Dreikönigenschrein

Als ich dem Kardinal zurief, ob er mal so nett sein könne, eben mal die Kerzen ein wenig zur Seite zu rücken, unterbrach der nur kurz, was auch immer er gerade erzählte, und ignorierte mich dann völlig. Kein netter Mensch. Also gibt’s den Dreikönigenschrein nur mit Kerzen, tut mir Leid, Lilly.
Als Erzbischof Rainald von Dassel die Gebeine der heiligen drei Könige 1164 von Mailand nach Köln überführte (sie waren eine Kriegsbeute, komisch, daß die Italiener sie nicht zurückfordern), war man sich der ökonomischen Folgen gleich bewußt: Noch mehr Pilger und Schaulustige würden in die Stadt strömen und viel Geld da lassen. Um die Knochen angemessen zu präsentieren, wurde von 1181 bis 1230 der Dreikönigenschrein geschaffen. Er ist 1,53 m hoch, 2,20 m lang und 1,10 m breit, besteht unter anderem aus viel viel Gold und Silber. Da die alte Kirche nun auch nicht mehr angemessen schien und außerdem die Menschenmassen nicht mehr beherbergen konnte, fing man 1248 an, den gotischen Dom zu bauen, 1880 war er fertig. Über 600 Jahre Bauzeit – das wünscht man sich nicht als Bauherr, aber es hat sich gelohnt.
Soviel ich weiß, hat man inzwischen durch wissenschaftliche Untersuchungen herausgefunden, daß die Knochen nicht aus der Zeit stammen, die man ihnen zuschreibt. Tja.

Wallrafplatz

Die Luxusfirma kommt mitnichten aus dem Land, welches der Name suggeriert, sondern aus Italien. Wenn das Parfüm so schlecht riecht wie der Schmuck häßlich ist, kann ich froh sein, wegen doch recht schmaler Finanzen nie in die Verlegenheit oder Versuchung zu kommen, dort einzukaufen.

Dom, innen

Im Dom weihnachtet es noch, hinten stehen noch ein paar Bäume. Der Dom muß schließlich seinem Ruf gerecht werden, denn er wird auch „Weihnachtskirche“ genannt, da in keiner anderen Kirche der Welt so viele Kunstwerke gezeigt werden, die die Weihnachtsgeschichte behandeln: Fensterbilder, Altäre, Wandmalereien künden von dem „freudigen“ Ereignis. Wen wundert’s, schließlich ist der Dom eigentlich nur die Hülle für eine andere Attraktion: Der Schrein mit den (angeblichen) Gebeinen der heiligen drei Könige, die das Neugeborene, von dem hier die Rede ist, in einem Stall besucht haben sollen. Der Schrein blinkt übrigens im Hintergrund.

Schildergasse

Es gehört zu den Vorteilen der Großstadt, daß es Spezialitätenrestaurants aller Art gibt, natürlich von unterschiedlicher Qualität. Wer jemals schon in einem Imbiß in Randlage, in der das dunkelbraune Fett hochgeheizt wird, nachdem man seine Bestellung aufgegeben hat, den Fehler begangen hat, das zu bestellen, was dort Pommes Frittes genannt wird, weiß aus Erfahrung, daß die Kunst des Frittierens gar nicht hoch genug zu achten ist.
An diesem Imbiß ist zu Recht immer viel los, auch am Sonntag, was ein weiteres Plus ist. Man kann zwischen verschiedenen Soßen wählen, auch Sauerrahm und Satésoße sind dabei, ich bleibe aber lieber beim klassischem Ketchup. Eine „kleine“ Spitztüte ist eine volle, günstige Mahlzeit.

Groß St. Martin

Die Kirche Groß St. Martin, eine der zwölf großen romanischen Kirchen der Stadt (es gibt noch jede Menge kleine), liegt nahe am Rhein mitten in der „historischen“ Altstadt – historisch deswegen in Anführungszeichen, da sowohl Altstadt als auch Kirche fast gänzlich im Bombenhagel des 2. WK zerstört wurden. Die Kirche wurde, im Unterschied zu den meisten der umgebenden Profanbauten, den alten Plänen getreu wiederaufgebaut, die Innenbemalung hat man aber weggelassen – und gut daran getan. Der Innenraum ist schlicht und großartig und wirkt zeitlos elegant, eine Mischung aus verhaltenem romanischem Dekor und an Bauhaus erinnernde Schlichtheit.
Das Foto zeigt eine Seitenkapelle, der bemitleidenswerte anonyme (?) Schmerzensmann ist eine Figur aus dem 16. Jahrhundert.

Innenstadt

Tausendfach werde ich hier gefragt, wie den diese Stadt aufgebaut ist, Altstadt-Nord und -Süd, Neustadt-Nord und -Süd – wie soll man sich das vorstellen? Wie man sieht, hat sich die Stadt (auf dem Bild sieht man den Teil, den man Innenstadt nennt) ringförmig entwickelt, oder besser halbringförmig, denn das Rechtsrheinische wurde immer schon stiefmütterlich behandelt: Von da kamen in der Römerzeit die wilden Germanen, später die bösen Hunnen und Goten, die rechtsrheinisch sowieso immer alles kaputt gemacht haben, und noch viel später hatte man Angst vor den Russen. Der Fluß bildete also schon immer ein natürliches Bollwerk gegen die Gefahr aus dem Osten.
In der Mitte teilt eine breite Straße die Stadt horizontal in Nord- und Südteil, die wiederum jeweils durch die Ringstraßen in Neu- und Altstadt geteilt werden. Ganz links sieht man den Aachener Weiher.

Alter Markt

Die Figur des „Kallendressers“ (=Regenrinnenscheißer) beruht auf folgender Legende: Einst floh ein Verbrecher schutzsuchend in den nahen Immunitätsbezirk der Benediktinermönche der Kirche Groß St. Martin. Die Mönche hatten nichts besseres zu tun, als ihn umgehend der Obrigkeit auszuliefern. Aus Unmut darüber ließen die Anwohner des „Alter Markt“ direkt am Durchgang zum Bezirk diese Figur anbringen.
Die Originalfigur wurde im 2. WK zerstört, die neue Kupferfigur ist von Ewald Mataré und wurde 1964 angebracht.

The figure of the „Kallendresser“ (= bugger in the rain gutter, Cologne slang) is based on the following legend: Once a criminal sought protection in the nearby immunity district of the Benedictine monks of the Church of Great St. Martin. The monks had nothing better to do than hand him over to the authorities immediately. Out of resentment, the residents of the „Alter Markt“ had this figure attached directly to the passage to the district.
The original figure was destroyed in WW II, the new copper figure is by Ewald Mataré and was installed in 1964.

Dom

Das neue Fenster in der Südfassade des Dom-Querschiffes ist ein Geschenk vom international renommierten Künstler Gerhard Richter. Es besteht aus 11263 bunten Glasquadraten in 72 Farbtönen. Kardinal Meisner findet, es passe besser zu einer Moschee, er hätte, wie man hört, Darstellungen von Märtyrern besser gefunden. Bunte, lebendige Lebensfreude hat ja mit der kirchlich verbrämten christlichen Lehre wirklich nichts zu tun: Das Leben ist hart und leidvoll, wer das nicht einsieht, hat in der Kirche nichts zu suchen.