On Tour (4)

Die Jugendpflege von Petershagen hat auch schon bessere Zeiten gesehen (aber vielleicht ist da niemand zu pflegen?).

Aber Jugend wird gelockt: An der Tür der mächtigen Kirche fanden wir folgendes Schild:

Würde mich ja interessieren, was man da ersteigern kann: Der Supersegen geht in letzter Sekunde an Videbitis und die Kollekte wird über PayPal bezahlt – gut, da liegt es sicher, und wenn nix passiert, kriege ich das Geld zurück. Gern würde ich allerding wissen, wie sich der Pfarrer da herausredet.

Vorbei an kitschig-antikisierender Deko im Schloßpark …

… geht es zum mittelalterlichen Schloß, das heute Restaurant und Hotel beherbergt.

Hm … auch hier kaum ein Mensch zu sehen. Eine Magd Servicekraft, die vorbei eilt, spricht von geschlossener Gesellschaft.

Kann man das glauben? Der Verdacht verdichtet sich: Der ganze Ort ist eine Inszenierung für uns, in Wirklichkeit lebt hier niemand …

… oder Dornröschen hat sich gerade in den Finger gestochen. Das wird es sein! – auch die Störche am Ortsausgang sind mitten in der Bewegung erstarrt.

Fortsetzung folgt

On Tour (3)

Samstag Abend auf dem Dorf – gut, auch als Großstädter kann man das aushalten, endlich mal Stille … aber man kann ja wenigstens mal ein Auge riskieren, was woanders los ist. Wo geht die Jugend hin, wenn sie feiern will? Windheim ist ein Stadtteil von Petershagen, aber das ist nicht so wie in einer Großstadt, wo ein Viertel ans nächste grenzt, sondern man muß motorisiert sein und einige Kilometer fahren, um ins „Zentrum“ zu gelangen, wo vermutlich das pralle Leben brummt. Und hier ist es: Petershagen!

Eine Geisterstadt. Meine Begleiterin, eine geborene Kölnerin, sagte, sie habe noch nie einen ausgestorbeneren Ort gesehen, und vermutete, wenn man in die Häuser hineinginge, würde man wahrscheinlich auch niemanden treffen. Das folgende Foto ist symptomatisch:

Damit die Straßen nicht ganz so leer sind, hat man sich zu helfen gewußt:

Eine Attraktion fanden wir am Wegesrand:

Fortsetzung folgt

On Tour (2)

300 km von Köln entfern liegt der kleine Ort, das lohnt sich kaum für einen Tag (selbst zwei sind viel zu wenig). Also übernachteten wir in diesem schönen Haus, einer Museumswerkstatt, wo auch Zimmer vermietet werden …

… in dem wir Anfangs mit vor Staunen offenen Mündern standen: So fürstlich waren wir schon lange nicht mehr untergebracht!

Falls wir nichts übersehen haben, gibt es in Windheim zwei Lokale, die mehr Speisen als Kuchen anbieten (der selbstgebackene im Museumscafé ist übrigens ausgezeichnet): Ein Weinlokal mit gutbürgerlichen Speisen und ein Bistro mit Imbißessen und Biergarten, wo einheimisches Bier ausgeschenkt wird – also nichts wie hin!

Der Biergarten ist hier wirklich noch ein Garten, in der Mitte steht ein Apfelbaum. Rund um einen Stehtisch „schnacken“ ein paar Einwohner bei einem Feierabendbier und verhandeln gemütlich die Geschicke der Welt (das geht vom Cro-Magnon-Menschen über die „unmögliche“ Schill-Partei hin zu Jackos Tod), während wir zu unserer Überraschung einen ganz ausgezeichneten Flammkuchen serviert bekommen (der Wirt hat uns gebeten, wir sollen das weiterempfehlen, wenn es uns geschmeckt hat: Leute, geht da hin, wirklich lecker und recht günstig, auch der mit Speck schmeckt super).

Kurz vorm Zubettgehen noch ein Blick aus dem Fenster: Da! – ist endlich einer.

Die beiden junge Störche haben es leider nicht geschafft und sind gestorben, erzählte unser Gastgeber, weshalb die Elterntiere keinen Grund haben, tagsüber nach Hause zu kommen. Aber wenn es dunkel wird, kommen sie und klappern sich zur Begrüßung an (oder waren vielleicht wir gemeint?)

Jedenfalls war es ein vergnüglicher, aber auch anstrengender Tag – gute Nacht.

Fortsetzung folgt.

On Tour (1)

Eine Freundin und ich hatten am Wochenende ausnahmsweise ein Auto zur Verfügung, also zögerten wir nicht lang und fuhren nach Windheim, um das hier zu sehen:

Na ja, jedenfalls fast, denn in dem Horst fehlen die Vögel, Störche, um genauer zu sein. Windheim liegt an der Weser westlich von Hannover (tatsächlich gehört es noch zu NRW), ein kleines Dorf in einem Gebiet, in dem es von Storchenhorsten nur so wimmelt, und das wir deshalb per Internet ausgesucht haben, weil es hier ein Storchenmuseum gibt.

