Schildergasse

Erste von links denkt: Was gibt’s da zu glotzen?!
Zweite von links denkt: Oh Gott, ich kann nicht mehr! Noch ein Prosecco, und ich kipp aus den Latschen.
Dritter von links denkt: Bißchen dünn, aber süße Puppe. Ob der Blödmann zu ihr gehört?
Vierte von links denkt: Mann Mann Mann, bin ich aufgeregt – ob mich einer von beiden anspricht? Cool bleiben …
Fünfter von links denkt: Süßer Typ. Ob der heute Nacht schon was vorhat?

Autumn in New Y … Cologne

Mit vier Gastbeiträgen by (c) DIE STÖRCHIN

Herbstbilder hat man ja schon oft gesehen, nichts Besonderes, diese sind allerdings wirklich alle in der Großstadt aufgenommen. Ein wenig kleiner als die besungene ist sie schon, aber das Lied gefällt mir so gut, und nach New York komme ich nicht so schnell. Also muß eine andere Weltstadt herhalten …

Ehrenstr.

Oben hat das Chaos System (siehe auch hier),

unten brummt das pralle Leben (oder was man dafür hält).

An der Schnitttelle von Ehren-, Benesis-, Pfeilstraße/Kettengasse/Alte Wallgasse stand früher eine Autowerkstatt mit Tankstelle, jetzt ist hier ein angesagter Italiener, der gut sein soll und vermutlich auch teuer ist. Die Ehrenstr. war immer das Gegenstück zur parallel verlaufenden Mittelstr.: Ganz früher Rotlichtmeile, in den 80ern Sitz der Geschäfte, in denen sich Punker, friedensbewegte Alt- und Post-68er und Freaks einkleiden konnten. Das ‚Kaufrausch‘, ein Second-Hand-Laden, gibt es nun schon lange nicht mehr, das Programmkino nebst Café konnte sich auch nicht halten, und jüngst hat ein kleiner Buchladen dicht gemacht, ein anderer ist in eine unattraktivere Straße umgezogen, stattdessen gibt’s Esprit, Douglas etc. Solange sich die drei modernen Antiquariate und der 2001-Laden halten können, ist die Straße für mich nicht ganz verloren, aber ich befürchte das Schlimmste: Meine Lieblings-Fritteuse (also … äh … die Frau, die das macht mit den Fritten) hat das Handtuch geschmissen, ich vermute: Zu hohe Mieten.

Lindenstr.

Hier gibt es den besten Kuchen in der Stadt – sagt jedenfalls ein Freund von mir, der sich nicht scheut, auch mal eine halbe Stunde mit der Straßenbahn zu fahren, wenn er hört, daß irgendwo in einem Vorort ein neues Café geöffnet hat. Der muß es also wissen. Aber so ein Urteil ist natürlich subjektiv, es gibt sicher auch woanders leckeren Kuchen, ich bin nur froh, daß das Café Braun bei mir um die Ecke ist: Was gibt es sonntagnachmittags besseres, als nach einem langen Spaziergang im herbstlich kühlen Wetter auf dem Rückweg Kuchen von Café Braun mitzunehmen, um es sich zu Hause in der warmen Stube bei Milchkaffee oder Tee und einem großen Stück Torte „Birne Helene“ gemütlich zu machen?!

Zülpicher Str., Karneval

Wer glaubt, Karneval dauert drei Tage und dann ist der Spuk vorbei: Weit gefehlt, er beginnt am 11.11. eines jeden Jahres und hört am Aschermittwoch des Folgejahres auf. Da Aschermittwoch den Beginn der Fastenzeit vor Ostern markiert, richtet sich die Dauer der Karnevalszeit nach den beweglichen Festen, und da Ostern/Pfingsten im nächsten Jahr schon sehr früh liegen, ist auch der Karneval beglückenderweise bereits am 6. Februar schon wieder zu Ende.
Nachdem ich gestern relativ lieblos das Pflichtfoto gemacht habe (eigentlich war ich auf der Suche nach ganz furchtbar Abscheulichem, was dieser Tage aber normal ist –
wildfremde Menschen, die sich bierselig mehrere Stunden in den Armen liegen und zu grauenhafter Musik das machen, was man Schunkeln nennt, später dann, quasi im Anschluß, kotzende Karnevalisten an jeder Ecke oder achtlos aufgetürmte Müllberge, Flaschenscherben etc.), machte ich mich schleunigst aus dem Staub und fand am Aachener Weiher diese schönen Rosen, keine Ahnung, warum die jetzt noch blühen. Aber sie geben mir Zuversicht: Wenn die den schon sehr kalten November überstehen, werde ich doch wohl ein paar Monate diese absurde organisierte Volksbelustigung ertragen. Und zu den tollsten Tagen im Februar hau ich sowieso ab, wie jedes Jahr.

Salzgasse

2006 – Tourismusdaten im Überblick

Beherbergungsbetriebe                                             248
Bettenzahl                                                               25.189
Bettenauslastung (in %)                                             45,4
Gäste                                                                 2.423.256
   darunter aus dem Ausland                               792.724
Übernachtungen                                                4.382.428
mittlere Aufenthaltsdauer (Tage)                                 1,8
Messebesucher                                                1.777.320

Quelle: Stadt Köln – Amt für Stadtentwicklung und Statistik

Zweieinhalb Millionen Besucher mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 1,8 Tagen – die wollen natürlich auch verköstigt und unterhalten werden. Da der Gast bei der geringen Dauer des Aufenthaltes keine Zeit hat, nach guten und günstigen Verpflegungsstätten zu suchen, bietet man ihm zentrumsnah ein ganzes Viertel mit Lokalkolorit und Nähe zu Rhein und Dom – was will der Tourist mehr. Und da man weiß, daß Urlauber und Geschäftsreisende großzügiger mit ihrem Geld umgehen, sind die Preise entsprechend angehoben. Das führt allerdings auch dazu, daß die Gäste, vom Bedienungspersonal einmal abgesehen, unter sich bleiben, die Einheimischen meiden dieses Viertel weitgehend und betreten es allenfalls aus ethnologischem Interesse.
Die Innenstadt ist, wie gesagt, zu 90% im 2. WK zerstört worden, beim Wiederaufbau hat man dankenswerterweise die alten Grundstücksgrenzen wenigstens teilweise beibehalten, so daß die Gegend zwischen Alter Markt und Rhein von kleinen Gäßchen durchzogen ist.

