Im Zollhafen

Neulich an einem späten Sonntagnachmittag, stolperten wir beim ziellosen Spazierengehen über einen Markt vorm Schokoladenmuseum. Alles war einheitlich weiß, selbst die Stehtische hatten Kleidung, es sah edler aus, als sonst auf solchen Märkten. Es stellte sich heraus, daß hier ein „Festival der Genüsse“ stattfand.

Unter „Genuß“ verstehen die Veranstalter und Standbetreiber offenbar den Verzehr von etwas, was hauptsächlich teuer ist, Austern zum Beispiel. An einem Stand soll auch ein Sternekoch stehen (ich wette, er hat was mit Trüffel gekocht), dessen Antlitz zu erspähen schon allein natürlich jeden Preis rechtfertigt.

Am Käsestand gibt es Käse für 2,90 bis 3,50 Euro pro 100 Gramm. Ich habe mich dazu hinreißen lassen, eine Halbliterflasche Crafts-Bier aus Irland für 3,50 Euro zu kaufen – war okay, aber braucht man nicht.

Wo Austern geschlürft werden, ist Champagner nicht weit: Ein Gläschen ‚Veuve Clicquot‘ gefällig? Bitte sehr, 12,50 Euro für ein halbes Glas (0,1 l), oder 75 Euro für die ganze Flasche. Meine Begleiterin mußte unbedingt eine Waldmeisterbowle probieren (sie war gar kein Genuß) an einem Stand, dessen Betreiber erkennbar ein langes Gesicht machte. Mitfühlend fragte sie, was denn los sei, worauf er antwortete: Nichts, und genau das sei das Problem, seit drei Tagen seien sie nun schon da, extra aus Düsseldorf angereist, und würden kaum Umsatz machen. Ich dagegen fand, das war der größte Luxus auf diesem Festival der Genüsse: Daß so wenig Leute da waren. Und der Genuß war sogar völlig umsonst.

14 Antworten zu “Im Zollhafen

  1. Ahoi!

    Auf den ersten Blick dachte ich bei Bild 3:
    „Was ist denn das für ein übermächtiger… ääh.. Damenvorbau!“
    Bis ich dann auf den zweiten Blick erkannte, dass es sich um
    eine Männerwampe handelt..;-D

    Tja, Monsieur Videbitis.
    „Edel geht die Welt unter.“ (Achtung! Doppelter Boden!..;-)
    Die Reichen/Mächtigen lassen ja immer wieder gerne lancieren,
    dass Reichtum nicht glücklich macht. (Es geht hier nicht um Lottomillionäre)
    Irgendwie muss man ja all die Armen ruhigstellen, das (Un)Gleichgewicht
    halten. „Dom Pérignon für alle“ funktioniert nicht. Aber Psssscht!..;-)

    Übrigens ärgere ich mich immer wieder als Käseliebhaber über die
    Wucherpreise. Wurst und Fleisch spottbillig und Käse völlig überteuert.
    Deshalb wäre ich auch ganz gerne in der Einkommensklasse, die es
    ermöglicht, ohne wenn und aber regelmäßig in einem Sternerestaurant
    zu schlemmen bzw. ohne mit der Wimper zu zucken, kurz mal beim
    Weinhändler des Vertrauens einen Château Mouton Rothschild für 500 Euro
    zu besorgen. (Mir gehts um leiblichen Genuss..;-)

    Falls du mich mal beglücken möchtest, dann würde ich mich über ein
    Fläschchen Domaine de la Romanee-Conti Romanee-Conti Grand Cru
    Abbildung -> … http://tinyurl.com/pmgnuqr
    (Bitte den 75er! Der ist aktuell für etwa schlappe 6200 Euro zu haben.)
    Das wäre wirklich nett von dir!..;-D

    Gruß aus dem kulinarischen Salon!

