Wandern auf dem Salzalpensteig (1): Prien – Marquartstein

Sonntagnachmittag in Prien angekommen, spazieren wir als erstes zum Chiemsee, in 20 Minuten ist man da. Faule Leute nehmen die Bahn.

Im riesigen Chiemsee gibt es große, bebaute Inseln, und auf der größten Insel steht sogar ein Schloß im Stil von Versailles, in Auftrag gegeben von König Ludwig II., der auch Neuschwanstein zu verantworten hat. Wer hat’s bezahlt? Die Bayern. Aber sie lieben ihn trotzdem.
(Bilder vergrößern: Rechte Maustaste, Grafik anzeigen)

Ah – Berge! Meine Begleiterin kommt ins Schwärmen.

Im Ort ist gerade ein Fest, der Anlaß ist das Ende des Sommers, wenn ich das richtig verstanden habe.

Es gib vier Bühnen, auf jeder wird bayerische Blasmusik gepielt, es ist unmöglich, sich strategisch so zu setzen, daß man möglichst von keiner Bühne was mitkriegt …

… aber wenigstens die größte Bühne können wir meiden.

Es gibt sehr viel zu essen …

… und man hält sich nicht zurück: Zwischen beiden Aufnahmen liegen ungefähr vier Stunden. Und dann gibt es natürlich noch Haxn, Würste aller Art und Schmalzkuchen.

Vor der Apotheke gibt es Alltagsmedizin Flüssignahrung. Das ist einer von drei Ständen, in denen pausenlos Bier in große 1-Liter-Gläser gefüllt wird, schon seit dem frühen Nachmittag. Wie kann man soviel saufen? Und was soll das mit den 1-Liter-Gläsern? Das Bier wird doch schal und warm, oder man muß es so schnell trinken, daß man im Nu einen sitzen hat. Ich bestelle also zwei halbe Liter – und erhalte dafür erstmal ein amüsiertes Grinsen. Da es dafür (also für den halben Liter jetzt) keine Gläser gibt …

… werden die Humpen halb gefüllt. Eine Maß kostet 8,30 Euro, zwei halbe „neini“. Die Benutzung eines Glases schlägt also mit 70 Cent zu Buche, schließe ich messerscharf. Oder es gibt Mengenrabatt auf einen Liter, der beim Kauf von geringeren Mengen natürlich abgezogen werden muß.

Trotz Blasmusik – mir gefällt’s hier. Ich bin allerdings auch schon beim zweiten halben Liter. Achtung – jetzt wird was aufgeführt: Sechs Männer stellen sich auf Tische und lassen Peitschen knallen. Das hört sich so an:

Keine Sorge, es sind nur 23 Sekunden.

Gegen 21 Uhr leert es sich. Man sieht niemanden wanken, keiner kotzt, alle benehmen sich manierlich – trotz der Biermengen, die hier getrunken wurden, keine Ahnung, wie die das machen. Falls es einen Trick gibt, gebt ihn bitte an die Kölner Karnevalisten weiter.

Am nächsten Tag geht’s los. Es ist bedeckt, ab und zu fallen ein paar Regentropfen, aber wie sich herausstellt, ist das ganz gut, denn die erste Hälfte der heutigen Etappe von 23 Kilometern wandern wir unter freiem Himmel, und das ist bei 33 Grad unter praller Sonne nicht so angenehm.

Das ist das Zeichen, dem wir folgen müssen, aber Obacht: Das gibt es auch in Blau (für Salzalpentouren) und Rot (für Zuwege), und besonders blau und grün kann man schnell verwechseln. Der Pfeil zeigt, in welche Richtung wir gehen müssen. Jedenfalls theoretisch.

Wir landen auf einem Campingplatz und riskieren eine Kreuzigung, aber was soll man machen.

Schöner Blick auf den Chiemsee – zu dem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht, daß das der letzte sein sollte.

Wir irren herum zwischen Wohnwagen und Zelten und suchen das Zeichen, bis uns klar wird: Wir müssen zurück und die verpaßte Abzweigung suchen.

„Echt wia’s Leben“ – ohne sich zu besaufen hält man die Quatscherei der Anderen kaum aus, oder wie? Stimmt, manchmal ist das so.

Wieder in der Spur. Man kommt durch kleine Ortschaften …

… mit Skulpturenpark und …

… wo man das Handwerk zu würdigen weiß.

Wenn einer Kuh eine Fliege ins Auge fliegt, was macht sie dann? Filigrane Hufarbeit.

Ah, Landschaft. Hier läßt sich noch leicht ausschreiten.

Aber unausweichlich geht’s irgendwann bergauf, hier noch recht moderat.

Trotz der langen Strecke erreichen wir Marquartstein bereits nach sechseinhalb Stunden. Die Jugend übt sich in der Jagd. Das ist brav.

Auf der Terrasse des „Hotel Weßner Hof“ ist nicht viel los.

Kürzlich sah ich im TV ein Interview mit einem Sternekoch, der sich darüber beschwerte, daß die Gäste immer Extrawünsche hätten und die wohlkomponierten und fein ausgewogenen Kreationen auf dem Teller kaputtmachen würden. Der Ansicht scheint man hier auch zu sein, obwohl es nur gutbürgerliche Küche gibt: Ich mag keinen Kartoffelstampf, möchte dagegen Bratkartoffeln als Beilage – kommt gar nicht in die Tüte, steht nicht auf der Karte, Salzkartoffel kann ich haben, oder Fritten, aber nur gegen eine zusätzlich Strafgebühr von 1,50 Euro. Okay, ich sehe ein, das ist ein Zumutung für den Koch, die Salzkartoffeln anzubraten, also nehme ich Fritten zur Rindsroulade. Mal was Neues. Und ich verspreche, daß ich den Koch zukünftig nicht mehr beleidigen werde mit meinen Wünschen, denn hier esse ich garantiert nie wieder. Tja, Sachen gibt’s …

Fortsetzung folgt.

