Das ist ein Stoßseufzer, der sogar denjenigen hin und wieder entfährt, die die Verwendung von Fäkalwörtern für ein Kennzeichen bedauernswerter Verschluderung der Sprache halten. Frauen können sich das nicht vorstellen, aber Männer, sofern sie sich überhaupt mit dem Thema beschäftigen (müssen), fragen sich wahrscheinlich eher, was an Einweggeschirr eigentlich so schlecht ist. Und was ist das beste Mittel gegen Staub? Staub! – also liegen lassen!
Um das Rätsel aufzulösen: Der Spruch schmückt nicht etwa eine Hauswand, sondern ist auf ein Handtuch gestickt, das zum Verkauf in einem Geschäft hängt, das Haus spiegelt sich in der Schaufensterscheibe.
Autor: Videbitis
Heumarkt – vorher, nachher
Vor einigen Jahren wurde der am Rande der Altstadt liegende Heumarkt neu gestaltet:
Zum Leidwesen der Architekten kann man in Köln keinen Spatenstich tun, ohne auf achäologisch wichtiges Material zu stoßen, besonders dann nicht, wenn man so tief gräbt, um eine Tiefgarage zu bauen, wie in diesem Fall. Das hat dann zur Folge, daß die Baumaßnahmen etwas länger dauern als ursprünglich veranschlagt.
Heute sieht der Heumarkt so aus (ungefähr die selbe Perspektive):
Zu Anfang hat es viele Beschwerden wegen der Bepflasterung gegeben: Stöckelschuh-bewehrte Damen knickten um, weil die Abstände zwischen den Steinen zu groß war, und es hat lange gedauert, bis der Platz vom zuständigen Amt schließlich abgenommen war.
An seinen Rändern gibt es viel Gastronomie für die Touristen, auf dem Platz selbst finden im Sommer meist kommerzielle Feste statt: Bier- oder Weinfest, Trödelmarkt etc., im Winter beherbergt er – wie sollte es anders sein – einen Weihnachtsmarkt und eine Eisbahn.
Aber auch „unkommerzielle“ Veranstaltungen finden manchmal statt, zum Weltjugendtag der katholischen Kirche stand hier eine Bühne ebenso wie zum CSD, an dem es die Schwulen genießen, ganz und gar aus sich heraus zu gehen, und während der Fußball-WM lud eine riesige Leinwand zum „Public Viewing“ ein.
Joseph-Stelzmann-Str.
Dies ist das Hauptgebäude der Universitätsklinik, das sogenannte Bettenhaus. Architektonisch ist es eine Meisterleistung – die Etagen sind an vier Stelen aufgehängt – , städtebaulich allerdings eine der vielen Katastrophen der Stadt: Weit überragt der gerippte Gebäudeklotz die umgebende Wohn- und Universitätsgegend. Aber die Notwendigkeit der medizinischen Versorgung erfordert natürlich Kompromisse.
Die Gebäude im Vordergrund stammten noch aus der Zeit, als das Gelände seit 1855 eine Heil- und Pflegeanstalt beherbergte. Inzwischen sind sie vollständig abgerissen.
Maastrichter Str.
An einem Fenster
Über den Dächern das Himmelsblau,
Und Wolken, die vorüberziehn,
Vorm Fenster ein Baum im Frühlingstau,
Und ein Vogel, der trunken himmelan schnellt,
Von Blüten ein verlorener Duft –
Es fühlt ein Herz: Das ist die Welt!
Die Stille wächst und der Mittag glüht!
Mein Gott, wie ist die Welt so reich!
Ich träume und träum‘ und das Leben flieht,
Das Leben da draußen – irgendwo
Mir fern durch ein Meer von Einsamkeit!
Es fühlt’s ein Herz und wird nicht froh!
Georg Trakl
St. Gereon
Diese nahezu lebensgroße Pietà steht seit 1897 in einer Kapelle der romanischen Kirche St. Gereon. Sie ist vom Düsseldorfer Künstler Johannes Reiss (oder Johann Reis) und der berühmten Pietà von Michelangelo nachempfunden, so habe ich es jedenfalls gelesen.
Messe
Der Fernsehsender RTL überlegte sich im Jahre 2003, wie er günstig an größere Räume kommen könnte, das alte Gebäude war so klein. Es reichte völlig aus, die Umzugspläne öffentlich bekannt zu geben, schon überschlugen sich die Angebote. Nachdem die kleine Stadt Hürth westlich von Köln, wo jetzt schon „Wer wird Millionär“ und „SternTV“ produziert werden, gut im Rennen lag (es heißt, man unterhielt sich bereits über die Farbe der Teppiche), zog der Kölner Oberbürgermeister einen letzten Trumpf aus dem Ärmel (RTL ist der größte Steuerzahler der Stadt): Die alten traditionsreichen Messehallen am rechtsrheinischen Ufer. Dank der zahlreichen Sonderkonditionen, die mit dem Angebot einhergingen, sagte RTL zu, und seitdem wird gebaut. Das Gebäude, dessen Fassade unter Denkmalschutz steht, wurde komplett entkernt (siehe auch hier) und wird voraussichtlich in diesem Jahr bezugsfertig.
„Daß geklüngelt wurde, da würde die unterlegene Hürther Konkurrenz drauf wetten,“ stand seinerzeit in der Zeitschrift „Stadtrevue“ – ich glaube, man nennt das „rheinischen“ Kapitalismus, man hilft sich gegenseitig, wo man kann, Nächstenliebe ist schließlich ein urchristlicher Wert, und wenn es hier und da zu kleinen Rechtsbeugungen kommt – naja, wenn es der Sache (und natürlich dem eigenen Portemonnaie) hilft!
Auf dem Berlich
Kleine Scheußlichkeiten zum Osterfest gefällig? Die Hasenbande wird nicht etwa in einem Geschäft für Kinderspielzeug angeboten, sondern es werden Einrichtungsgegenstände verkauft – auch neckische Uhren, „originelle“ Lampen, mittelgroße Holztiere mit Fell etc., alles schön bunt. Da das Angebot offensichtlich so viele Käufer findet, daß sich der Laden in guter Lage halten kann, muß die Infantilisierung der Gesellschaft weiter fortgeschritten sein, als ich dachte.
Richard-Wagner-Str.
Der Verpackungskünstler Christo war da – und keiner hat’s gemerkt!
Zu Hause
Rotweinkuchen
200 g Margarine
200 g Zucker
4 Eier (einzeln verrühren)
1 Päckchen Vanillezucker
1 gehäufter Teelöffel Zimt
1 gehäufter Teelöffel Kakao
100 g Schokostreusel
1/8 Liter Rotwein
250 g Mehl
1 Päckchen Backpulver
50 – 60 Minuten auf 180 Grad, mittlere Schiene, evt. mit Alufolie abdecken, Nadelprobe (Messer geht auch). Langsam auskühlen lassen (halbe Stunde), stürzen, mit Tuch abdecken.

