Als ich einmal fast keinen Platz mehr im Biergarten bekam

Neulich war der Tag der Ausländerschwemme, oder wie das heißt … nein, „Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung“, so heißt es richtig, und zur Feier des Tages sendete mein Lieblingssender RTL gerade spannende Bilder aus dem Mittelmeer, Gummiboote, ertrinkende Leute, Kriegsschiffe usw. – da hämmerte plötzlich jemand gegen meine Haustür. Als ich öffnete, stand da ein Paar mit einem kleinen Kind. Ich sag‘ es gleich: Einen guten Eindruck machten die nicht. Ob er mal telefonieren dürfe, sie seien Nachbarn und sein Haus würde brennen.

Nachbarn? Ich muß wohl laut gedacht haben, denn er zeigte in eine Richtung, und tatsächlich, ein paar Häuser weiter sah ich eine Rauchsäule in den Himmel steigen. Also, was sich so alles Nachbar nennt … aber ich bin ja kein Unmensch. „Selbstverständlich“, sagte ich, „kostet aber 23 Cent.“ Er habe gerade kein Geld dabei. Ich bin Christ, und bei meinen Bekannten und Nachbarn (also den echten Nachbarn jetzt) gelte ich als freundlich und hilfsbereit, aber das bedeutet doch nicht, daß ich Geld zu verschenken habe. Andererseits war hier Gefahr im Verzuge, das sah ich ein – ich sagte ihm großzügig, er könne es mir ja später geben. Gerade noch rechtzeitig fiel mir ein Bericht ein, den ich kürzlich bei meinem Lieblingssender gesehen hatte.

„Darf ich mal Ihren Ausweis sehen?“ Auf keinen Fall wollte ich auf eine geschickte Abzocke hereinfallen, nachher wohnte der gar nicht da, wo er behauptet, und ich habe das Nachsehen. Und siehe da – ach nee! – den habe er „natürlich“ nicht dabei, sie seien aus einem brennenden Haus gestürzt, da denke man doch nicht an sowas. Ich wußte sofort Bescheid. Das ist doch wohl das erste, an das man denkt: Auf jeden Fall immer die Papiere mitnehmen! Wer bitte soll einem irgendwas glauben? Wie soll man z.B. ohne Führerschein noch irgendwo hinkommen? Ich bin Christ, aber keiner, der sich verarschen läßt: Allein die Tatsache, daß er seine Papiere nicht dabei hat, obwohl doch jeder weiß, wie wichtig die sind, zeigt grundsätzlich schon die Unglaubwürdigkeit dieser Person. Woher soll ich wissen, woher der wirklich kommt! Und nun will er sich Zutritt in mein Haus verschaffen und und und … sich ein Telefongespräch erschleichen? Ohne mich, mein Herr! „Tja dann …“, sagte ich, und wollte langsam die Tür schließen.

Da hustete das Kind. Es war in einem elenden Zustand, die Bekleidung dreckig, das Gesicht verußt, und man sah, daß es geweint hatte. Also ehrlich: Eltern, die ein Kind so verwahrlosen lassen und es in eine solche Situation bringen, denen gehört die Erziehungsgewalt entzogen. Da bin ich gnadenlos. Ob ich wenigstens einen Schluck Wasser für das Kind hätte, fragte der Mann. Na – da habe ich gerade drauf gewartet: Erst versuchen sie, einen über den Tisch zu ziehen, und wenn das nicht fruchtet, schieben sie ihre ach-so-armen Kinder nach vorn, um auf die Tränendrüse zu drücken.

Außerdem: Wenn jeder, dessen Haus grad brennt, angeblich oder tatsächlich, bei mir einen Schluck Wasser trinken will – dann komme ich den ganzen Tag nicht mehr in mein Badezimmer, und die Nacht wahrscheinlich auch nicht. Und wenn ich erst ein Kind hineinlasse, ja, dann spricht sich das doch herum, und plötzlich stehen hier alle auf der Matte. Das ist doch schon eine Frage der Logik, daß das nicht geht! Nachdem ich die Tür mit Nachdruck geschlossen und beide Ketten vorgelegt hatte, dauert es noch geschlagene 5 Minuten, bevor der Mann aufhörte, gegen meine Tür zu hämmern – die nahende Feuerwehrsirene hatte ihn dann wohl abgelenkt. Unverschämt! Ich hätte überhaupt nicht aufmachen sollen. Das hat man nun von seiner Gutmütigkeit. Morgen kaufe ich mir einen Elektrozaun.

Einen Platz im Biergarten habe ich dann gerade so eben noch ergattern können, ein Glück. Das argentinische Grillsteak war wie immer vorzüglich.