 

41 Antworten zu “Wandern auf dem Salzalpensteig (1): Prien – Marquartstein

  1. Schön, dass sich deine tollen Fotos jetzt auch vergrößert anschauen lassen. (Warum machst du das nicht mit der Option „Vollständige Größe“ bei WordPress? Abgebildet wirds nur wie Spaltenbreite deines Blogs, Klicken vergrößert, nochmals Klicken verkleinert wieder. )
    Aber danke, dass du uns wieder mit auf die Wanderung genommen hast. Es ist so wunderbar bequem, und trotzdem sieht man und lernt was.

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  2. Du mit Lederhosn und „Goaßlschnoizn“ (Peitschenschnalzen)…
    Das hätte ich ganz gern gesehn..;-D
    Ich bin mir fast sicher, dass sich die Bedienung dachte:
    „De Preissn san a scho wieda untawegs“, als du nach einer
    halben Maß Bier verlangt hast..;-)

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    • Da hätte ich noch ein paar Biere mehr trinken müssen.;-)
      Ja, sowas ist mir schon öfter aufgefallen: Als Reisender denkt man: Himmel, was geht denn hier ab, und als Einheimischer: Ah ja, wieder so ein Tourist, der keine Ahnung davon hat, was bei uns üblich ist. Und solange man sich dabei gegenseitig anlächelt, ist das auch ganz in Ordnung so.

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      • Tja. Brauchtum, Folklore… Im hohen Norden sind es die
        betrunkenen Matrosenschunkler und im tiefen Süden
        die besoffenen Lederhosenfingerhakler..;-)
        Habe das schon als Jugendlicher als „fremde Welt“ empfunden,
        betrachtet, mir oft dabei gedacht: „Solange sie mich damit in Ruhe
        lassen, sollen sie doch, wenns ihnen Spass macht.“..:-)

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        • Und in Köln sind es die Karnevalisten. Und die Schützenvereine. Und die Feiertagsfeierer. Und die Wochenendfeierer, usw. Diese ganze Feieritis hängt mir ein bißchen zum Hals heraus, vor allem: Da wird gar nichts Bestimmtes gefeiert, da ist bloß eine künstlich geschaffene Gelegenheit, sich in Gesellschaft zu besaufen. Das ganze ist von einer ordinären Dekadenz.

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  3. Puh, also zuweilen habe ich das Gefühl, mir ist die bayrische „Kultur“ noch fremder als die Lebensart anderer Länder wie USA, Italien, Frankreich etc..
    Bier trinken aus schweren Krügen während über einem besoffene Lederbuxen mit Peitschen knallen- also ich weiß nicht.
    Dazu stell ich mir dann noch diesen Dialekt vor. „Jo mei de Hopfiduridari sakraholmiderdeifi kruzitürrrkenochamol….“
    Ein bißchen wie bei „Ein München im Himmel“: Er schrie so, daß der liebe Gott aus seinem Mittagsschlaf erwachte.

    Neulich las ich noch die drei Regeln, die ein Mann für einen guten Urlaub beachten sollte:
    „Berge von unten, Kirchen von außen, Kneipen von innen“. Du siehst, man darf nix falsch machen…

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    • *lach* die peitschenknallenden Lederbuxen waren (hoffentlich) nicht besoffen, so eine Peitsche möchte ich nicht um die Ohren geknallt kriegen. Und Dialekte mag ich mir inzwischen ganz gern anhören, wenn sie in natürlichen Situationen gesprochen werden, also nicht im Fernsehen. Sie sind oft weicher und körperlicher als das steife Hochdeutsch, egal, ob es sich um Plattdeutsch, Kölsch oder Bayrisch handelt. In Maßen, natürlich.

      Wenn Berge nur von unten nicht geht (wegen wandern), sollte man auch auf Kirche von innen nicht verzichten, denn da kann man sich sehr gut mal ausruhen, und Kneipe von innen ist natürlich ein unbedingtes Muß, ohne würde ich vermutlich gar nicht verreisen.;-)

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    • Ja, wirklich sehr schön … a bissl aanstrengend vleicht (als Nichteingeborener sollte man NIEMALS versuchen, den Dialekt zu imitieren, ist mir klar;-).

      Ja, kenn ich aus Münchner Biergärten, die haben sogar Gläser dafür, deshalb hatte ich auch keine Scheu, zwei Halbe zu bestellen. Wahrscheinlich lohnt sich in Prien die Anschaffung nicht von kleinen Gläsern. Es wird auch viel Radler getrunken, habe ich gesehen, gerade von jungen Frauen.

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  4. ach, die schöne umgebung in bayern, das fehlt mir im norden schon.
    damals musste ich nicht weit laufen, um in den wald zu kommen.
    fein, dass du und deine begleitern gesund zuhause seid.
    ich hatte dich etwas vermisst… 😉

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  5. Wenn ich auf „Datei hinzufügen“ klicke, erscheint nur das Feld, in das ich das Foto hineinziehen oder vom Computer hochladen kann. Wenn ich ein Foto auswähle, sieht es so aus:

    Da kann ich noch auf „Weitere Detils bearbeiten“ klicken, aber das hilft auch nicht weiter:

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