Lübecker Str.

Die Filmpalette ist ein kleines Kino aus den 50er Jahren mit nur siebzig Sitzen – genau richtig für ein kleines, intimes Pornokino, das es war, bevor es Ende der 80er von engagierten Leuten zu einem Filmkunstkino umfunktioniert wurde. Gezeigt werden ambitionierte Filme, die woanders kaum Chancen oder zu wenig Publikum haben, gerne auch Dokumentationen, eine Filmform, die in keinem anderen Kino der Stadt gezeigt wird. Vor ca. einem Jahr öffnete im Nebenhaus ein weiterer Vorführsaal – mit 45 Sitzen!

PS: Warum da ein Playmobilmännchen steht, weiß ich auch nicht.

Roonstr.

Kaum kommen die ersten Sonnenstrahlen heraus, schon macht der Laden in der Nachbarschaft wieder gute Geschäfte: Er verkauft Skateboards. Das bedeutet viel Lärm, denn die Boards müssen auf dem Bürgersteig ausprobiert werden – aber plötzlich ist es still, schon glaube ich, es ist etwas passiert, hoffentlich kein Beinbruch? Ein Blick aus dem Fenster beruhigt: Auch Helden der Straße müssen essen.

Pilgrimstr.

An einem der zentralen Plätze der Stadt, dem Rudolfplatz, steht dieser verkehrsumtoste Gebäudekomplex aus den 50er Jahren, dessen ehemalige Außenwerbung symptomatisch ist für seinen Zustand. Früher war hier ein großes Kino, ein Theater, eine Disco (ich weiß nicht mehr genau, ob in dieser Reihenfolge), nun ist es schon ewig geschlossen. In den Peripherieläden im Erdgeschoß haben sich kleine Läden und Imbisse etabliert, auch eine Kneipe, ein Restaurant und ein Tanzstudio gibt es um die Ecke, der Koreaner im ersten Stock hat schon lange ersatzlos dicht gemacht. Seit neuestem ist an einer Ecke eins von den modischen Edel-Currywurst-Restaurants eingezogen (wo die Wurst doppelt so teuer ist wie anderswo, weil man Champagner dazu bestellen kann), dem ich aber nicht lange gebe. Im Bild ist ein Head-Shop, wo man Zubehör zum illegalen Gebrauch von Cannabis-Produkten kaufen kann. Head-Shops gibt es mehrere in der Stadt, der illegale Drogengenuß scheint weiter verbreitet zu sein, als ich dachte, sonst könnten sie sich nicht halten. Aber ich habe auch keine Ahnung mehr davon. Obwohl Cannabis nicht meine Droge ist, bin ich der Meinung, man sollte es legalisieren – oder Alkohol verbieten, alles andere ist eine üble Heuchelei.

Cäcilienkloster

Ob das Baumaterial einen Parkschein hat? Wohl kaum. Da möchte ich Politesse sein, jeden Tag ein sicheres Knöllchen. Obwohl … mein Geschlecht möchte ich deswegen eigentlich nicht ändern, aber was ist die männliche Form von Politesse? Stewardesse – Steward. Politesse – Polit? Klingt wie ein Schimpfwort: „Paß bloß auf, du Polit!“ Da bleib ich lieber, was ich bin, und verzichte auf den Knöllchenerfolg.

Cäcilienstr.

In Köln wimmelt es von Baustellen – kaum ist ein neues Gebäude halb fertig,  rücken in der Nachbarschaft die Abrißbirnen an, um das Nebengebäude platt zu machen. Ganz besonders beliebt ist das Aufreißen der Bürgersteige – bis zu drei Mal in einem Jahr, an den selben Stellen, versteht sich: Netcologne und Unitymedia, die ihr Geld mit DSL-, Fernseh- und Telefonverbindungen verdienen, verkabeln die Häuser unabhängig voneinander, und die Stadt Köln erneuert ihre Abwasserkanäle ganz nach eigenem Ermessen und ohne Absprache.
Manchmal beweist ein Bauherr wenigstens etwas Geschmackssicherheit: Diese Baubude steht vor dem Museum Schnütgen, in dem mittelalterliche Kunst ausgestellt wird.

St. Albertus Magnus

Eine Opferkerze für 25 Cent scheint mir recht günstig zu sein für ein Kerzenopfer, wobei mir die Funktion allerdings gar nicht klar ist, egal zu welchem Preis. Mein erster Impuls: Habe ich eine erstanden, darf ich mir was wünschen … aber ist das nicht, auch im christlichen Sinne, Aberglaube? Wunderwunschdenken? Wikipedia gibt leider keine Antwort.

Äußerer Grüngürtel

Als ich gestern Nacht gegen 00.00 Uhr von Freunden nach einem vergnüglichen Fernsehabend mit dem Fahrrad nach Hause fuhr, war es noch so verdammt kalt, daß mir fast die Finger abfroren. Da ist es ein Trost, daß die Frühlingsboten sich tagsüber nicht davon abhalten lassen, einen daran zu erinnern, daß das schlechte Fernsehprogramm bald so schlecht sein kann wie es will, wir sind dann sowieso draußen.

Friesenwall

Die Bar „Blauer Engel“, deren Tür hier zu sehen ist, ist nach eigener Aussage die älteste Nachtbar der Stadt in einer Straße, die noch am ehesten Rotlichtcharakter hat, aber der alte „Glanz“ ist wohl stark verblaßt. Ein Glas Wasser kostet 5 Euro. Was dort passiert, muß der Besucher selbst herausfinden, die Werbung, die gespannt machen soll, ist jedenfalls unfreiwillig niedlich: „In gemütliche atmosfere erwarten Sie 3-5 junge hübsche Damen. Unsere spetialität: kleine intime Party.“ Mit Topfschlagen und Blinde Kuh?

„Pleasure and Pain“ ist ein Tattoo-Laden und ein gelungenes Beispiel dafür, wie Firmen Graffiti-Kunst zu Werbezwecken einsetzen (bei Vonskybeat gibt es ein anderes schönes Beispiel). Der Name des Ladens weckt in mir verruchtere Phantasien als die Innenbilder des „Blauen Engel“.