Historisches Stadtarchiv, aktueller Stand

Schwarz-gelb verhindert keine Katastrophen, manchmal ist es sogar die Katastrophe. In beiden Fällen: Schwarz-gelb ist ein Signal, das höchste Aufmerksamkeit erfordert, wer nicht aufpaßt, fällt in die Grube.

Die Katastrophe, um die es hier geht, ist nicht die von gestern, sondern vom letzten März: So sieht es hier inzwischen aus am Ort des ehemaligen Historischen Stadtarchivs, links der ausgebaggerte Keller, rechts die noch versiegelte Ubahnröhre. Ca. 90 Prozent der Bestände sind in sehr unterschiedlichem Zustand geborgen worden. Alle Findbücher, in denen der Bestand katalogisiert ist, wurden gefunden, so daß man am Ende der Restaurierungsarbeiten genau feststellen können wird, was fehlt. Wann das genau sein wird, steht in den Sternen, man redet aber gern von mindestens 30 Jahren – unter folgenden Voraussetzungen: 300 Millionen Euro müssen zur Verfügung stehen, 200 Restauratoren und Archivare müssen gleichzeitig an der Wiederherstellung arbeiten. Und wer glaubt, daß das passiert, der hat wahrscheinlich den gleichen Geisteszustand wie diejenigen, die gestern dafür gesorgt haben, daß uns Schwarz-gelb für die nächsten vier Jahre das Leben schwer macht.

Büchermarkt am Rhein

Büchermarkt am Rheinufer – kein leichtes Unterfangen bei diesem wechselhaften Wetter, da muß man schnell sein mit den Plastikplanen, sobald es anfängt zu tröpfeln. Es werden meist modern-antiquarische Bücher angeboten, viele Taschenbücher zwischen einem und fünf Euro, je nach Abnutzungsgrad, aber auch günstige Bildbände und Sachbücher, die es schon längst in keiner Buchhandlung mehr gibt.

"Wohngemeinschaft" in der Richard-Wagner-Str.

Der Kunstautomat von vorgestern hängt in einer relativ neuen … wie soll man sagen: Bar, Café, Kneipe – alles zusammen, aber nichts richtig. „Die Wohngemeinschaft“ heißt der Ort, da er aus mehreren verschieden gestalteten Zimmern besteht: Auf dem Bild sieht man den Hauptraum, Mobiliar aus den 50er und 60er Jahren bestimmt das Bild, viele Sessel und Sofas, in denen sich sehr gemütlich quatschen läßt. Am hinteren Ende ist eine Art Mädchenschlafzimmer – auch aus längst vergangenen Jahrzehnten, um die Ecke steht ein VW-Bus mit Polstern ausgelegt, in einem Zimmer liegen hippieske Sitzmatratzen auf dem Boden, und im letzten Raum steht eine Tischtennisplatte. Abends ist es z.Zt. DIE angesagte „Location“ in der Stadt und entsprechend voll, aber sowas wechselt ja schnell. Nachmittags ist es jedenfalls sehr schön, Kaffee und Kuchen sind gut.

Eindringliches Gespräch am Rheinufer

Hey, Alter, was geht …

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,

weiß auch nicht, voll krass den Blues …

daß ich so traurig bin;

nee, mit der läuft auch nix mehr …

ein Märchen aus alten Zeiten,

wieso wieso – woher soll ich das wissen …

das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Scheiße kalt hier, Alter …

Die Luft ist kühl und es dunkelt,

kein Bock mehr, ist mir zu krass …

und ruhig fließt der Rhein;

nee, heute werd‘ ich nicht alt …

der Gipfel des Berges funkelt

ey, Alter, laß krachen, bis dann …

im Abendsonnenschein.

Unter Verwendung eines Teils des Gedichts „Lorelei“ von Heinrich Heine.

Weltstadthaus

Über das Weltstadthaus von Renzo Piano habe ich ja schon mehrfach berichtet (z.B. hier), letzten Samstag öffnete das Kleidungskaufhaus die 5. Etage für das interessierte Publikum.

Zur Erinnerung: Von außen sieht das Gebäude so aus:

Innen fühlt man sich wie im Inneren eines Walskeletts oder eines umgedrehten Bootes:

Von außen ist das Gebäude meiner Meinung nach eine städtebauliche Katastrophe, die Architektur aber von der Binnenperspektive betrachtet ist einfach großartig. Leider vertraute das Kaufhaus nicht darauf und veranstaltete eine Ausstellung von Bildern, die allesamt das Material nicht wert sind, mit dem sie hergestellt wurden.

Egal, man konnte auch einfach nur die Aussicht genießen.

