Jülicher Str.

Neue Frisur gefällig? Typ Medusa, wie an der Tür, ein Blick der Männer, und sie erstarren. Oder Typ Windsbraut im gothic style, das sorgt für geheimnisvollen Wirbel und macht die Frauen rätselhaft. Die ungesunde Hautfarbe könnte abschreckend wirken, aber vielleicht soll sie das ja auch. Termine nur nach Vereinbarung.

Regen

Regen Regen, ständig Regen, und jeder stöhnt: Muß das sein, „I can’t stand the rain“ wird zur Lebenshymne. Aber es ist auch diesmal so wie so oft: Was man haben will, das kriegt man nicht, was man nun gar nicht mehr gebrauchen kann, bekommen wir stattdessen im Überfluß. Wenn wir also den Regen loswerden wollen, müssen wir das Gegenteil von dem tun, wonach uns eigentlich der Sinn steht: Wir müssen ihn beschwören.

Los geht’s: Keep falling down!

Eierplätzchen

Gemütlich am Sonntagnachmittag vorm Café Römerpark in der Südstadt einen Tee trinken – letzten Sonntag war’s möglich, auch wenn die Decken noch bereit lagen. Inzwischen haben uns die Polarwinde wieder fest im Griff, aber es gibt schon mal einen kleinen Ausblick.

Historisches Stadtarchiv

Es ist ja immer so eine Sache mit Unglücksorten: Soll man sich einreihen in die Horde der sensationslüsternen Gaffer, oder soll man brav zu Hause bleiben und sich ein historisches Ereignis entgehen lassen, dessen Zeitzeuge man doch ist? Also war ich gestern da, habe meine Neugierde befriedigt und trotzdem niemanden behindert, da die Bergungsarbeiten am Sonntag ruhten.
Ich kann die besorgten Anwohner verstehen: Sicherheit strahlt die Gegend hier nicht aus.

Die Trümmer sind überdacht, behutsam werden sie abgetragen und in großen Hallen auf noch Verwertbares untersucht, mir erzählte jemand, man habe bereit über 50 Prozent des Bestandes in restaurierbarem Zustand geborgen.

Derweil sind die involvierten Politiker und Beamten in Hektik ausgebrochen: Wer hat wem was wann gesagt oder es unterlassen, „Unverschämtheit!!“, „… da werden Köpfe rollen!“ – und jeder versucht, seinen aus der Schlinge zu ziehen. Interessant ist, wer hier eigentlich die Bauaufsicht hatte, also dafür sorgen sollte, daß hier alles mit rechten Dingen zugeht: Ursprünglich hatte die Bezirksregierung Düsseldorf die Bauaufsicht, die sie aber auf die Stadt Köln, genauer: Auf die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) als Bauherr, übertragen hat. Und die KVB war so frei, sie gleich und der Einfachheit halber an die ausführenden Firmen weiterzugeben (Quelle: SZ, 18.03.09), man denke nur an das Personal , was das wieder kostet …
Das ist ungefähr so, als würde man die Organisation einer Gefängnisbewachung den Insassen überlassen.

Hier haben vor vier Wochen noch Leute gewohnt:

Lapidarium am Eigelstein

So leer wie auf dem Foto ist es hier in der Kneipe „Lapidarium“ nicht immer, ich war an einem Sonntag dort. Die ganze Einrichtung wirkt provisorisch und zusammengestückelt, die Atmosphäre ist dadurch aber ungezwungen, man lümmelt sich auf eine Bank und fühlt sich ebenso. Das Bier kommt schnell, und die Snacks sind günstig und einfach (nichts besonderes, eine Suppe oder Toast mit Käse). Zwei Riesenbildschirme, das muß ja wohl sein, hängen unter der Decke und zeigen Musikvideos, aber die Lautstärke ist angenehm. Ab und zu sollen in diesem verhältnismäßig kleinen Raum auch kölsche Gruppen spielen, Bläck Föös etc. – das ist dann wahrscheinlich „kultig“ und sehr voll, also nichts für mich. Die Kneipe rühmt sich übrigens damit, keine Schnäpse auszuschenken – aha, soso, mir egal, ich trinke sowieso keine, aber was daran besonders sein soll, ist mir schleierhaft.

Maybachstr.

Strategisch nicht ungünstig gelegen, lohnt es sich für diese Würstchenbude, auch im Winter geöffnet zu haben: Links auf der anderen Straßenseite ist der Mediapark mit einer Unzahl von Büros und dem Kinokomplex Cinedom. Ob die Bratwurst aber wirklich gut ist, habe ich noch nicht ausprobiert – vielleicht vorm nächsten Kinobesuch.


Bayenturm

Der Bayenturm galt jahrhundertelang als Zeichen einer selbstbewußten Kölner Bürgerschaft, selbstbewußt jedenfalls gegenüber dem Kölner Erzbischof: 1262 besetzten die Bürger nach einem Kampf gegen die Truppen des Kölner Erzbischofs den Turm und gaben ihn seitdem nicht wieder her, die wirtschaftliche und rechtliche Vorherrschaft des Erzbischofs war für immer gebrochen (siehe auch die Schlacht bei Worringen). Bei der Erstürmung soll übrigens zum erstenmal der Ruf „Kölle Alaaf!“ gefallen sein.

Der Wehrturm wurde als südlicher Endpunkt der mittelalterlichen Stadtmauer 1220 direkt am Rhein errichtet und, weil er 1881 nicht weiter störte, bei der Schleifung der Mauer stehen gelassen. Er beherbergte diverse Museen und Karnvalsvereine, wurde im 2. WK schwer beschädigt, in den 90ern wieder renoviert und ist heute Sitz der Stiftung „FrauenMediaTurm“ und Redaktionsort der Zeitschrift „Emma“. Übrigens: Aus alter Zeit hat sich der Spruch überliefert „Wer den Turm hat, hat die Macht!“

Historisches Stadtarchiv


copyright A. Regh, zum Vergrößern bitte draufklicken

Die Medien sind ja relativ voll davon, deshalb hier nur ein Bild, das kurz nach Einsturz des Gebäudes von Alexander Regh gemacht wurde (das Bild steht unter CC-By-Lizenz). Links sieht man die mittelalterliche Kirche St. Georg, gegenüber der Unglücksstelle ist die Schule, die nun wahrscheinlich auch abgerissen werden muß. Im Hintergrund der rote Kirchturm, der bereits 2004 für Schlagzeilen sorgte, da er wegen der U-Bahnarbeiten umzufallen drohte.

Wer weitere Bilder von Alexander Regh, offensichtlich ein Anwohner, sehen möchte, klickt bitte hier.