Südbahnhof

Sieh an, die Graffiti-Künstler werden auch immer origineller, dachte ich, als ich an diesem kleinen Werk vorbeikam: Eine Kachel, im öffentlichen Raum an die Wand geklebt. Bei genauerem Hinsehen sah ich allerdings einen kleinen Zettel, der neben der Kachel hing, auf dem stand: „Blauer Sommer, 2007, Sifore, Acryl auf Kachel (20×25 cm), Bahnhof Süd Serie Part 6, Galerie Bahnhof Süd, 500 Euro €“. Tja, irgendwie muß jeder mal zu Geld kommen. Wenn sich jemand findet, der sich damit das Badezimmer neu kacheln läßt: Herzlichen Glückwunsch! Ich bin das jedenfalls nicht.

Ulrepforte

Die Ulrepforte ist ein weiterer erhaltener Teil der mittelalterlichen Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert. Da das Tor verkehrstechnisch keinen Wert hatte (feldwärts gab es keine Straße), wurde es bereits im 15. Jahrhundert völlig dicht gemacht, der Turm wurde zu einer Mühle umgebaut. Überhaupt muß hier wenig los gewesen sein, denn nur hier durften die Ulner (=Töpfer) ihrem feuergefährlichen Handwerk nachgehen. Heute beherbergt das Gebäude die Karnevalsgemeinschaft „Rote Funken“.

Die „Roten Funken“, so wurden tatsächlich die Stadtsoldaten genannt, die in roter Uniformjacke mit weißer Hose ihren schlechtbesoldeten Dienst versahen. Sie waren in der Bevölkerung nicht besonders gut angesehen, weshalb man davon ausgehen muß, daß ihre Mitglieder keine großen Leuchten waren. So erzählt man sich z.B. folgende Geschichte: Als die Franzosen unter Napoleon 1794 die Stadt einnehmen wollte und vor der Mauer standen, wurde natürlich auch geschossen. Das erzürnte einen der Stadtsoldaten so sehr, daß er beherzt aufsprang, den französischen Soldaten entgegenlief und laut rief: „Hüürt op ze scheete! Seht Ehr nit, dat he Lück stonn?“ (Hört auf zu schießen! Seht Ihr nicht, dass hier Leute stehen?).
Die Stadt wurde dann auch ohne großen Widerstand den Franzosen übergeben, 1804 eilten die Kölner dem anreisenden Napoleon (der die Stadt plündern ließ wie vor ihm keiner) entgegen, um sein Kutsche ehrenvoll mit bloßen Händen in die Stadt zu ziehen.

Roncalliplatz

Ich muß gestehen, es fällt mir schwer, nach dem Motivüberfluß in meinem Urlaub jetzt fotografisch wieder kleine Köln-Brötchen zu backen, ich muß mich erst langsam wieder einfinden – wie z.B. heißt nochmal diese Riesenkirche mitten in der Stadt? Jedenfalls sehen die bunten Fahnen daran hübsch aus, solange sie nicht immer da bleiben.

Auf dem Roncalliplatz lebt man gefährlich, er gehört zu Kölns beliebtesten Skaterplatzen – irre, was die für Kunststücke können, aber man muß aufpassen, ihnen nicht in die Quere zu kommen.

Die hätte mich fast erwischt, mit knapper Not konnte ich entkommen.