Ausflug nach Essen (1)

Das Folkwang-Museum in Essen sammelt moderne Kunst seit dem 19. Jahrhundert, inzwischen auch Fotografie und Plakate. Weil es aus den Nähten zu platzen drohte, hat man gerade einen Erweiterungsbau eröffnet und sich eine schöne erste Sonderausstellung geleistet, die viele Besucher lockt, aber es staut sich hauptsächlich an den Eingängen, vor den Bildern kann man sich gut arrangieren.

Die Sonderausstellung heißt „Das schönste Museum der Welt: Museum Folkwang bis 1933″ und geht zurück auf den Ausspruch des Mitbegründers des ‚Museum of Modern Art New York‘ Paul J. Sachs 1932. Der zu dieser Zeit absolut bemerkenswerte Bestand an moderner Kunst wurde von den Nazis nachhaltig zerstört, der von ihnen eingesetzte Direktor verkaufte über 1400 Werke als „entartete Kunst“ ins Ausland.

Ein Teil konnte nach 1945 wieder zurückgekauft werden, einige bedeutende allerdings nicht. Und genau die hat man nun für diese Ausstellung ausgeliehen, es ist alles dabei, was Rang und Namen hat: Matisse, Kirchner, Macke etc. Natürlich durfte ich keine Fotos machen und habe mich auch nicht getraut, aber da, wo wegen des Neubaus noch keine Bilder hängen, hatte niemand was dagegen.

Ein lichtdurchfluteter Saal schließt sich an den nächsten, die Architektur ist einfach klasse. Ganz sicher war ich nicht zum letzten Mal hier.

Wie ein Solitär steht diese Skulptur der Videokunstpioniers Nam June Paik in einem Duchgang. Offenbar hat man der Ausstrahlung des Kunstwerks nicht getraut, denn auf dem Zettel davor steht nicht nur, daß man es nicht berühren soll, sondern auch, daß man nichts dazu stellen soll – alte Fernsehapparate vermutlich, die man zufällig dabei hat, oder anderen Müll. Gut, ich habe schon bessere Werke Paiks gesehen, aber das wird ihm nicht gerecht.

PS: Eine liebe Freundin wies mich darauf hin: Auf dem Zettel steht: „Kunstwerk. Bitte nicht berühren und nichts abstellen.“ Das kann natürlich auch bedeuten, daß man die Monitore nicht abstellen soll, wenn sie denn laufen. Die Vorstellung, ein Museumsmitarbeiter könnte die Befürchtung haben, daß da jemand noch einen alten Röhrenfernseher dazu stellt, finde ich allerdings amüsanter.

David Lynch in Brühl

Vom Südbahnhof zehn Minuten mit der Regionalbahn, und man ist in dem kleinen Städtchen Brühl und wird direkt am Bahnhof von Schloß Augustusburg empfangen. Das ist aber gar nicht unser Ziel, vielleicht mal im Sommer.

Diesmal sind wir hier wegen David Lynch. Viele kennen seine Filme, etwa „Lost Highway“ oder „Mulholland Drive“ oder die Fernsehserie „Twin Peaks“, aber wenige wissen, daß Lynch nebenbei ein bildender Künstler ist. Die Austellung, die wir besuchen wollen, heißt „Dark Splendor“ und findet im Max-Ernst-Museum statt.

Copyright D. Lynch

Die surrealistischen Bilder, Kollagen, Fotos und Installationen sind düster und verstörend: Deformierte Körper, angedrohte oder vollzogene Gewalt und pervertierte Sexualität sind die bestimmenden Themen – alles nicht sehr subtil, keine Kunst für’s Wohnzimmer. Ab und zu darf man einen Knopf drücken, und es ertönt z.B. ein düster-wabernder Klangteppich, oder ein Knall. Leider war Fotografieren verboten, und da man während der ganzen Zeit von Überwachungskameras gefilmt wird, hatte ich keine Chance. David Lynch hat daher sicher nichts dagegen, wenn ich zur Veranschaulichung ein Bild aus dem www ausleihe.

Auch in den anderen Räumen war es verboten, aber wie durch Zauberei stahl sich das Foto auf meine SD-Card: Seit 2005 gibt es das Max-Ernst-Museum, auf ca. 1000 qm werden hauptsächlich Grafiken und Skulpturen des berühmten Künstlers, der in dieser Stadt geboren wurde, ausgestellt.

