Wanderung Eggeweg, 2. Etappe

Die Gegenden hier heißen „Düvelsnacken“, „Teufels Küche“, „Kleiner Herrgott“ und „Ewigkeit“, da wundert es keinen, daß es eine „Knochenhütte“ gibt. Von diesen kleinen Unterständen gibt es auf der gesamten Strecke 25, sie sind durchnummeriert, und wenn einem was passiert, also wilde Tiere, Räuber oder Hunger, kann man die Wacht anrufen und sollte sich erinnern, an welcher Hütte man als letztes vorbeigekommen ist.

Dieser unheimliche Mann stellte sich aber glücklicherweise als völlig harmlos heraus.

Jeder, der bei der Erwähnung der „wilden Tiere“ gelacht hat: Bitteschön, ein Drachennest. Das Muttertier war aber gerade nicht da.

Wir haben Zeit und machen einen kleinen Abstecher zur Iburg, bzw. was davon noch übrig ist. Hier ist viel Blut geflossen, allerdings ist das über 1200 Jahre her. Die Iburg war eine sogenannte Fliehburg, das heißt, sie wurde nur genutzt, wenn feindliche Krieger in Anmarsch waren. Das hat den Sachsen, denen diese Burg gehörte, allerdings nicht viel geholfen. Karl der Große, im Volksmund auch „Sachsenschlächter“ genannt, hat um das Jahr 800 mit der ihm eigenen christlichen Strenge (also mit allergrößter Brutalität) die sächsischen Stämme christianisiert. Die Religion war, wie ja meistens, nur ein Vorwand, es ging natürlich um Vorherrschaft und Macht. Jedenfalls, die Kirche, die Karl hier errichten ließ, ist auch schon lange Geschichte.

Gut – ich gebe es zu: Der eigentliche Grund für den kleinen Umweg ist die „Sachsenklause“. Als die Bedienung hört, daß wir nichts essen wollen, nimmt sie die Speise- und Getränkekarte wieder an sich – Karls Schergen erscheinen und führen uns in Handschellen ab. Nein, wir insistieren höflich und dürfen nun doch einen Blick in die Getränkekarte werfen.

Aus dem Fenster hat man einen schönen Blick auf Bad Drieburg – nein, ich schreibe besser „hätte“, wenn nur das Wetter besser wäre.

Die letzten paar Kilometer unserer heutigen 17-km-Etappe führen durch eine solche Wiesenlandschaft: Hüfthohes nasses Gras, der Weg kaum zu erkennen: Unmöglich! Fluch, Schimpf und Schande, wer hat sich sowas ausgedacht! Nach 500 Metern wechseln wir – mit komplett duchnäßten Hosen und Schuhen – auf die parallele Straße. Oh Wunder – ein Auto hält: Unser Gastgeber aus Herbram-Wald, unserem nächsten Etappenziel, ist uns auf Verdacht entgegengefahren. Wir könnten ihn umarmen.

Herbram-Wald ist ein 160-Einwohner-Dorf, das auf dem Gelände eines alten Munitionslagers der Nazis erbaut wurde. Ein Hotel, eine Gaststätte, aber mehr brauchen wir auch nicht. Dem dicken Unwetter sind wir so gerade eben entkommen. Man muß auch mal Glück haben.

Teil 5.

0 Antworten zu “Wanderung Eggeweg, 2. Etappe

  1. Knochenhütte, da fällt mir sofort die Babajaga ein.

    Hm, ich kann mir irgendwie nicht helfen, aber dein Reisebericht macht wenig Lust auf die Gegend. Liegt das nur am Wetter? Hast du nicht zwischendurch mal gedacht, wie schön wär’s jetzt Zuhausse? Gemütlich mit Buch im Bett?

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  2. Nein, das habe ich nie gedacht. Fotos können ein Wandern in so einer Waldlandschaft nicht richtig wiedergeben, die Landschaft verändert sich ständig und man hat immer nur den nächsten Abschnitt vor Augen. Und wenn man dann noch gute Begleitung hat, vergeht die Zeit wie im Fluge. Starker Regen allerdings, und nasse Schuhe, das ist ganz großer Mist.

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  3. Ganz ehrlich – das vergeß ich manchmal, vielleicht, weil ich keine Kinder habe. Aber stimmt, jawohl, wir haben uns ein bißchen Luxus verdient! 😉 Aber wie ich lese, bist Du noch/wieder mit Minizelt und Isomatte unterwegs, Respekt!

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