Ein welkes Blatt
Ein welkes Blatt – und jedermann weiß: Herbst.
Fröstelnd klirren die Fenster zur Nacht.
O grüne Welt, wie grell du dich verfärbst!
Schon raschelt der Winter im Laube.
Und die Vögel haben, husch, sich aus dem Staube
gemacht.
Wie letzte Früchte fielen ihre Lieder vom Baum.
Nun haust der Wind in den Zweigen.
Die Alten im Park, sie neigen
das Haupt noch tiefer. Und auch die Liebenden
schweigen.
Bald sind alle Boote im Hafen.
Die Schwäne am Weiher schlafen
im Nebellicht.
Sommer – entflogener Traum!
Und Frühling – welch sagenhaft fernes Gerücht!
Ein welkes Blatt treibt still im weiten Raum,
und alle wissen: Herbst.
Mascha Kaléko (1912 – 1975)
Ich lache gerade unpassend! :)) Aber es ist doch interessant zu beobachten, wie bei Frühjahr- und Herbstbildern so gerne in Lyrik gekramt wird. Da werden die wildesten Pferde plötzlich sentimental. Keiner sucht bei 40 Grad im Schatten und Schweißflecken bis zur Taille nach passenden Gedichten. :))
Schöne Bilder!
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Klasse Bilder… und ein schönes Gedicht.
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Danke für den Hengst :>>, Du weißt ja: Die Harten sind in Wirklichkeit die Zarten.
Frühjahr und Herbst eignen sich als Lebensmetaphern natürlich viel besser als Winter und Sommer: Werden und Vergehen, der Puls des Daseins, das Atmen der Natur mit einem Hauch von Ewigkeit in der immerwährenden Wiederkehr des Gleichen. Ich mag’s bei Gedichten gern unsentimental, und die Kaléko hält den Ton ganz gut. Benn mag ich auch, aber das Gedicht hätte nicht so recht zu den Bildern gepaßt:
Kleine Aster
Ein ersoffener Bierfahrer wurde auf den Tisch gestemmt.
Irgendeiner hatte ihm eine dunkelhellila Aster
zwischen die Zähne geklemmt.
Als ich von der Brust aus
unter der Haut
mit einem langen Messer
Zunge und Gaumen herausschnitt,
muß ich sie angestoßen haben, denn sie glitt
in das nebenliegende Gehirn.
Ich packte sie ihm in die Brusthöhle
zwischen die Holzwolle,
als man zunähte.
Trinke dich satt in deiner Vase!
Ruhe sanft,
kleine Aster!
Gottfried Benn (1912)
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Danke!
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Gütiger Gott! Hat der auch Geld mit diesen Gedichten verdient?
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aber heutzutage bleiben die meisten Vögel hier 🙂
wunderschön 🙂 (Bild und Gedicht)
liebe Grüsse
Karen
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Es war zunächst ein Skandalerfolg, wurde aber später, soviel ich weiß, zu einem seiner bekanntesten Gedichte.
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Ja, das stimmt, viele Sittiche bevölkern auch im Winter die Kölner Parks. Aber die Störche fliegen noch, oder?
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ja ich glaub und auch die Kraniche 🙂
liebe Grüsse
Karen
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