Das Gebäude ist großartig und allein schon einen Besuch wert: Helle Räume hinter massiven Türen, großzügig gehängt und gestellt kommt die Kunst gut zur Geltung. Die Kunst selbst – na ja, viel Grafik eben, und viel Skulptur, ganz wenige Gemälde, die ja das eigentlich Besondere sind im Gesamtwerk des Künstlers.

Wenn man hierher kommen will, sollte man sich vorher darüber informieren, weshalb Max Ernst so außerordentlich ist, in diesem Museum erhält man nur eine Ahnung davon.

Die David-Lynch-Austellung läuft noch bis zum 18.04.2010, der Eintritt für das gesamte Museum beträgt 5 Euro.

Urlaub in der Schweiz – Freiburg im Breisgau

Jaha – immer mit der Ruhe, ich weiß, daß Freiburg nicht in der Schweiz liegt. Jeder Urlaub geht einmal zu Ende – auf dem Rückweg haben wir noch ein paar Tage in Freiburg in Baden-Württemberg verbracht, einer der schönsten Städte, die ich bisher in Deutschland gesehen habe.

Die Innenstadt ist komplett autofrei (blöd, daß ausgerechnet auf diesem Foto eins zu sehen ist … Polizei!!), nur Straßenbahnen kreuzen manchmal den Weg.

Auch hier wurde viel zerstört im 2. WK, ein paar alte Gebäude stehen aber noch, und beim Wiederaufbau hat man darauf geachtet, die neuen Gebäude in den alten Maßen zu errichten.

Die Freiburger Bächle gibt es schon seit über 800 Jahren, sie dienten der Bereitstellung von Brauchwasser, der Abfallbeseitigung und als Löschwasserquelle, heute sind sie ein Wahrzeichen der Stadt und gehören eben dazu. Einer Sage zufolge soll jeder, der aus Versehen in einen Bach hineintritt, später in seinem Leben eine Freiburgerin / einen Freiburger heiraten. Ich bin in einen hineingestolpert, der aber kein Wasser führte, ich glaube, dann gilt das nicht.

Im Sommer kann man wunderbar die Füße darin kühlen, während man seine absolut-super-total wichtigen Telefongespräche führt.

Nee – dies Freiburger! – reden nicht gerade um den heißen Brei herum, sondern sagen wie es ist!

Und damit es auch alle wissen, schreibt man es eben an die Wand: In diesem Haus wohnt ein … – genau.

Und sofort sucht man auch hier die Anspielung, dabei ist es wahrscheinlich ganz harmlos.

Das habe ich tatsächlich irgendwo gelesen: Die Freiburger sollen nicht gerade Vorbilder in Autoritätshörigkeit sein. Sympathisch.

Hierdurch geht’s zum Münsterplatz …

… auf dem an sechs Tagen der Woche Markt ist. Etwas irritierend ist, daß hier gleich vier Würstchenbuden nebeneinander ihre gegrillten Waren anbieten. Vier!

Amerikanische Firmen müssen sich den Gegebenheiten, hier dem mittelalterlichen Martinstor, anpassen, das hat man auch selten.

Neben dem Tor wirbt ein Mohr politisch unkorrekt für Kaffee – ob sich wirklich jemand dadurch diskriminiert fühlt?

„Zum rauen Mann“ heißt das Restaurant, in dessen erstem Stock dieser Herr saß.

Ein Platz zum Ausruhen und Rückschau halten: Das war’s, liebe Freunde, die Reise ist vorbei. Wenn man fast drei Wochen unterwegs war, freut man sich auch wieder auf sein Zuhause.

Fortsetzung folgt. Ende

On Tour (6)

War schon mal jemand in Minden? Nein? Gut, wer mal vorbei kommt: Zumindest die Innenstadt ist ein Besuch wert. Minden, fast eine Großstadt an der Weser mit 83.000 Einwohnern, ist die Kreisstadt der Gegend.

Viele architektonische Stile mischen sich an diesem eigentlich mittelalterlichen Ort, im 2. WK ist aber viel zerstört worden.

Allerdings gibt man sich viel Mühe, den alten Bestand zu pflegen, es macht Spaß, durch die Straßen zu schlendern und schöne Ecken zu entdecken.

Und jede Menge alte Kirchen gibt es in dieser ehemaligen Bischofsstadt natürlich auch – der Organist erfreute uns im Dom mit einem modernen Stück, als wir gerade da waren – vielen Dank!

Noch ein bißchen ausruhen, das kann man hier gut, bevor es wieder nach Hause geht. Adieu, Storchenland!