Von den Verkaufsetagen aus gesehen sieht die Hülle übrigens so aus – auch nicht schlecht:

Baustelle

Heutzutage kann man sich die Pflastersteine in handlichen Beuteln liefern lassen, praktisch. Ich kann mich noch an eine Zeit erinnern, da mußte man die „Argumente“ mühsam aus dem Boden lösen.

(Pfui, was für ein böser Scherz! Ich bekenne: Ich lehne jede Gewalt ab, und das mit den Pflastersteinen habe ich auch nie gemacht. Kinder, laßt die Finger davon!)

Hahnenstr.

Und wofür wirbt diese Schaufensterdekoration in der Vorosterzeit so geschmackvoll? Richtig – für hübsche Lampen. Und auch für die ältere Generation gibt es Passendes: Eine Standleuchte in Form eines Tropfständers, wie man ihn häufig auf der Intensivstation von Krankenhäusern sieht, da ist der Gewöhnungsprozeß nicht so arg. Wer nun mich für geschmacklos hält: Ich bin nur der Fotograf.

Historisches Stadtarchiv

Es ist ja immer so eine Sache mit Unglücksorten: Soll man sich einreihen in die Horde der sensationslüsternen Gaffer, oder soll man brav zu Hause bleiben und sich ein historisches Ereignis entgehen lassen, dessen Zeitzeuge man doch ist? Also war ich gestern da, habe meine Neugierde befriedigt und trotzdem niemanden behindert, da die Bergungsarbeiten am Sonntag ruhten.
Ich kann die besorgten Anwohner verstehen: Sicherheit strahlt die Gegend hier nicht aus.

Die Trümmer sind überdacht, behutsam werden sie abgetragen und in großen Hallen auf noch Verwertbares untersucht, mir erzählte jemand, man habe bereit über 50 Prozent des Bestandes in restaurierbarem Zustand geborgen.

Derweil sind die involvierten Politiker und Beamten in Hektik ausgebrochen: Wer hat wem was wann gesagt oder es unterlassen, „Unverschämtheit!!“, „… da werden Köpfe rollen!“ – und jeder versucht, seinen aus der Schlinge zu ziehen. Interessant ist, wer hier eigentlich die Bauaufsicht hatte, also dafür sorgen sollte, daß hier alles mit rechten Dingen zugeht: Ursprünglich hatte die Bezirksregierung Düsseldorf die Bauaufsicht, die sie aber auf die Stadt Köln, genauer: Auf die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) als Bauherr, übertragen hat. Und die KVB war so frei, sie gleich und der Einfachheit halber an die ausführenden Firmen weiterzugeben (Quelle: SZ, 18.03.09), man denke nur an das Personal , was das wieder kostet …
Das ist ungefähr so, als würde man die Organisation einer Gefängnisbewachung den Insassen überlassen.

Hier haben vor vier Wochen noch Leute gewohnt:

Bayenturm

Der Bayenturm galt jahrhundertelang als Zeichen einer selbstbewußten Kölner Bürgerschaft, selbstbewußt jedenfalls gegenüber dem Kölner Erzbischof: 1262 besetzten die Bürger nach einem Kampf gegen die Truppen des Kölner Erzbischofs den Turm und gaben ihn seitdem nicht wieder her, die wirtschaftliche und rechtliche Vorherrschaft des Erzbischofs war für immer gebrochen (siehe auch die Schlacht bei Worringen). Bei der Erstürmung soll übrigens zum erstenmal der Ruf „Kölle Alaaf!“ gefallen sein.

Der Wehrturm wurde als südlicher Endpunkt der mittelalterlichen Stadtmauer 1220 direkt am Rhein errichtet und, weil er 1881 nicht weiter störte, bei der Schleifung der Mauer stehen gelassen. Er beherbergte diverse Museen und Karnvalsvereine, wurde im 2. WK schwer beschädigt, in den 90ern wieder renoviert und ist heute Sitz der Stiftung „FrauenMediaTurm“ und Redaktionsort der Zeitschrift „Emma“. Übrigens: Aus alter Zeit hat sich der Spruch überliefert „Wer den Turm hat, hat die Macht!“

Historisches Stadtarchiv


copyright A. Regh, zum Vergrößern bitte draufklicken

Die Medien sind ja relativ voll davon, deshalb hier nur ein Bild, das kurz nach Einsturz des Gebäudes von Alexander Regh gemacht wurde (das Bild steht unter CC-By-Lizenz). Links sieht man die mittelalterliche Kirche St. Georg, gegenüber der Unglücksstelle ist die Schule, die nun wahrscheinlich auch abgerissen werden muß. Im Hintergrund der rote Kirchturm, der bereits 2004 für Schlagzeilen sorgte, da er wegen der U-Bahnarbeiten umzufallen drohte.

Wer weitere Bilder von Alexander Regh, offensichtlich ein Anwohner, sehen möchte, klickt bitte hier.