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12 Antworten zu “Als ich einmal fast keinen Platz mehr im Biergarten bekam

  1. eine merkwürdige geschichte.
    statt ihn anrufen zu lassen, hätte ich angeboten die feuerwehr zu rufen, aber wer weiß…?
    was sich manche abzocker einfallen lassen, um andere über das ohr zu hauen.

    am hauptbahnhof hannover kam mir nach dem verlassen des bahnsteigs eine junge mutter mit schlafendem kind auf dem arm entgegen und sagte: „kind krank, brauche geld für arzt.“ ich bot ihr an sie in die kinderklinik zu bringen was sie aber ablehnte.
    kurz vor dem vorfall stand in der tageszeitung von jungen müttern mit schlafenden kind, die betteln mit der masche wie beschrieben.
    diese mütter sollen ihre kinder mit medizin tagsüber zum schlafen bringen, damit sie beim betteln nicht stören.
    eigentlich tun mir diese menschen leid. mit falschen versprechungen werden sie von rumänien mit nach deutschland genommen, um dann betteln zu müssen.
    selber verdienen sie nix, nur eine erbärmliche unterkunft und ein essen.

    du hast richtig gehandelt.

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    • Meine Liebe, das ist ein satirischer Text, Du hast ihn wahrscheinlich nur überflogen, oder? Sonst wäre Dir doch sicherlich aufgefallen, daß ich gar kein Haus habe, um den ich einen Elektrozaun aufstellen kann. Ich hätte den Text vielleicht mit „Viele Grüße, Euer Horst Seehofer“ unterschreiben sollen, dann wäre es deutlicher geworden.

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  2. Eine Geschichte, die zu Tränen rührt – und wen nicht, der hat kein Herz, ganz klar. 😉 Ich gebe nur zur Bedenken, dass WIRKLICH auch Leute kommen, die nicht aus brennenden Häusern stammen und die WIRKLICH ihre Papiere weggeworfen haben, um vorsätzlich falsche Angaben zu machen. Also: Falls du jetzt jedem die Tür aufmachst (oder, realistischer: die Tür gleich ganz offen stehen lässt), wundere dich nicht, wenn da demnächst 20 Leute in deiner Wohnung stehen, die murren, weil es eng ist und die Würstchen in deinem Kühlschrank nicht halal sind. Und wenn du einen von den 20 aus der Wohnung weisen möchtest, weil du herausgefunden hast, dass er aus keinem brennenden Haus kommt: Vergiss es … Wie auch immer: Hauptsache, keiner sagt „Nazi“ zu dir, denn das ist das Schlüsselwort, das alle Deutschen (WIR mit UNSERER VERGANGENHEIT!!) auf der Stelle und immer wirkungsvoll paralysiert.

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    • Danke für Deine Bestätigung, das ist genau das, was ich meine: Da brennen in entfernter Nachbarschaft die Häuser – und Du machst Dir Sorgen um eventuelle Enge in Deinem Haus und um die Würstchen in Deinem Kühlschrank und darum, daß unter den Betroffenen einer sein könnte, der Deine Hilfsbereitschaft ausnutzt. Also schottest Du Dich ab – sollen die Leute doch bleiben, wo der Pfeffer wächst. Warum bleiben sie nicht einfach in ihren Häusern und verbrennen mit? Schon haben wir keine Probleme mehr – und können gemütlich unseren Feierabend im Biergarten genießen.

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  3. Die geringe Hilfsbereitschaft in deiner Parabel und in der ironisierten Realität ist ja ein neues Phänomen. Am Anfang stand die „Willkommenskultur.“ Sie ist leider ganz untergegangen durch meidales Dauerfeuer über Kriminalität der Geflüchteten und durch das Wirken der AfD, die ja inzwischen die Diskussion bestimmt, indem ihre Positionen in fast jeder Talkshow diskutiert werden und die CSU sich bemüht, die AfD rechts zu überholen. Mir scheint, das Problem ist, dass in unserer GEsellschaft sich so viele abgehängt fühlen, bei Beruf und Wohnen, und jetzt kommen Menschen zu uns, die gerade mit den Abgehängten konkurrieren.

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    • Das stimmt. Nach meinem Empfinden erreicht die pauschale Ablehnung von Flüchtenden inzwischen aber auch die sogenannte Mitte der Gesellschaft: Man möchte so langsam nichts mehr damit zu tun haben, und was das für die Betreffenden bedeutet, wird vertdrängt. Statt über die Millionen Leben, die durch Asyl gerettet werden, froh zu sein, wird in einem Ausmaß über Kriminalität und andere eigentlich marginale Begleiterscheinungen diskutiert, als seien sie natürliche Merkmale aller Hilfsbedürftigen.
      Ich befürchte, die Ablehnung wird sich weiter ausbreiten.

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    • Das stimmt. Allerdings ist es nicht so, daß man sich kein eigenes Bild machen kann, man muß nur etwas genauer hinschauen und mitdenken, dazu sind viele Leute einfach zu faul. Es ist nicht schwer, herauszubekommen, daß in der selben Zeit, in der von morgens bis abends über die Rettung der thailändischen Jungs aus der Höhle berichtet wurden, 600 Menschen im Mittelmeer ertrunken sind (im Monat Juni).

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