Gargoyles am Dom

Der Erzbischof von Köln, Kardinal Meisner, hat angekündigt, daß er zum ersten Weihnachtstag sein Amt aufgeben will, da er dann 80 Jahre alt wird. Na – da gratulieren wir doch herzlich und wünschen eine schönes Rentnerdasein in aller Ruhe und Stille.

Selbst so manchem Atheisten soll bei der Ankündigung ein „Gott-sei-Dank!“-Seufzer entschlüpft sein. Gut, sicher ist die Sache noch nicht, vor fünf Jahren hatte er das schon mal angekündigt, der damalige Papst Benedikt XVI. hat die „Kündigung“ aber abgelehnt.

Dessen Vorgänger wiederum, Papst Johannes Paul II., hatte Ende der 80er Jahre Meisner erst zu seinem Amt verholfen. Normalerweise geht das so: Wenn in Köln ein neuer Ezbischof ernannt werden soll, schickt das Domkapitel (eine Gruppe von 16 klerikalen Würdenträgern, die die Geschäfte des Doms regeln) eine Liste mit zehn Vorschlägen an den Papst, der dann drei davon auswählt und zur Endwahl nach Köln zurückschickt.

Der Papst muß aber die Liste nicht berücksichtigen und kann auch eigene Vorschläge machen, gegen die Vorstellungen des Domkapitels – und genau so kam Kardinal Meisner in die Endauswahl. Daß der Papst sich gegen die Vorauswahl der Kölner Würdenträger stellte, passierte in der Kirchengeschichte zum ersten Mal.

In der Endauswahl konnte man sich im Domkapitel nicht einigen, der Gewinner mußte über 50% der Stimmen auf sich vereinigen. Nach einigem Hin und Her änderte der Papst einfach das Wahlrecht, nun brauchte ein Kandidat im 3. Wahlgang nur noch die relative Mehrheit, und so kam Meisner mit sechs Stimmen bei zehn Enthaltungen in sein Amt.

Der erzkonservative Meisner war nie besonders beliebt in dieser Stadt, und ich hatte den Eindruck, besonders bemüht um die Sympathien der Bürger hat er sich auch nicht. Er war ja vorher schon Bischof von Berlin, und man kann sich fragen, wieso er das nicht einfach geblieben ist: Der Reiz, den die Kölner Diözese ausstrahlt, ist einfach zu groß, denn sie ist die reichste der ganzen Welt und wohl die mächtigste in Deutschland. Der Job „Kölner Erzbischof“ ist wahrscheinlich der höchste Karrierepunkt, den ein Geistlicher erreichen kann, das Papstamt mal ausgenommen. Nun überschlagen sich natürlich die Spekulationen, wer als nächstes das Amt erklimmt. In feiner Tradition seiner Amtsführung schlägt Kardinal Meisner selbst ausgerechnet den Bischof von Limburg Tebartz-van Elst vor, der jüngst wegen seiner angeblich luxuriösen Lebens- und autoritären Amtsführung und des Verdachts einer Falschaussage in einem Rechtsstreit in die Schlagzeilen geraten ist (sein neuer Bischofssitz kostet, wie heute zu lesen ist, statt der veranschlagten 3 Millionen Euro, über das Zehnfache: 31 Millionen Euro).

Wasserspeier, auch Gargoyles genannt, haben zwei Funktionen: Sie sollen das Regenwasser in weitem Strahl vom Kirchengemäuer fernhalten, damit es vor Wassererosion geschütz ist. Und, da sie nur nach außen gerichtet auftreten, sollen sie mit ihrem meist bizarren Aussehen alles Böse vom Gotteshaus und den Menschen in der Kirche fernhalten. Da kann man ja nur hoffen, daß sie diesmal ihre Arbeit besser machen.

Einheitstr.

Wirklich wahr, es ist der reine Zufall, daß wir gestern im „Einheit 15“ landeten: Im „Rosenrot“ gleich um die Ecke gab es erst ab 18 Uhr Essen, solange wollten wir nicht warten. Hier ist es auch sehr nett, sehr verwinkelt und größer, als man zuerst glaubt. Das Essen ist prima: Es gibt relativ kleine Gerichte zu genau so kleinen Preisen, man kann sie also gut miteinander kombinieren, z.B. Ofengemüse mit Ziegenkäse überbacken, Datteln im Speckmantel, Salate, Falafel usw. für jeweils 4 bis 5 Euro, bestellt man drei, hat man eine volle Mahlzeit. Aber man kann auch Wiener Schnitzel mit Fritten bekommen, oder Flammkuchen in verschiedenen Variationen. Besonders gut gefällt mir, daß alles frisch gemacht ist, kein Tiefkühlessen. Auch der Kuchen, den man uns ans Herz legte, war am selben Tag frisch gebacken. Ja, so muß das sein.
Einen Wermutstropfen möchte ich nicht verschweigen: Der Durchgang zur Küche ist offen, und das riecht man nach dem Verlassen der gastlichen Stätte leider an seinen Kleidern.

Am Hof

Als man Ende der 60er Jahre um den Dom herumbuddelte, um das römisch-germanische Museum zu bauen, fand man diese Originalsteine einer römischen Hafenstraße. Darauf zu fahren muß eine ziemlich ruckelige Angelegenheit gewesen sein, aber wohl immer noch besser, als bei Regen im Schlamm stecken zu bleiben. Neben dieser war nur noch die Hohe Str. durchgängig gepflastert, alle anderen waren bis weit ins Mittelalter hinein Kiesstraßen. Die Hohe Str. war ja ein Teil der römischen Heerstraße, die am Rhein entlang bis Xanten führte. Die Straße mußte nicht nur römische Soldaten tragen, sondern natürlich auch das ganze Kriegsgerät, um die Barbaren auf der anderen Rheinseite, der sogenannten „Schäl Sick“, abzuwehren. Außerdem mußten die Römer natürlich auch versorgt werden, der Kampfgeist leidet, wenn die Nudeln Bolognese ohne Parmesan gegessen werden müssen, weil der Verpflegungswagen auf unbefestigten Straßen steckenbleibt.

Sehr überrascht war ich, als ich las, welche Ausmaße dieses Bauwerk hatte: Die Hohe Str. hatte eine Breite von 32 Metern! Innerhalb der Stadt wurden an den Rändern Laubengänge errichtet, die Fahrbahn hatte immer noch eine Breite von 22 Metern. Die heutige Hohe Str. ist 6 Meter breit.