Hier ist ein Bild meiner neuen Wohnung: Der Boden dreht sich um eine Achse, so daß ich, sooft ich aus dem Fenster schaue, in eine andere Himmelsrichtung sehe. Schön wärs jedenfalls. Der Fernsehturm am Rande des Grüngürtels wurde 1981 fertig gestellt und ist mit 243 Metern das höchste Gebäude der Stadt. In den ersten Jahren konnte man gegen Eintritt hochfahren, es gab eine Aussichts- und eine Restaurantplattform, die sich langsam drehte. Wegen finanzieller Schwierigkeiten wurde später eine Diskothek eingerichtet, das war wohl für kurze Zeit ganz hip, hat sich aber auch nicht gehalten. Nun stehen die Räume leer, soviel ich weiß, ich glaube, ich werde den Turm, der aufgrund einer Umfrage übrigens ‚Colonius‘ genannt wird, demnächst kaufen und einziehen. Ihr seid alle eingeladen zur Einweihungsparty, ich sag Bescheid, wenn es soweit ist.
Autor: Videbitis
Skulpturenpark Stammheim
Der Schloßpark in Stammheim war schon ein paar Mal Thema in diesem Blog. Stammheim ist ein kleiner rechtsrheinischer Ortsteil von Köln, der relativ spät eingemeindet wurde. Da er nicht so leicht zu erreichen ist (S-Bahn und halbe Stunde Fußmarsch) bin ich selten da, aber immer wieder gern. Dieser Stahl-‚Scherenschnitt‘ ist Teil einer Gruppe von Herbert Labusga und heißt „Die Bürger von Stammheim“ – geschnitten nach lebenden Vorbildern.
Brüderstr.
Wer sucht, der findet. Und warum auch nicht – unglaublich, was die Leute alles so wegschmeißen. Früher war es so, daß es feststehende Termine gab, zu denen jeder, der in der Gegend wohnte, seinen Sperrmüll an die Straße stellen konnte, was dazu führte, daß die gut informierten Sperrmüllsammler die gut gepackten Haufen so sehr auseinander nahmen, daß das ganze Viertel für kurze Zeit wie eine Müllkippe aussah. Inzwischen muß man bei den städtischen Müllwerken individuell um einen Termin bitten, der, so zeigt die Erfahrung, so gelegt wird, daß man nicht der einzige ist und die Müllwerker nicht nur für einen Haushalt anrücken müssen. Die Müllfledderei geht nun zwar ihren unvermeidlichen Gang, ist aber nicht mehr ganz so umfangreich.
Zülpicher Str./Ecke Kyffhäuser Str.
Die Kneipe „Filmdose“ liegt im Herzen des Quartier Lateng, dem Studentenviertel. Sie wurde 1975 von Walter Bockmayer eröffnet, der hier ein kleines Travestie-Theater betreibt. Am Wochenende wird noch heute ein kleiner Teil der Kneipe abgetrennt und für ein Minipublikum (ich schätze mal: Nicht mehr als 50 Personen, eher weniger) werden vor stets ausverkauftem Haus Stücke aufgeführt, die teilweise auch verfilmt wurden, z.B. „Die Geierwally“. Schauspieler und Entertainer wie Ralph Morgenstern, Samy Orfgen, Dirk Bach, Hella von Sinnen und – man lese und staune – Veronica Ferres verdienten sich hier ihre ersten Sporen.
Das Essen ist mittelmäßig bis gut, aber immer günstig, bravo.
Breite Str.
Stutenkerl bzw. -männchen, Klaaskerl, Pumann, Kaiten Jais, Dampedei, Hefekerl, Klausenmann oder Nikolaus – hier heißt er einfach Weckmann, weil er aus dem gleichen Teig hergestellt wird wie Wecken. Das Gebäck rechts daneben nennt man hier Teilchen. Besonders beliebt ist das Puddingteilchen, ein Gebäck in Brezelform mit Vanillepudding. Eine Freundin von mir hatte mal nach dem Verzehr von zwei solcher Teilchen eine üble Lebensmittelvergiftung, seitdem habe ich keine mehr gegessen.
Friesenwall
Ja mei, is denn scho … Nachdem die Spekulatius (oder heißt es: Spekulatii?) nun schon seit ein paar Wochen in den Regalen der Supermärkte liegen, ist es Zeit, die Weihnachtsmärkte wieder in Betrieb zu nehmen, schließlich ist es schon Mitte November, und die extra für diese Zeit gezüchteten Bratwürste wollen gegessen werden. Die Leute bekommen bald ihr Weihnachtsgeld, kaufen also massenweise Geschenke und versuchen, sich in den Kaufpausen zu lieblichen Weihnachtsweisen im Gedränge vor den Getränkebuden mit übersüßtem Glühwein zu erholen. Ich gestehe: Mich trifft man da auch ein paar Mal.
Mein Freund, der Baum, ist tot …
Als ich vor ein paar Jahren in meine Wohnung zog, war ein ausschlaggebender Punkt der, daß ich aus meinem Fenster im dritten Stock in eine Baumkrone sah: Ein riesiger Ahorn war höher als das Haus, bot Schutz vor Blicken und den Vögeln einen Rastplatz, wankte heftig bei starkem Wind, im Frühjahr überprüfte ich täglich am Blattwachstum, wie weit wir schon waren auf dem Weg zum Sommer. Nun ist er weg. Krank, wie es heißt, obwohl er vielleicht noch fünf bis zehn Jahre geschafft hätte, gefährdete er wegen möglicher morscher Äste das Leben von Autos. Der Blick aus dem Fenster sieht jetzt so aus (s.u.). Ob ich die Miete mindern kann?
Eine Großstadt ohne Bäume ist häßlich und leer. Deshalb fällt ihre immanente Unwirtlichkeit im Winter besonders auf.
Sonntagnachmittag
Seitdem ich am 13.11. das Café Braun so hoch gelobt habe, bekomme ich ca. 1 Mio. Nachfragen, was denn nun Torte „Birne Helene“ ist. Ich habe natürlich keine Kosten und Mühen gescheut, mich wieder einmal im Sinne einer umfassenden Aufklärung zu opfern: Torte „Birne Helene“ ist ein Tortenboden, auf den weiche geachtelte Birnen gelegt werden, darauf kommt eine leichte Schokoschlagsahnecreme, darauf ein Tortenzwischenboden, eine dünne Schicht Schlagsahne, als Abschluß ein Hauch von Eierlikör, garniert mit Schokoraspeln.
Das Sonntagnachmittaglied dazu singt Nina Simone, „I put a spell on you (because your’re mine)“, was man frei so übersetzen könnte: „Ich hab dich zum fressen gern, weil du MEIN bist“. Was dann ja auch passiert ist.


