Stadtleben

Aus den 90ern stammt der Film „Falling Down“, in dem ein eigentlich harmloser Mann auf dem Weg durch die Stadt der Kragen platzt: Mit eskalierender Gewalt reagiert er auf die Ignoranz seiner Umwelt. So erzwingt er z.B. mit schußbereiter Maschinenpistole die Herausgabe eines speziellen Fastfood-Menüs und jagt eine seiner Meinung nach überflüssige Baustelle in die Luft. Der Film ist natürlich übel, weil er tendenziös Verständnis für die Figur suggeriert, aber er fällt mir immer ein, wenn ich selber Groll wegen Dummheit und Rücksichtslosigkeit in der Öffentlichkeit verspüre.

Zum Beispiel, wenn ich in solch einer Straßenbahn sitze: Nicht nur, daß ich 2,60 Euro für eine Fahrt bezahlen muß und dabei noch froh sein kann, einen Sitzplatz zu ergattern, nein, die Voll>:XX von den Verkehrsbetrieben sind dermaßen gierig, daß sie nicht nur die Karosserie, sondern auch noch die Scheiben der Bahnen als Werbefläche vermieten, was es unmöglich macht, nach draußen zu schauen. Was die Scheiben überhaupt sollen, ist mir schleierhaft, da kann man sie doch gleich weglassen!!

Ganz ruhig, ganz ruhig – Fahrad ist gut aufgepumpt? Dann kann ja nichts mehr schiefgehen (… welcher Knallkopf hat da auf dem Radweg geparkt? Na warte …). Aber es können einem graue Haare wachsen!

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0 Antworten zu “Stadtleben

  1. zumindest ist man ja schon froh, wenn die bahn überhaupt fährt. und das fahrradfahren ist in köln ein reiner selbstmordversuch, das sollte also gut überlegt sein.

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  2. Auch gehen die Verträge mit der Reklamewirtschaft wohl leider in die Verlängerung, aufgrund derer an jeder Ecke eine Werbewand von der Fläche einer kleinen Wohnung steht.
    Auf Konzessionen wie diese will man nicht verzichten, weil die Stadt nun einmal pleite ist.

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  3. In Berlin macht es mich wütend, daß man nur wegen der ewigen Zerstörungsgier einiger Teenies nicht mehr aus dem Fenster gucken kann. Wo nicht gescratcht ist, ist eine scratchsichere Scheibe eingebaut.
    Ich glaube, es sagt total viel aus darüber, wie sich das Leben der Gesellschaft auf Abgründe zubewegt. Alles zu zerstören und alles zu Werbetafeln zumachen.
    Großstädte erinnern heute immer mehr an die „Alte Kaiser Stadt“ bei M. Ende.

    „Falling down“, ein krasser Film, aber manchmal denkt man: Jep, kann ich nachvollziehen.

    Wenn ich so was lese, bin ich wieder extrem dankbar für mein Leben hier. Daß ich wegen hoher Maisfelder nicht mehr so weit gucken kann ist doch weitaus harmloser. 😉

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  4. Diese riesigen Werbewände überall – ein weiterer Grund, auszurasten!
    Besonders idiotisch sind sie deshalb, weil das, wofür da geworben wird, ja mit der Zeit mit eher negative Gefühlen verbunden wird, so aufdringlich, wie das ist.

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  5. In Berlin scheint man der Meinung zu sein: „Bevor wir uns die Scheiben von Scratchern kaputt machen lassen, zerstören wir den Ausblick lieber selbst.“ Sehr befremdlich.
    Manchmal komme ich mir vor wie ein Spießer, es gibt nun wirklich genug große Sachen, über die man sich aufregen kann (Hartz IV, dumme Politiker usw.), aber seit einiger Zeit stelle ich eine gewisse Verwahrlosung des ganz allgemeinen zwischenmenschlichen Verhaltens fest: Leute, die rauchend und biertrinkend mitten in der Stadt vor einer Kneipe stehen und nicht das geringste Gefühl dafür haben, daß sie den Fuß- und Radweg komplett für alle anderen Leute blockieren und auch auf Klingeln oder Zuruf nicht reagieren, nur auf Drängeln und persönliche Ansprache. Und das ist keine Ausnahme. Auch schön: Leute, die umständlich mit drei dicken Koffern den Zug verlassen und direkt mit ihrem Pack dort stehen bleiben, um sich zu orientieren, und dabei nicht mitkriegen, daß noch gefühlte tausend andere Leute aus- und einsteigen möchten. Himmel!!

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  6. Spießig: Sich aufregen, daß so viele Langhaarige im Zug sind, die in ihren drei dicken Koffern sowieso entweder Drogen oder linke Hetzblätter mit sich führen.
    Nicht-spießig: Rücksichtnahme und Mit-Menschlichkeit vermissen…

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  7. Adenauer war ja für einen Jokus immer zu haben, heißt es, typisch rheinischer Humor eben. Aber der hatte auch leicht Lachen, da in Rhöndorf. Wahrscheinlich ist er da immer so rumgelaufen.

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  8. auf dem weg zur uni, aus richtung universitätsstrasse kommend, gibt es eine rießenwerbewand an einem haus. wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass gleich daneben, an der gleichen häuserwand, ein schild angebracht ist, auf dem steht, dass man diese fläche nicht für/mit werbung bekleben darf. fand ich irgendwie witzig….

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