Das kleine Museum in der ersten Etage eines umgebauten Bauernhauses ist sehr liebevoll eingerichtet, hier findet man alles, was irgendwie mit Störchen zu tun hat, und sogleich nimmt einen ein Führer unter seine Fittiche und verschenkt gleichermaßen großzügig kleine Täfelchen Schokolade und interessante Informationen:

So ein Horst kann mehrere Tonnen schwer werden, denn Störche sind nesttreu, bauen aber immer wieder an, so daß der Horst von Jahr zu Jahr schwerer wird.
Neben Schautafeln und Infos über alles Storchenmögliche gibt es auch Kurioses, z.B. kleine Scheren:

Und auch Kalif Storch darf natürlich nicht fehlen:

Fortsetzung folgt

Berrenrather Str.

Und was, bitte, ist das? Eine Skulptur? Ein Gebäude? Gut geraten – es ist beides: Eine Kirche, in den 60ern des letzten Jahrhunderts entworfen vom Bildhauer Josef Rikus. Der Stil ist angelehnt am Betonstil der damaligen Zeit und sollte durch das Material mit den Neubauten der nahen Universität korrespondieren, denn die „Kirche Johannes XXIII.“ gehört zur katholischen Hochschulgemeinde.

Das verschachtelte Gebäude erinnerst an den frühen Kubismus 50 Jahre zuvor und wirkt deplaziert zwischen all den Zweckbauten, jedesmal wenn ich daran vorbeifahre, denke ich: Oh Gott! – und vielleicht ist ja genau das beabsichtigt. Schön finde ich es nicht, aber interessant.

Im Netz habe ich folgendes Zitat gefunden vom damaligen Hochschulpfarrer und Professor Wilhelm Nyssen: „Bau als Zeichen der Andersheit gegenüber den alltäglichen Lebensvorgängen ist zugleich Zeichen der Zwecklosigkeit des reinen Spiels. Dieser Gedanke alarmiert die Künste und läßt sie bis zum Äußersten an Strenge und Eindeutigkeit, eben an Umsetzung ins Zeichen gewinnen. Aber „Ort der Andersheit“ bezeichnet keinen willkürlichen Akt des Menschen, etwa einen vom Alltag reservierten Bau, der nur für Gebete und geistliche Konzerte bestimmt ist. Ort der Andersheit heißt Ort, an dem die Feier der Mysterien, der Auftrag Jesu vollzogen wird, durch dessen Erfüllung sich erst Kirche in allem Wandel der Verhältnisse konstituiert.“ Mit anderen Worten: Mir gefällt’s auch nicht, aber egal, Hauptsache Jesus und das ganze Pipapo.

Im Park am Decksteiner Weiher

Manchmal ist es schon so warm, da schleppt man sich mühsam in den Schatten und läßt sich schlapp fallen, alle Viere von sich gestreckt. Aber kaum will man sich daran gewöhnen, die Jacke bleibt schon mal zu Haus: Wolken! Auch schön, aber wie wär’s, wenn die mal Urlaub machen? Meinetwegen können sie in den Süden fliegen …

Zollstockhöfe

„Rad- und Mopedfahrer frei“ – aha, wie gut, daß ich zu Fuß bin, denn daß hier Mopeds hineingefahren sind, ist sicher schon lange her.

Und auch Fahrradfahrer hätten besser einen anderen Weg genommen, denn am anderen Ende des völlig vollgemüllten Weges kommt man hier heraus:

In einem Garten der neu gebauten Zollstockhöfe, eine große Neubausiedlung mit Eigentumswohnungen.

Dreizimmerwohnungen zwischen 82 und 91 qm, ich vermute, sie kosten um 200.000 Euro. Größtenteils sind sie bereits verkauft, aber würde ich hier wirklich wohnen wollen? Hm – ich weiß nicht … eher nicht. Immerhin: Die Autos sind unterirdisch untergebracht, und in der Balkongestaltung ist man völlig frei.

Rathenauplatz

Wenn man richtig Durst hat, nach Feierabend sich im zentralen Park trifft, um die letzten Sonnenstrahlen zu genießen – dann schmeckt sogar Kölsch. Wieso man das hiesige Bier allerdings in übergroßen Reagenzgläsern serviert, ist mir schleierhaft – aber dann auch egal. Prost!

Sommerabend

Sommerabend

Faltenlos sind alle Dinge,
Wie vergessen, leicht und matt.
Heilighoch spült grüner Himmel
Stille Wasser an die Stadt.

Fensterschuster leuchten gläsern.
Bäckerläden warten leer.
Straßenmenschen schreiten staunend
Hinter einem Wunder her.

… Rennt ein kupferroter Kobold
Dächerwärts hinauf, hinab.
Kleine Mädchen fallen schluchzend
Von Laternenstöcken ab.

Alfred Lichtenstein (1889–1915)

Richartzstr.

479,- Euro für ein Unikat von Coco de Bale, ca. 30 cm hoch – warum nicht, wer’s mag … Irritiert hat mich allerdings der Titel des Kunstwerks: „Ballerina“. Der Tänzerin, die da Modell gestanden hat, würde ich in keinem „Pas de deux“ begegnen wollen.