An einem der zentralen Plätze der Stadt, dem Rudolfplatz, steht dieser verkehrsumtoste Gebäudekomplex aus den 50er Jahren, dessen ehemalige Außenwerbung symptomatisch ist für seinen Zustand. Früher war hier ein großes Kino, ein Theater, eine Disco (ich weiß nicht mehr genau, ob in dieser Reihenfolge), nun ist es schon ewig geschlossen. In den Peripherieläden im Erdgeschoß haben sich kleine Läden und Imbisse etabliert, auch eine Kneipe, ein Restaurant und ein Tanzstudio gibt es um die Ecke, der Koreaner im ersten Stock hat schon lange ersatzlos dicht gemacht. Seit neuestem ist an einer Ecke eins von den modischen Edel-Currywurst-Restaurants eingezogen (wo die Wurst doppelt so teuer ist wie anderswo, weil man Champagner dazu bestellen kann), dem ich aber nicht lange gebe. Im Bild ist ein Head-Shop, wo man Zubehör zum illegalen Gebrauch von Cannabis-Produkten kaufen kann. Head-Shops gibt es mehrere in der Stadt, der illegale Drogengenuß scheint weiter verbreitet zu sein, als ich dachte, sonst könnten sie sich nicht halten. Aber ich habe auch keine Ahnung mehr davon. Obwohl Cannabis nicht meine Droge ist, bin ich der Meinung, man sollte es legalisieren – oder Alkohol verbieten, alles andere ist eine üble Heuchelei.
Autor: Videbitis
Cäcilienkloster
Ob das Baumaterial einen Parkschein hat? Wohl kaum. Da möchte ich Politesse sein, jeden Tag ein sicheres Knöllchen. Obwohl … mein Geschlecht möchte ich deswegen eigentlich nicht ändern, aber was ist die männliche Form von Politesse? Stewardesse – Steward. Politesse – Polit? Klingt wie ein Schimpfwort: „Paß bloß auf, du Polit!“ Da bleib ich lieber, was ich bin, und verzichte auf den Knöllchenerfolg.
Cäcilienstr.
In Köln wimmelt es von Baustellen – kaum ist ein neues Gebäude halb fertig, rücken in der Nachbarschaft die Abrißbirnen an, um das Nebengebäude platt zu machen. Ganz besonders beliebt ist das Aufreißen der Bürgersteige – bis zu drei Mal in einem Jahr, an den selben Stellen, versteht sich: Netcologne und Unitymedia, die ihr Geld mit DSL-, Fernseh- und Telefonverbindungen verdienen, verkabeln die Häuser unabhängig voneinander, und die Stadt Köln erneuert ihre Abwasserkanäle ganz nach eigenem Ermessen und ohne Absprache.
Manchmal beweist ein Bauherr wenigstens etwas Geschmackssicherheit: Diese Baubude steht vor dem Museum Schnütgen, in dem mittelalterliche Kunst ausgestellt wird.
St. Albertus Magnus
Eine Opferkerze für 25 Cent scheint mir recht günstig zu sein für ein Kerzenopfer, wobei mir die Funktion allerdings gar nicht klar ist, egal zu welchem Preis. Mein erster Impuls: Habe ich eine erstanden, darf ich mir was wünschen … aber ist das nicht, auch im christlichen Sinne, Aberglaube? Wunderwunschdenken? Wikipedia gibt leider keine Antwort.
Äußerer Grüngürtel
Als ich gestern Nacht gegen 00.00 Uhr von Freunden nach einem vergnüglichen Fernsehabend mit dem Fahrrad nach Hause fuhr, war es noch so verdammt kalt, daß mir fast die Finger abfroren. Da ist es ein Trost, daß die Frühlingsboten sich tagsüber nicht davon abhalten lassen, einen daran zu erinnern, daß das schlechte Fernsehprogramm bald so schlecht sein kann wie es will, wir sind dann sowieso draußen.
Friesenwall
Die Bar „Blauer Engel“, deren Tür hier zu sehen ist, ist nach eigener Aussage die älteste Nachtbar der Stadt in einer Straße, die noch am ehesten Rotlichtcharakter hat, aber der alte „Glanz“ ist wohl stark verblaßt. Ein Glas Wasser kostet 5 Euro. Was dort passiert, muß der Besucher selbst herausfinden, die Werbung, die gespannt machen soll, ist jedenfalls unfreiwillig niedlich: „In gemütliche atmosfere erwarten Sie 3-5 junge hübsche Damen. Unsere spetialität: kleine intime Party.“ Mit Topfschlagen und Blinde Kuh?
„Pleasure and Pain“ ist ein Tattoo-Laden und ein gelungenes Beispiel dafür, wie Firmen Graffiti-Kunst zu Werbezwecken einsetzen (bei Vonskybeat gibt es ein anderes schönes Beispiel). Der Name des Ladens weckt in mir verruchtere Phantasien als die Innenbilder des „Blauen Engel“.
Maastrichter Str.
Das ist ein Stoßseufzer, der sogar denjenigen hin und wieder entfährt, die die Verwendung von Fäkalwörtern für ein Kennzeichen bedauernswerter Verschluderung der Sprache halten. Frauen können sich das nicht vorstellen, aber Männer, sofern sie sich überhaupt mit dem Thema beschäftigen (müssen), fragen sich wahrscheinlich eher, was an Einweggeschirr eigentlich so schlecht ist. Und was ist das beste Mittel gegen Staub? Staub! – also liegen lassen!
Um das Rätsel aufzulösen: Der Spruch schmückt nicht etwa eine Hauswand, sondern ist auf ein Handtuch gestickt, das zum Verkauf in einem Geschäft hängt, das Haus spiegelt sich in der Schaufensterscheibe.
Heumarkt – vorher, nachher
Vor einigen Jahren wurde der am Rande der Altstadt liegende Heumarkt neu gestaltet:
Zum Leidwesen der Architekten kann man in Köln keinen Spatenstich tun, ohne auf achäologisch wichtiges Material zu stoßen, besonders dann nicht, wenn man so tief gräbt, um eine Tiefgarage zu bauen, wie in diesem Fall. Das hat dann zur Folge, daß die Baumaßnahmen etwas länger dauern als ursprünglich veranschlagt.
Heute sieht der Heumarkt so aus (ungefähr die selbe Perspektive):
Zu Anfang hat es viele Beschwerden wegen der Bepflasterung gegeben: Stöckelschuh-bewehrte Damen knickten um, weil die Abstände zwischen den Steinen zu groß war, und es hat lange gedauert, bis der Platz vom zuständigen Amt schließlich abgenommen war.
An seinen Rändern gibt es viel Gastronomie für die Touristen, auf dem Platz selbst finden im Sommer meist kommerzielle Feste statt: Bier- oder Weinfest, Trödelmarkt etc., im Winter beherbergt er – wie sollte es anders sein – einen Weihnachtsmarkt und eine Eisbahn.
Aber auch „unkommerzielle“ Veranstaltungen finden manchmal statt, zum Weltjugendtag der katholischen Kirche stand hier eine Bühne ebenso wie zum CSD, an dem es die Schwulen genießen, ganz und gar aus sich heraus zu gehen, und während der Fußball-WM lud eine riesige Leinwand zum „Public Viewing“ ein.
