So, jetzt ist der Winter aber wirklich vorbei, jedenfalls scheint da noch jemand dieser Meinung zu sein – das Schild brauchen wir vorerst nicht mehr.
Autor: Videbitis
An St. Agatha
In diesem Trödelcafé in der Nähe der Fußgängerzone kann man nicht nur leckeren Kuchen essen, sondern, wenn man möchte, den Stuhl, auf dem man sitzt, gleich mitkaufen – ebenso den Tisch, die Bilder, Lampen und den ganzen Kram, der da noch so rumsteht. Ob schon mal jemandem der Stuhl unterm Hintern weg verkauft wurde, weiß ich nicht, vermute aber mal, daß die Hauptkundschaft aus Cafébesuchern besteht und nicht so sehr aus Jägern nach antiken Schnäppchen. Echt gemütlich da.
Brüsseler Platz
Als im Innenstadtbereich ein paar Urinale aufgestellt wurden, gab es ein klein wenig Protest mit nachfolgendem Rauschen im Boulevardblätterwald: Was soll das überhaupt (Antwort: Damit die jungen Leute nicht immer an die Haustüren und -wände pissen), die sind ja viel zu offen, da kann man ja alles sehen (Antwort: Damit die nur das dort machen, was sie machen sollen, und wer das genauer sehen will, soll ruhig hinschauen), wer weiß, was die dort sonst noch machen (Antwort: ?? Schlafen? Essen? Zeitung lesen?).
Ich finde, man sollte noch viel mehr aufstellen, ich kenne nur zwei.
Lindenstr.
Ein guter Kiosk, selbst wenn er noch so klein ist, hat ein bißchen von allem: Neben dem Üblichen wie Rauchwaren, Getränke und Zeitschriften sollte man Mehl, Milch, Nudeln, Tütensuppen, Klopapier etc. kaufen können. Neuerdings gibt es sogar frisch gebrühten Espresso und Bücher aus der SZ-Bibliothek.
Ich habe mal nachgezählt: Wenn ich meine Haustüre verlasse, kann ich innerhalb von fünf Minuten einen von zehn verschiedene Kiosken erreichen – ist mir absolut schleierhaft, wie die diese Konkurrenz überleben können, zumal die Supermärkte ja neuerdings auch alle bis 22 Uhr geöffnet haben.
Kettengasse
Die Stadt ist nicht nur Karnevals-, sondern auch Schwulenhochburg des Landes. Daß gleichgeschlechtliche Paare händchenhaltend durch die Stadt flanieren, darüber regt sich niemand mehr auf. In bestimmten Gegenden ballen sich Schwulenkneipen und -cafés, aber ins öffentliche Bewußtsein treten die Schwulen eigentlich nur einmal im Jahr, nämlich zum Christopher-Street-Day im Sommer, der mit seinen Umzugswagen entlang eines Festweges an eine Mischung aus Rosenmontagsumzug und Techno-Parade erinnert.
