schon den Sommer über, nicht wirklich schlimm, aber doch merkbar, wie ein kleines Steinchen im Schuh. Was, wenn ich gestorben wäre? Wer hätte mir dann die eine Stunde Freizeit ersetzt, die man uns im März während einer Nacht zum Sonntag einfach gestrichen hat? Und vor allem: Wie? Seit heute habe ich sie wieder, es läßt sich einfach besser leben ohne Steinchen im Schuh. Und für die nächsten Jahre schlage ich folgendes vor: Die Uhr wird während der Arbeitszeit vorgestellt, sagen wir an einem Freitag um 14.00 Uhr. Die Arbeitgeber bekommen die ausgefallene Zeit ja im Oktober wieder, und sollte ich dann in der Zwischenzeit gestorben sein, können sie mir den entsprechenden Betrag gern von meinem letzten Gehalt abziehen. So, wie es jetzt ist, ist es ungerecht! Was machen eigentlich die Gewerkschaften?

Chlodwigplatz

Im Rausch des Elemetaren? Doch eher bei einem Cappuccino im ‚Rendezvous‘ mit Blick auf Kreisverkehr und Großbaustelle (s.u.) gedanklich den mittelmäßigen Umständen des gemeinen Alltags nachhängen. Großstadtprovinz (seufz).

Sheddach Museum Ludwig

Dies ist ein Beispiel eines städtebaulich gelungenen Neubaus. 1986 von den Architekten Busmann und Haberer vollendet, fügt sich das Museum in seiner rhytmischen unaufdringlichen Bauweise in die Umgebung Dom, Bahnhof, Hohenzollernbrücke und Rhein ein. Wer bei dem Foto an eine Fabrikhalle denkt, liegt ganz richtig: Die Shed-Bauweise ermöglicht optimalen Lichteinfall für die ausgestellten Kunstwerke. Das Museum beherbergt Kunst seit der klassischen Moderne, unter anderem die größte europäische Pop-Art-Sammlung und die größte Picasso-Sammlung in Deutschland. Die Qualität der Wechselausstellungen hat in den letzten Jahren im Vergleich zu Düsseldorf und Bonn allerdings stark nachgelassen.
Zur Bedeutung des Ehepaars Ludwig für die hiesige Museumslandschaft erzähle ich an anderer Stelle mehr (ich weiß, es reißt Euch vom Hocker bei der Ankündigung ;-: aber die Geschichte ist wirklich spannend).

Kirche St. Kolumba, Kolumbastr.

Sankt Antonius von Padua, ein Zeitgenosse und Anhänger von Franz von Assisi, ist laut des Heiligenlexikons der beliebteste Heilige der katholischen Kirche. Das wundert mich nicht, wenn man sich anschaut, wofür er das Patronat hat: Er ist Schutzheiliger von  „Padua, Lissabon, Paderborn, Hildesheim; der Armen und Sozialarbeiter, der Liebenden und der Ehe, der Frauen und Kinder, der Bäcker, Bergleute, Schweinehirten und Reisenden, der Pferde und Esel; gegen Unfruchtbarkeit, teuflische Mächte, Fieber, Pest und Viehkrankheiten; bei Schiffbruch und in Kriegsnöten; für Wiederauffinden verlorener Gegenstände, gute Entbindung, Altwerden und eine gute Ernte.“ (Zitat Heiligenlexikon) . Das ist doch wirklich sympathisch, einen Helfer für verlorene Gegenstände kann man immer gut gebrauchen, ob allerdings der kirchliche Rat auch in Liebesdingen gut ist – da sollte man sich eine gesunde Skepsis bewahren.

 

Die bekannteste Legende um St. Antonius beschreibt seinen zuerst fehlgeschlagenen Versuch, am Ufer des Rimini die dort lebenden Menschen zum rechten Glauben zu bekehren. Die wollten allerdings gar nichts von ihm wissen – nur die Fische steckten ihre Köpfe aus dem Wasser, um ihn besser zu hören, worauf Antonius sich ihnen zuwandte und ihnen predigte. Das erstaunte die Menschen derart, das sie sich fast alle bekehren ließen.

 

Der Künstler Ewald Mataré (1887 – 1965) schuf diese Statue Ende des 2. Weltkrieges – ob es einen Zusammenhang mit der Legende gibt, ist mir unbekannt, ergäbe aber Sinn, oder?

Zülpicher Str.

Die Zülpicher Str. ist eine der vielen Ausfallstraßen und führt im oberen Teil durch das Universitätsviertel, in Anlehnung an das Pariser Quartier Latin hier Kwatier Lateng genannt. Eine Kneipe reiht sich an die nächste, unterbrochen nur durch Imbisse aller Art und Kioske (von denen ich gestern schon erzählte). Autoverkehr, Straßenbahnen, Außengastronomie vor jedem Lokal auf sowieso schon engen Bürgersteigen – für die Anwohner muß es eine endlose Qual sein, und es gibt auch schon lange eine Bürgerinitiative, die für mehr Ruhe kämpft, natürlich ohne Aussicht auf Erfolg. In der Woche finde ich es recht angenehm hier: Preiswertes, oft gutes Essen, ein kleines engagiertes Kino, Biergärten, pulsierendes Leben. Am Wochenende allerdings nervt der Betrieb, und zu Ereignissen wie Karneval oder Weltmeisterschaft ist es die reine Hölle – außer für die, die sowas mögen.
Im Hintergrund leuchtet ungerührt der Helm der gotischen Herz-Jesu-Kirche am Zülpicher Platz.

