Kolumba Kunstmuseum, Kolumbastr.

Das katholische Diözesanmuseum heißt schon seit einiger Zeit nicht mehr so, sondern „Kolumba: Kunstmuseum des Erzbistums Köln“, da der im September 2007 geöffnete Neubau auf dem Gelände der Ruinen der im 2. Weltkrieg zerstörten Pfarrkirche St. Kolumba steht. Das Gebäude des Architekten Peter Zumthor ist sehr imposant: Von außen erinnert es an eine Festungsanlage, innen vermitteln zum Teil sehr hohe und zueinander verschachtelt gelegene Räume und Gänge unterschiedlicher Größe auf drei Etagen Erhabenheit: Der Mensch kommt sich klein vor.

Die Wände innen sind hellgrau, aber nicht aus bloßem Sichtbeton, sondern ganz glatt, als wären sie mit Kunststoff versiegelt. Die Kunstwerke umfassen die Zeit vom Mittelalter bis heute. Bei der Hängung wurde sehr großzügig vorgegangen: Wäre dies ein normales Museum, würde das dreifache an Kunstwerken ausgestellt sein.

Das gibt tatsächlich den Eindruck, als befinde man sich an einem besonderen Ort: Man ist so leise und vorsichtig wie in einer Kathedrale, in der grade Gottesdienst abgehalten wird – oder spielt mir etwa meine Wahrnehmung einen Streich? Auch das Aufsichtspersonal erinnert mich eher an Tempelwächter …

Auffallend ist, daß kein Kunstwerk benannt ist, weder Titel noch Künstler werden erwähnt. Das hat den Vorteil, daß man sich ganz auf das Werk an sich konzentriert und sich oft irritiert fragt, was das nun bedeuten soll, andererseits wird man doch allein gelassen mit seinen Eindrücken … zumindest museumspädagogisch ist das nicht auf der Höhe der Zeit. Ob das vielleicht dazu dient, unerwünschte Eingriffe zu vermeiden? Ich stelle mir das so vor:
Das Telefon klingelt. „Kardinal Meisner hier. Ich war neulich im Museum – um Himmels Willen, hängt doch bloß dieses entartete Werk ab!!“ „Euer Hochwürden, aber natürlich, sofort, sofort – welches meinen Euer Hochwürden?“ „Na, das eine, das da hängt, Sie wissen schon!“ „Den Klapheck? Beuys? Warhol? Den Lochner gar?“ „Quatsch, doch nicht den Lochner! Den … den … ach, Sie können mich mal kreuzweise!!“ Der Hörer wird aufgeknallt, alles bleibt so, wie es ist.
Vielleicht hätte er dieses verstörende Kunstwerk gemeint:

Unter der Tischplatte hängt eine gefesselte lebensgroße Figur auf Stroh mit aufgerissenem Mund und vor Entsetzen geweiteten Augen (wenn ich mich recht erinnere). Meine erste Assoziation war: Folter. Inquisition. Sehr eindringlich, sobald ich den Katalog habe, berichte ich vielleicht mehr davon.

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