Aachener Str., Höhe Stadion

Ein neuer Lokus neues Lokal an der Haltestelle Stadion – nach Fußballspielen brummt hier sicher der Bär, in der übrigen Zeit hält es sich in Grenzen, was vermutlich an den Speisen liegt: Z.B. dünne Rindfleischfrikadellen mit einer Scheibe Gewürzgurke und etwas Ketchup in einem laberigen Brötchen, in verschiedenen Variationen und Größen, dazu Pommes und Cola. Diese Filiale einer amerikanischen Imbißkette ist zweistöckig, der Stil erinnert an 70er-Jahre-Design: Eierschalenfarbene Tische, die Sitzmöbel mit dunkelbraunem Kunstleder bespannt, ein wenig Orange hier und da. An der Wand ein elektronisches Textlaufband, von dem man darüber aufgeklärt wird, wie gut und sauber die Bestandteile der Gerichte sind, an anderer Stelle kurze Texte, wie man sich bewußt und gesund ernährt, die optimale Relation von Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten wird erklärt. Der Hinweis, das „Restaurant“ deshalb schnellstens zu verlassen, fehlt.

Foyer der Deutschen Sporthochschule, Carl-Diem-Weg

Daten und Superlative: 1947 Aufnahme des Lehrbetriebs. 1963 Bezug der neuen Hochschulgebäude, 1970 Anerkennung als vollwertige Sportuniversität, die einzige in Deutschland, und gemessen an der Zahl der Institute, der Wissenschaftsdisziplinen und der Studenten, weltweit die größte. Die Hochschulbibliothek ist die mit den meisten sportwissenschaftlichen Medieneinheiten, ebenfalls weltweit. Das Mensa-Essen ist das schlechteste Essen, das man sich überhaupt nur vorstellen kann.

Nippes, Skulpturenpark

Die über 3 m hohe Skulptur ist von Thomas Scheibitz und heißt „Sylvia Stone“. Zur Zeit steht sie im Skulpturenpark Köln, in dem langfristige Wechselausstellungen stattfinden, innerhalb von 10 Jahren ist die aktuelle die vierte Ausstellung. Im Rahmen der Veranstaltung „Lange Nacht der Museen“ wurden die Skulpturen ausnahmsweise angestrahlt (normalerweise ist der Park nachts geschlossen), was eine sehr poetisierende Wirkung hatte.

Unter Fettenhennen/Roncalliplatz

„Könnte man nicht auch sagen, die geheime Verkettung der Dinge bilde für uns etwas, das wir Zufall nennen, was doch aber notwendig ist?“ (Susette Gontard, 1769 – 1802)

Wenn das stimmt, dann möchte ich gern wissen, worin die geheime Notwendigkeit der Ähnlichkeit dieser beiden U-Formen, gebildet von Menschenansammlungen, liegt. Das obere Bild zeigt die Terasse des überkandidelten Cafés Reinhard direkt vorm Dom, eine teuere Touristenfalle und geschmackloses Oma-Café … jaja, ist ja schon gut, ich übertreibe – der Kuchen ist wirklich ausgezeichnet (nur viel zu teuer). Die U-Form ist hier von der Begrenzung der Terasse vorgegeben. Weshalb die Zuschauer keine 50 Meter entfernt auf dem Roncalliplatz in der gleichen Formation einem Alleinunterhalter zusehen, darüber kann man nur spekulieren (die Fotos wurden am selben Tag und ungefähr zur gleichen Uhrzeit gemacht, die Ähnlichkeit ist mir erst auf den Bildern aufgefallen).

Die geheime Botschaft könnte z.B. lauten: „Menschenmengen in der Nähe des Doms sollen immer die U-Form annehmen.“ Macht keinen Sinn, oder? Was sollte das denn heißen? Unter Umständen? Urkatholisch unterbelichtet? Blödsinn. Wenn Zufall eine verborgene Notwendigkeit ist, muß es irgendwas Vernünftiges sein. Ich hab’s: Wenn man die Schatten genau betrachtet, sieht man, daß die beiden U-Bögen zueinander stehen, wenn man von oben, quasi aus der Vogelperspektive, beide Bilder zusammen sieht, dann steht das eine u auf dem Kopf. Ein u, das auf dem Kopf steht, könnte auch ein n sein – Resultat: UN! Vereinte Nationen, also vereinte Menschen aus allen Nationen, das paßt: Die Stadt wurde von Italienern gegründet (sie ist immer noch die nördlichste Stadt Italiens), die haben sich mit den Germanen zusammengetan, zwischendurch kamen die Hunnen, die Goten wahrscheinlich auch, ganz zu schweigen von den Franzosen, eben aus aller Herren und Damen Länder, vermehrten sich und bildeten so eine Weltstadt (naja, gut …).
Auf jeden Fall: Die Notwendigkeit hinter diesem vermeintlichen Zufall will uns sagen, daß immer, wenn in Köln viele Menschen zusammen stehen, sie ein Gemisch der Menschen aller Nationen bilden!
Ah ja.
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