On Tour (5)

Ringelblumenblüten waren auf dem Frühstückstisch – nicht etwa nur als Schmuck, sondern, wie unsere Gastgeberin sagte: „Drei davon jeden Tag, und Sie bleiben gesund.“ Wahrscheinlich war es der ruhigen, vertrauensvollen Atmosphäre zu verdanken, daß ich tatsächlich eine probiert habe – interessant, wenn auch ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Von dem Angebot hätten sechs Leute satt werden können …

… in diesem kleinen Windheimer Museum für liebenswerte Dinge.

Und der Kaffee hatte es auch schön warm.

Fortsetzung folgt

On Tour (4)

Die Jugendpflege von Petershagen hat auch schon bessere Zeiten gesehen (aber vielleicht ist da niemand zu pflegen?).

Aber Jugend wird gelockt: An der Tür der mächtigen Kirche fanden wir folgendes Schild:

Würde mich ja interessieren, was man da ersteigern kann: Der Supersegen geht in letzter Sekunde an Videbitis und die Kollekte wird über PayPal bezahlt – gut, da liegt es sicher, und wenn nix passiert, kriege ich das Geld zurück. Gern würde ich allerding wissen, wie sich der Pfarrer da herausredet.

Vorbei an kitschig-antikisierender Deko im Schloßpark …

… geht es zum mittelalterlichen Schloß, das heute Restaurant und Hotel beherbergt.

Hm … auch hier kaum ein Mensch zu sehen. Eine Magd Servicekraft, die vorbei eilt, spricht von geschlossener Gesellschaft.

Kann man das glauben? Der Verdacht verdichtet sich: Der ganze Ort ist eine Inszenierung für uns, in Wirklichkeit lebt hier niemand …

… oder Dornröschen hat sich gerade in den Finger gestochen. Das wird es sein! – auch die Störche am Ortsausgang sind mitten in der Bewegung erstarrt.

Fortsetzung folgt

On Tour (3)

Samstag Abend auf dem Dorf – gut, auch als Großstädter kann man das aushalten, endlich mal Stille … aber man kann ja wenigstens mal ein Auge riskieren, was woanders los ist. Wo geht die Jugend hin, wenn sie feiern will? Windheim ist ein Stadtteil von Petershagen, aber das ist nicht so wie in einer Großstadt, wo ein Viertel ans nächste grenzt, sondern man muß motorisiert sein und einige Kilometer fahren, um ins „Zentrum“ zu gelangen, wo vermutlich das pralle Leben brummt. Und hier ist es: Petershagen!

Eine Geisterstadt. Meine Begleiterin, eine geborene Kölnerin, sagte, sie habe noch nie einen ausgestorbeneren Ort gesehen, und vermutete, wenn man in die Häuser hineinginge, würde man wahrscheinlich auch niemanden treffen. Das folgende Foto ist symptomatisch:

Damit die Straßen nicht ganz so leer sind, hat man sich zu helfen gewußt:

Eine Attraktion fanden wir am Wegesrand:

Fortsetzung folgt

On Tour (2)

300 km von Köln entfern liegt der kleine Ort, das lohnt sich kaum für einen Tag (selbst zwei sind viel zu wenig). Also übernachteten wir in diesem schönen Haus, einer Museumswerkstatt, wo auch Zimmer vermietet werden …

… in dem wir Anfangs mit vor Staunen offenen Mündern standen: So fürstlich waren wir schon lange nicht mehr untergebracht!

Falls wir nichts übersehen haben, gibt es in Windheim zwei Lokale, die mehr Speisen als Kuchen anbieten (der selbstgebackene im Museumscafé ist übrigens ausgezeichnet): Ein Weinlokal mit gutbürgerlichen Speisen und ein Bistro mit Imbißessen und Biergarten, wo einheimisches Bier ausgeschenkt wird – also nichts wie hin!

Der Biergarten ist hier wirklich noch ein Garten, in der Mitte steht ein Apfelbaum. Rund um einen Stehtisch „schnacken“ ein paar Einwohner bei einem Feierabendbier und verhandeln gemütlich die Geschicke der Welt (das geht vom Cro-Magnon-Menschen über die „unmögliche“ Schill-Partei hin zu Jackos Tod), während wir zu unserer Überraschung einen ganz ausgezeichneten Flammkuchen serviert bekommen (der Wirt hat uns gebeten, wir sollen das weiterempfehlen, wenn es uns geschmeckt hat: Leute, geht da hin, wirklich lecker und recht günstig, auch der mit Speck schmeckt super).

Kurz vorm Zubettgehen noch ein Blick aus dem Fenster: Da! – ist endlich einer.