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    • Gut, Wein hält sich eine Weile, aber ob der 75er wirklich noch gut ist und nicht inzwischen zu Essig umgeschlagen, weiß man erst, wenn die Flasche geöffnet wird, oder? Immerhin kann man seinen Salat noch damit anrichten, aber guter Balsamico-Essig tut’s auch, und der ist viel billiger. Ich laß Dir vielleicht mal ein Fläschchen zukommen.;-)

      Daß Reichtum nicht glücklich macht, glaube ich sofort. Aber eigentlich wollen sie damit sagen, daß Reichtum keine Vorteile mit sich bringt, und das ist natürlich sehr zynisch angsichts derer, die sich so gerade eben über Wasser halten. Oder mir gegenüber, der seine Zeit nun wahrlich besser verbringen könnte als damit, arbeiten zu gehen. Aber das die sich aus Statusgründen dieses Zeug reinziehen müssen – Austern, Kaviar, Sterneküche – darum beneide ich sie kein Stück. Ich könnte noch so reich sein, ich würde immer eine gut gemachte Erbsensuppe oder ein leckeres Butterbrot jeder Haute Cuisine vorziehen. Bratkartoffeln, dazu ein Spiegelei und ein leckeres Pils!

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      • Bonsoir!

        Natürlich kann auch materieller Reichtum glücklich machen!
        Ich stelle mir ein schmuckes Häuschen an der Côte d’Azur vor,
        Hanglage mit Meeresblick. Eine Küche mit allem Pipapo.
        Dort würde ich dir als Besucher auf der Panorama-Terrasse,
        unter strahlend blauen Himmel ,lukullische Häppchen und feinsten
        französischen Cognac kredenzen und danach mit dir auf einer
        schnittigen Segeljacht ein wenig herumkreuzen. Umgarnt von
        wohlgeformten Wassernixen. Beide wären wir glücklich. Glaub mir!..;-D

        In die Oper gehen sie ebenso! (Statusgründe) Hast du glatt vergessen..;-)
        Du bedienst damit jedoch auch ein Klischee. Es gibt sicherlich viele
        vermögende Leute, die dieses aufgesetzte Brimborium ablehnen.
        Aus jetziger Sicht bräuchte ich den Schmarrn nicht. (Ich habe
        Austern / Kaviar probiert und war überhaupt nicht begeistert davon.
        Gelinde ausgedrückt: Pfui Teufel!)
        Auch in einem 10-Mio-Anwesen lässt es sich Bratkartoffeln
        mit Spiegelei futtern, du Kölsch-Asket!..;-D

        Es grüßt der bajuwarische Feinschmecker!..;-)

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        • Kölsch-Asket weise ich mit Entschiedenheit zurück – ich trinke nur Jever Pils.:-)
          Du könntest mich vielleicht einladen auf Dein 10-Mio-Anwesen an der Cote d’Azur, wir hätten bestimmt viel Spaß angesichts der Wassernixen und all der anderen Genüsse – das Problem ist nur: Ich könnte nicht kommen, weil ich arbeiten muß. Du bist also angewiesen auf die Gesellschaft der anderen Millionäre, und ob das wirklich so vergnüglich ist, wage ich zu bezweifeln. Willst Du auf Deiner Jacht wirklich Deine Zeit mit anderen Jachtbesitzern verbringen, nur weil das die einzigen Leute sind, die sich das auch leisten können? Ich bestimmt nicht. Die Wassernixen sind übrigens da, weil sie an Deine Kohle wollen. Du könntest auch gleich in den Puff gehen. Wenn das Glück ist … Und natürlich kann ich in einer Villa Bratkartoffeln braten, aber das kann ich auch in meiner 50-m²-Bude.
          Der einzige Vorteil des Reichtums, den ich sehe, ist ein sorgloses Leben in Lohnarbeitslosigkeit. Sorglosigkeit und Glück sind allerdings verschiedene Dinge.

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          • Bonjour Monsieur!

            Du verfällst schon wieder ins Klischee. Arbeitest du am Wochenende? Hast du niemals Urlaub? Warum nicht eine Urlaubswoche an der Code d’Azur? (Mit Segelyacht und kulinarischen Wassernixen..;-) Weshalb sollte es nicht vergnüglich sein, mit anderen vermögenden Leuten/Freunden den Luxus zu genießen? Leider wurde „uns“ der dämliche Spruch schon im Kindergarten
            eingetrichtert: „Lieber arm und gesund, als reich und krank.“ Dieser unsägliche Quatsch blitzt in deinen Argumenten durch.
            Beruht aus deiner Sicht ein finanziell sorgloses Leben zwingend auf Unglück? Denkst du wirklich, dass alle vermögenden Leute todunglücklich, vom Pech verfolgt sind? (Ich denke gerade an marxistische Tiraden von Sarah Wagenknecht..;-) Es geht doch nicht um vergoldete Wasserhähne und 100.000-Euro-Uhren. Wohlstand schafft Unabhängigkeit, Freiheit. Versuch dich mal von diesem „Entweder-Oder-Schema“ zu lösen und probiere es mit „Sowohl-als-auch“. Entfesselt!..:-)

