Jabachstr., Nachtrag

Als ich vor Ostern die Kirche und Kunststation St. Peter besuchte, waren alle Werke zugehängt; hier nun das Bild von Peter Paul Rubens, die Kreuzigung von Petrus.

Rubens wurde 1577 in Siegen geboren, lebte dann mit seiner Familie die ersten 11 Jahre seines Lebens in Köln und wurde in dieser Kirche getauft. Das Bild wurde im Auftrag der Kölner Kaufmannsfamilie Jabach 1638 für diese Kirche fertiggestellt.

Zum 25. Todestag des amerikanischen Pop-Art-Künstlers Andy Warhol hat sich die Kunststation drei seiner Werke für vier Wochen aus dem Kölner Diözesan-Museum ausgeliehen.

Sieht ganz hübsch aus, finde ich. Neulich sagte jemand in einer Dokumentation über Warhol, er sei der bedeutendste Künstler des 20. Jahrhunderts. Aha. So ein Satz ist natürlich schnell mal dahergelabert. Das kann ich auch: Andy Warhol ist der bedeutendste unbedeutende Künstler des 20. Jahrhunderts: Tief verwurzelt in der Oberflächlichkeit der amerikanischen Konsumkultur, ist die totale Beliebigkeit seiner Werke, die zur Dekoration von fast allem eingesetzt werden können, sehr speziell und von bedeutender Belanglosigkeit.

0 Antworten zu “Jabachstr., Nachtrag

  1. Die Leute vom Kölner Diözesan-Museum haben Humor bewiesen, dieses Werk von Warhol angekauft zu haben. Oder sie haben gedacht, toll, der hat 30 Kreuze gemalt, die müssen wir haben. Aber das gefällt mir allemal besser als die gewaltverliebten Kreuzigungsdarstellungen wie das von Rubens.

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  2. Stimmt, den Rubens würde man sich wahrscheinlich nur wenige in die gute Stube hängen. 😉
    Ich finde die Darstellung ganz großartig: Das ist wirklich nackte Gewalt, die Handlung hat nichts Religiös-erhabenes, Petrus, der erste Papst, der erste Stellvertreter Christi auf Erden, ist kein Halbgott, sondern ein alter Mann in einer elenden Situation. Die christliche Strategie, daß die Gläubigen mit Angst und Schuldgefühlen in Schach gehalten werden sollen angesichts der Schrecken, die den Urchristen passiert sind, ist natürlich ziemlich pervers und zum Kotzen.
    Die Warhol-Bilder erscheinen ein bißchen ironisch, aber ich glaube, darum ging’s ihm gar nicht, er hat nur das gemacht, was er immer schon gemacht hat: Einen Gegenstand aus der Werbebranche, hier das Logo einer sehr alten, weltbekannten Firma, zur Kunst erhoben.

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  3. …aber ich finde es doch bemerkenswert, dass es scheint, man hänge Jesus mit den Füßen nach oben auf…da wird etwas verkehrt oder soll etwas verkehrt betrachtet werden oder verstanden…also, was will und der Künstler damit sagen?
    …sicher nichts Verkehrtes!

    …das Beeindruckende an Warhol ist, wie er es geschafft hat, mit solch multipler Belanglosigkeit derart berühmt zu werden…das kann längst nicht jeder…

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  4. Daran, daß dieser Mensch auf dem Kopf ans Kreuz geschlagen wird, erkennt man, daß es sich hier nicht um Jesus, sondern um Petrus, einen seiner Jünger handelt. Im Heiligenlexikon steht: „Petrus wurde dann auf eigenen Wunsch im Zirkus des Nero – an der Stelle, wo heute der Petersdom steht – ans Kreuz geschlagen: mit dem Kopf nach unten, da er nicht würdig sei, den selben Tod wie Jesus Christus zu sterben.“ Also, diese Märtyrer – immer zu einem Scherz bereit. Der Heilige Laurentius, den man auf einem Rost verbrannt hat, sagte nach einer Zeit, man könne ihn nun wenden, auf der einen Seite sei er nun gar.

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  5. sowieso immer gefährlich, diese absolutheitssätze, abgesehen davon, dass ich darauf beharre, dass kunstbewertungen sowieso IMMER sehr subjektiv sind —- aber mit dem üppigen rubens und a.s bunten kreuzbildchen ist mir dieser ort längst nicht mehr so unheimlich wie zuvor —-

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  6. Ja genau. Und gerade in der Moderne gibt es ja immer wieder Beispiele für Kunst, die nichts bedeuten will außer sie selbst sein. Ich finde sowas ja immer etwas langweilig, mir ist Kunst lieber, die etwas über sich hinaus bedeutet, aber das ist natürlich kein objektiver Maßstab.

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  7. In der letzten Ausgabe der Zeitschrift „Kunstforum“ wird der Künstler Franz Erhard Walther zu seinen Anfängen in den 60ern interviewt:

    F.E.W.: „Deshalb mußte ich mich frei machen von historischen Mustern, sowohl Material und die Technik betreffend, als auch von Inhalten, was damals ungeheuer schwierig war. Ohne Inhalte zu haben, konnte ein Künstler damals gar nicht agieren. Und zu sagen, das Thema oder die Gestalt, das mußt du als Betrachter in der Handlung erst erzeugen, schien eine ziemlich haltlose Behauptung zu sein.“

    KF: „Erst nach ihrem Umzug nach Amerika fanden sie also Geistesverwandte?“

    F.E.W: „Ja, ab 1967 in New York, sind mir ähnliche Konzepte begegnet. Die Bedeutungshuberei, die mich in Deutschland gewürgt hat, die gab es in New York überhaupt nicht. Dort dominierte die Pop Art die Kunstszene, die mich allerdings nicht betraf. All das, was man unter Minimal- oder Konzeptkunst versteht, war gerade erst im Begriff zu entstehen.“

    Zitat Ende. Was ist jetzt das Gegenteil von Bedeutungshuberei? Bedeutungslosigkeit? Das kann ein Künstler doch nicht wirklich wollen. Also, gemeint ist natürlich: „Wir wollen mit dem traditionellen Kunstbegriff nichts mehr zu tun haben, und wenn ihr uns fragt, was wir dann wollen, antworten wir: Nichts. Nur Kunst machen.“ Ich versteh das, diese rebellische Haltung, aber das ist natürlich Blödsinn, denn man kann aus der Geschichte nicht einfach aussteigen, auch nicht aus der Kunstgeschichte. Und bedeutungslose Kunst kann man auch nicht machen, denn versucht man es, produziert man eben diese Bedeutung: Die einer gewollt bedeutungslosen Kunst. Das kann sehr interessante Kunst sein, aber eben auch absolut belanglos, und da bin ich wieder bei Wahrhol: „Kuck mal, ich kann auf eine Kupferplatte pinkeln und das als Kunst verkaufen“, was er ja tatsächlich gemacht hat. Mich bringt sowas zum Gähnen.

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  8. ich finde, solche jeweiligen gegenbewegungen wie die von warhol haben schon erst mal ihre berechtigung, aber das ist ja immer sehr schnell erschöpft, und dann muss es weiter gehen mit etwas anderem, neuen, visionären, belebenden — ich meinte oben natürlich die transzendenz — doch, ich finde schon, kunst sollte über sich selbst hinausweisen

    was few er über die usa schreibt, finde ich interessant, denn zumindest in der literatur findet sich dort in jenen jahren jede menge bedeutung, oft viel mehr als hier, aber nicht so abstrakt und überinterpretiert, sondern viel mehr im alltagsdiskurs eingebettet (und dennoch über sich selbst hinausweisend) —

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