Die beiden junge Störche haben es leider nicht geschafft und sind gestorben, erzählte unser Gastgeber, weshalb die Elterntiere keinen Grund haben, tagsüber nach Hause zu kommen. Aber wenn es dunkel wird, kommen sie und klappern sich zur Begrüßung an (oder waren vielleicht wir gemeint?)

Jedenfalls war es ein vergnüglicher, aber auch anstrengender Tag – gute Nacht.

Fortsetzung folgt.

On Tour (1)

Eine Freundin und ich hatten am Wochenende ausnahmsweise ein Auto zur Verfügung, also zögerten wir nicht lang und fuhren nach Windheim, um das hier zu sehen:

Na ja, jedenfalls fast, denn in dem Horst fehlen die Vögel, Störche, um genauer zu sein. Windheim liegt an der Weser westlich von Hannover (tatsächlich gehört es noch zu NRW), ein kleines Dorf in einem Gebiet, in dem es von Storchenhorsten nur so wimmelt, und das wir deshalb per Internet ausgesucht haben, weil es hier ein Storchenmuseum gibt.

Das kleine Museum in der ersten Etage eines umgebauten Bauernhauses ist sehr liebevoll eingerichtet, hier findet man alles, was irgendwie mit Störchen zu tun hat, und sogleich nimmt einen ein Führer unter seine Fittiche und verschenkt gleichermaßen großzügig kleine Täfelchen Schokolade und interessante Informationen:

So ein Horst kann mehrere Tonnen schwer werden, denn Störche sind nesttreu, bauen aber immer wieder an, so daß der Horst von Jahr zu Jahr schwerer wird.
Neben Schautafeln und Infos über alles Storchenmögliche gibt es auch Kurioses, z.B. kleine Scheren:

Und auch Kalif Storch darf natürlich nicht fehlen:

Fortsetzung folgt

Ausflug nach Oberhausen, Teil 2

Oberhausen hat neben dem Gasometer noch eine zweite „Attraktion“, die nicht unerwähnt bleiben darf: Europas größtes Einkaufszentrum, das „Centro“, hier ein Blick von oben. Am unteren Rand des Bildes ist ein dazugehöriger „Erlebnispark“, hier können Eltern erleben, wie sehr ihre Kinder ihnen auf die Nerven gehen können, denn die wollen hier unbedingt in die Fahrgeschäfte. Und weil man gerade da ist, geht man auch gleich shoppen.

Die Wirkung soll vermutlich die eines Basars sein, von oben beleuchtet das Tageslicht die Gänge auf zwei Etagen. 230 Geschäfte gibt es hier, davon 53, in denen es etwas zu Essen gibt, also Cafés, Restaurants, und vor allem: Imbisse.

Dieser Ort wird „Oase“ genannt, die genauere Bezeichnung nennt noch eine Firma, die dunkles klebriges Zuckerwasser herstellt. Ringsum reihen sich 19 Imbisse aneinander, vor denen die Menschen Schlange stehen, und in der Mitte essen und quatschen sie alle zusammen. Das nennt man dann die Demokratisierung des Mensagefühls.

An Knotenpunkten soll der Käufer auch mal bespaßt werden, immer nur dieses Einkaufen ist schon anstrengend, da holt man sich doch eine Kaffeelatte bei Starbucks oder ein Eis beim mobilen Verkäufer und schaut dem Sandburgenkünstler beim Bauen zu. Der ist allerdings gerade pinkeln, Pech gehabt, fahren wir eben wieder nach Hause.

Dieses dekonstruktivistische Kunstwerk ist die Haltestelle „Neue Mitte“ – gut gemacht, die kann man nicht verfehlen.

Die Oberhausener mögen mir verzeihen, ich bin sicher, daß es auch in dieser Stadt ein paar schöne Ecken gibt, allerdings habe ich sie nicht gesehen in der einen Stunde, die ich durch die Innenstadt gelaufen bin. Dafür ist der Bahnhof aber imposant.

Er hat 16 (in Worten: Sechzehn!) Gleise (zum Vergleich: Köln hat elf). Das fanden sie hier wohl selbst übertrieben, weshalb sie ein Gleis zu einem Museumsgleis umfunktioniert haben: Da steht eine alte Lok und ein Arbeiter im Blaumann auf einem großen Poller, und auf einer Bank sitzen zwei alte Männer und fachsimpeln (ob die eine Festanstellung beim Tourismusbüro haben, weiß ich nicht).

Zusammengefaßt: Oberhausen ist eine Reise wert – wenn man zum Gasometer will. Das „Centro“ hat nicht einmal einen Supermarkt.