            „Die Wassernixen sind da, weil sie an deine Kohle wollen.“ Und wenn es so sein sollte, hat das doch nicht zwingend etwas mit „Bordelltätigkeit“ zu tun. Da überspannst du den Bogen aber schon. Ich finde nichts Verwerfliches daran, wenn sich junge, hübsche Frauen an vermögende, alte Säcke werfen. Jeder profitiert doch davon..;-)
            Musikalie: … 🎶 http://tinyurl.com/q5457ga 🎶 …

            Gruß aus der mondänen Stube!..;-D

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              • Kann es vielleicht sein, daß Du die Texte in einem externen Editor schreibst und dann in das Kommentafeld kopierst? WP kommt mit „fremdem“ Zeilenumbruch offensichtlich nicht zurecht, habe das für den Text oben mal geglättet.

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            • Niemals würde ich meine kostbaren Urlaubswochen an der Cote d’Azur verschwenden;-). Und ich würde mich schämen, wenn ich versuchen würde, Frauen mit Geld zu beeindrucken, auch wenn es erfolgreich wäre. Und ich verachte Frauen ein bißchen dafür, wenn sie sich davon beeindrucken lassen.

              Aber wir reden aneinander vorbei. Laß es mich so sagen: Viel Geld macht nicht per se glücklich, dazu gehören ganz andere Dinge. Daß zu wenig Geld sehr wohl unglücklich machen kann, ist ja kein Widerspruch.

              Neulich sah ich einen affirmativen Bericht auf einem Privatsender über einen Millionär in seinen 50ern, der in Monaco lebte, er hatte nur eine kleine Wohnung, aber eine dicke fette Karre, trug die feinsten Anzüge über seinem angeschwabbelten, mit den besten Köstlichkeiten überreich genährten Körper und machte Party, sobald sich eine anbot, also so gut wie jeden Tag. Er schleppte 30 Jahre jüngere Frauen ab, wenn sich eine auf ihn einließ angesichts seines Reichtums, und vermutlcih nur deswegen, denn er war kein angenehmer Mann. Ich dachte nur: Was für ein armes Schwein.

              Übrigens: Wenn Du mich auf Dein Cottage in Cornwall einlädst, komme ich gern.;-)

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              • Du weisst doch so gut wie ich,
                dass diese privaten Prollsender die
                üblichen Klischees bedienen!
                Kannst du dir wirklich nicht vorstellen,
                dass es auch vermögende Leute gibt,
                die sich ausserhalb solcher Protzereien
                bewegen? Dieser Typus, den du da
                beschrieben hast, ekelt mich auch an.

                Wie dem auch sei.
                „Geld macht nicht dauerhaft glücklich,
                es beruhigt aber ungemein.“ Basta!..;-)

                Ich z.B. vermeide seit vielen Jahren,
                industriell erzeugten „Dreck“ zu essen.
                Zu DM-Zeiten waren „echte“ Bio-Lebensmittel
                z.B. von Demeter auch für „Normalverdiener“
                bezahlbar. Ein täglicher Einkauf würde jetzt
                mein Budget sprengen. Daher wäre ich eben
                ganz gern Einkommensmillionär. So einfach
                ist das. Angenehmes Wochenende dir!..;-)

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                • Klar, kann ich. Deinen Basta!-Satz kann ich auch unterschreiben.
                  Heute habe ich gelesen, ein Lottospieler aus Bayern habe letzten Mittwoch 33 Mio. gewonnen – Du warst das also nicht. Schade, sonst hätte ich Dich angepumpt.;-)

                  Dir auch ein schönes Wochenende!

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    • Der Genuß auf einem solchen Markt liegt hauptsächlich in der Befriedigung der Händler, den Kunden möglichst viel Geld aus der Tasche gezogen zu haben. Wenn ich genießen will, gehe ich mit meiner Begleiterin zum Vietnamesen um die Ecke, das kostet 15 Euro – und dann gehen wir noch quatschend spazieren, und das ist sogar völlig umsonst.:-)

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