"Letzte Reise" bei Kuckelkorn

Der Rheinische Landesverband hat zur Photokina einen Fotowettbewerb ausgeschrieben: Unter dem Titel „Die letzte Reise“ sollten Fotos rund um Friedhof und Begräbnis eingereicht werden. Ich habe mich u.a. mit obigem Foto beteiligt, das ich „Stairway to heaven“ nannte – und habe nicht gewonnen! Schiebung, Polizei, Staatsanwalt, das kann ja wohl kaum mit rechten Dingen …

Gut, aus 500 Fotos wurden 20 ausgewählt, unter denen nicht ein schlechtes ist, einige sind hochprofessionell, und alle haben etwas Besonderes. Naaaa guuuut …

Die Ausstellungseröffnung war sinnigerweise im Begräbnishaus Kuckelkorn, wo man die Bilder die nächsten zwei Wochen betrachten kann. Es gab Sekt, O-Saft, Salzstangen und Reden. Die Dame vom Rheinischen Landesverband glaubte an der hohen Wettbewerbsbeteiligung ablesen zu können, daß sich in der Gesellschaft ein Wandel zum Tod abzeichne, der erfreulicherweise immer mehr enttabuisiert werde. Das wage ich zu bezweifeln: Die hohe Beteiligung an einem Fotowettbewerb liegt an der durch die Digitalfotografie begünstigten Zunahme an Hobby-Fotografen, mehr nicht. Das Thema spielt dabei kaum eine Rolle, vermute ich.

Normalerweise herrscht hier andächtige Stille. Man hätte vielleicht den ein oder anderen Sarg stehen lassen sollen, probeliegen, wo man schon mal da ist. Aber das verstößt vermutlich gegen die allgemein gültige Pietät. Soviel zum Wandel.

0 Antworten zu “"Letzte Reise" bei Kuckelkorn

  1. So ein Arbeitstag kann auch ganz schön lang sein, eine gefühlte Ewigkeit, besonders freitags, aber nichts im Vergleich zur Post-mortem-Zeit. „Die Ewigkeit dauert lange, besonders gegen Ende.“, sagt Woody Allen. Und wenn man dann noch hart liegt …

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  2. „Die Dame vom Rheinischen Landesverband glaubte an der hohen Wettbewerbsbeteiligung ablesen zu können, daß sich in der Gesellschaft ein Wandel zum Tod abzeichne, der erfreulicherweise immer mehr enttabuisiert werde.“

    Hat sie das wirklich gesagt? Ich lach mich schief. Ich glaube auch, dass die postmoderne Gesellschaft vom Todeswunsch beseelt ist. Übrigens traf ich einmal in einer Kneipe im Kölner Severinsviertel einen Mann, der hatte mit seinen Freunden einen Begräbnisverein gegründet. Sie hatten festgestellt, dass es ihnen an Anlässen mangelt wie Hochzeiten und Kindstaufen, weil sie dem Alter entrückt sind. Jetzt fahren sie mit dem Begräbnisverein rum und besichtigen Friedhöfe oder Krematorien.

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  3. Super! Wären mir Vereine nicht grundsätzlich zuwider, ich würde glatt eintreten. Da trifft man sich aus einem guten Grund, hat Proviant und den Friedhofsatlas in der Tasche, und wenn alles besichtigt ist, kehrt man irgendwo nett ein, ißt Schweinshaxe oder Erbsensuppe und hat Spaß mit seinen Freunden.

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  4. …also ich fand Dein Foto schön…wegen dem Blau…wenn es so auf der anderen Seite aussieht, gehe ich gerne…

    da wäre ein Sarg doch ganz passend gewesen, man hätte die Verantstaltung ja gleich mit einem Begräbnis verbinden können, vielleicht mit dem eines Fotografen…oder wäre es als geschmacklos empfunden worden?

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  5. Mit einem Begräbnis? :)) Wahrscheinlich zu pietätslos. Außerdem, wo kriegt man so schnell einen toten Fotografen her? Nachher kommt da noch jemand auf komische Ideen.
    Aber man hätte vielleicht ein Begräbnis als ersten Preis ausloben können, daß also für den Fall des eigenen Versterbens gleich schon alles geregelt ist, ein all-inclusive-Paket für die letzte Reise. Gut, andererseits kann’s einem auch egal sein, was dann passiert, tot ist tot.

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