Neusser Str./Ring

Wenn in Köln die Plastikbecher fallen, ist Herbst, und die Kollegen vom Abfallwirtschaftsbetrieb legen selbst am Sonntag Sonderschichten ein.

Gestern war Kölnmarathon, wie jedes Jahr Anfang Oktober. Das zauberte uns ein Lächeln ins Gesicht, da braucht es eigentlich keine Aufforderung, denn die Stadt ist für Autos zum größten Teil lahmgelegt.

Einheitstr.

Wirklich wahr, es ist der reine Zufall, daß wir gestern im „Einheit 15“ landeten: Im „Rosenrot“ gleich um die Ecke gab es erst ab 18 Uhr Essen, solange wollten wir nicht warten. Hier ist es auch sehr nett, sehr verwinkelt und größer, als man zuerst glaubt. Das Essen ist prima: Es gibt relativ kleine Gerichte zu genau so kleinen Preisen, man kann sie also gut miteinander kombinieren, z.B. Ofengemüse mit Ziegenkäse überbacken, Datteln im Speckmantel, Salate, Falafel usw. für jeweils 4 bis 5 Euro, bestellt man drei, hat man eine volle Mahlzeit. Aber man kann auch Wiener Schnitzel mit Fritten bekommen, oder Flammkuchen in verschiedenen Variationen. Besonders gut gefällt mir, daß alles frisch gemacht ist, kein Tiefkühlessen. Auch der Kuchen, den man uns ans Herz legte, war am selben Tag frisch gebacken. Ja, so muß das sein.
Einen Wermutstropfen möchte ich nicht verschweigen: Der Durchgang zur Küche ist offen, und das riecht man nach dem Verlassen der gastlichen Stätte leider an seinen Kleidern.

Turmstr.

Schön, wenn ich auf meinen Streifzügen etwas Gutes entdecke, was ich bisher noch nicht kannte. „Och, das gibt’s schon länger“, sagt meine Begleiterin, und mein Kollege erzählt, daß er schon oft daran vorbeigelaufen ist. So – und wieso sagt mir das keiner? Macht nichts – sehr nett da, schöne Atmosphäre, und das Essen ist gut und günstig. Das „Rosenrot“ liegt zwar nicht in meinem Viertel, aber Nippes überhaupt ist ein freundlicher Stadtteil, durch den ich gern spaziere, deshalb war ich bestimmt nicht zum letzten Mal da.

Ein Wort

Ein Wort

Ein Wort, ein Satz -: aus Chiffren steigen
erkanntes Leben, jäher Sinn,
die Sonne steht, die Sphären schweigen,
und alles ballt sich zu ihm hin.

Ein Wort – ein Glanz, ein Flug, ein Feuer,
ein Flammenwurf, ein Sternenstrich –
und wieder Dunkel, ungeheuer,
im leeren Raum um Welt und Ich.

Gottfried Benn (1886-1956)

Xantener Str.

Manchmal soll man ja die Wirklichkeit besser erkennen, wenn man sie durch einen Spiegel anschaut, das habe ich jedenfalls mal gehört. Links ist nicht viel los, alles grau, ziemlich trostlos, und die Leitlinie eiert. Rechts steht alles in den Startlöchern, an der Spitze fährt schon jemand los. Aber ob links, ob rechts: Die Fluchtwege sind noch frei.

Engeln in der Cranachstr.

Als ich das erste mal das Wort Analogkäse hörte, dachte ich entsprechend der verschiedenen Tonträger, die es gibt, also Schallplatten (analog) und CDs (digital): Sieh an, jetzt gibt es schon digitalen Käse, und fragte mich, ob der auch aus Nullen und Einsen besteht, und falls ja, wie er dann satt macht. Aber weit gefehlt: Analogkäse ist ein Kunstkäse (digitalen Käse gibt es im Internet zwar auch zuhauf, aber eher im bildlichen Sinne). Und nun habe ich neulich einen Bericht im TV gesehen, daß immer mehr Anbieter von Speiseeis dieses aus reiner Profitgier nicht mehr mit Milch, sondern mit Pflanzenfett herstellen – man leckt also unter Umständen an dünner gekühlter Margarine mit Vanillezuckergeschmack, pfui deibel!

Das Eis von der Konditorei Engeln ist garantiert pflanzenfettfrei. Die Herstellungstradition reicht schon drei Generation zurück. Jedes Eis ist sogar ein „Unikat“, d.h., es wird nicht etwa eine Grundmasse angerührt, in die dann jeweilig künstliche Geschmacksnoten zugegeben werden, nein, jede Eissorte wird einzeln mit natürlichen Produkten hergestellt. Verglichen mit dem Analog-Dreck fühlt man sich als Kunde geradezu geehrt und geadelt.

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