Hohenzollernring

Die „Schatzsuche“ in Abfallbehältern ist im großstädtischen Bereich eine immer häufiger anzutreffende Neben- oder Hauptbeschäftigung – Hartz IV macht es nötig. Gesucht und oft gefunden werden leere Bierflaschen. Das verdankt sich einem anderen Phänomen: Die Getränke in den Kneipen sind den jungen Leuten zu teuer, und wenn das Wetter es zuläßt (also fast immer), kommen sie zum Trinken auf die Straßen, kaufen sich Flaschenbier an einem der zahlreichen Kioske, die es alle 10 Meter gibt, und lassen dann die leeren Flaschen auf der Straße stehen oder werfen sie in den Abfall, von wo sie dann von den Sammlern wieder eingesammelt und dem Pfandkreislauf zurückgegeben werden. Nichts, wofür die Sammler sich schämen müßten, beschämend ist es allenfalls für eine reiche Gesellschaft, die solche Phänomene über den Einzelfall hinaus erzeugt.

Im Hintergrund sieht man die Betonplastik „Ruhender Verkehr“ von dem Fluxus-Künstler Wolf Vostell (im Inneren befindet sich tatsächlich ein – also einbetoniertes – Auto).

Bekleidungskaufhaus von Renzo Piano, Schildergasse

Renzo Piano, der dieses Gebäude entworfen hat, ist ein weltweit anerkannter Architekt, bekannt z.B. ist das Centre Pompidou in Paris. Dieses Kaufhaus wurde 2005 fertiggestellt, vor 2003 stand der Rohbau für zwei Jahre wegen Rechtsstreitigkeiten zwischen Bauträger und Baufirma da, ohne daß etwas daran getan wurde. Das sah dann lange Zeit so aus (zum Vergleich: Die vollendete Rückseite):

Die runde verspiegelte Fassade ist sehr auffällig und originell, städtebaulich erinnert mich das Gebäude aber an eine Goldkrone in einem maroden Gebiß: Nicht, daß die umliegenden Gebäude heruntergekommen wären, aber das Kaufhaus paßt sich einfach nicht ein in die meist traditionell eckig und langweilig  gebaute Nachbarschaft, es ist sehr groß und wirkt mächtig, ragt überall hervor, und die kleine gotische Antoniterkirche neben dem Haupteingang macht es auch nicht besser.

Casa Mundi, Hansaring

Gestern war ich zu Essen eingeladen, und die Wahl fiel auf das Szenelokal „Casa Mundi“, dem ehemaligen „Tabula Rasa“ am Hansaring. Die Qualität des Essens ist immer noch sehr gut, wenn sie auch ein klein wenig nachgelassen hat im Vergleich zum Vorgänger. Auch war es überraschend leer: War früher am Wochenende ohne Reservierung gar nichts zu machen, hatten wir um kurz nach sechs die freie Auswahl, und es füllte sich im Laufe der nächsten zwei Stunden nur sehr zögerlich, es scheint, als hätten die alten Betreiber ihr Publikum mitgenommen. Schon merkwürdig, wie so etwas zustande kommt, denn das Essen ist, wie gesagt, immer noch sehr gut, die Preise hoch, aber wohl angemessen: Für zwei Personen 47,- Euro, das macht man auch nicht alle Tage.

Domhotel, Roncalliplatz

Das ursprüngliche Domhotel direkt unterhalb des Doms wurde 1893 von dem damals sehr einflußreichen Architekten Heinrich Joseph Kayser fertig gestellt, dann im 2. Weltkrieg so gut wie völlig zerstört (wie übrigens 90% der Innenstadt) und hinterher weitgehend originalgetreu wieder aufgebaut. Wie man aber sofort bemerkt, fehlt das für solche Gebäude typisch gewölbte Dach, schade eigentlich, es wirkt dadurch in meinen Augen unfertig und unproportional. Die Preise gehen hier für ein Doppelzimmer pro Nacht ab 290,- Euro los, da können die reichen Säcke schön unter sich bleiben. Will man ein Zimmer mit Blick auf Dom und Roncalliplatz, kann man gern nochmal 100,- Euro drauflegen.

Der Roncalliplatz hat übrigens mit dem gleichnamigem Zirkus nichts zu tun. Er wurde benannt nach dem Papst Johannes XXIII. (1881 – 1963), der mit bürgerlichem Namen Angelo Giuseppe Roncalli hieß und irgenwann mal in Köln zu Besuch war.

Ende der Hohenzollernbrücke

Dieses Blog fängt an, mich zu langweilen. Was tun? Einstellen, aufhören? Ach nee, dazu macht’s doch zuviel Spaß. Ich verändere einfach ein bißchen: Wenn mir der Sinn danach steht, texte ich zum Bild und fange gestern damit an.



Dieser Wellenreiter auf dem Weg in die Sonne ist ein Reiterstandbild von Louis Tuaillon (1910) und stellt den letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. dar. Das Standbild steht auf einem hohen Sockel am Ende der Hohenzollernbrücke – das paßt, Wilhelm II. enstammt schließlich dem Geschlecht der Hohenzollern – und kurz bevor es auf den Heinrich-Böll-Platz geht – das paßt nicht, als Böll aus dem 2. Weltkrieg zurück kam war er Pazifist. Im Gegensatz dazu hat unser Kaiser aufgerüstet, wo es nur ging, am „deutschen Wesen“ sollte schließlich die Welt genesen, und so führte er uns auch konsequent in die Gräuel des 1. Weltkriegs.

Kleine Petitesse am Rande: Wilhelmshaven und Bremerhaven werden im Umterschied zu jedem anderen Hafen deshalb mit „v“ geschrieben, weil der Kaiser es nicht besser wußte, und von seinen Lakaien hatte keiner die Traute, ihn darauf hinzuweisen. So blieb es also bei dieser Schreibweise …