Diese Musik- und Bild-Collage machte ich ganz zu Anfang meines Blogs, einerseits, um Bilder des Stadions zu dokumentieren, andererseits, um zu zeigen, daß die eigentlichen sakralen Bauwerke der Gegenwart nicht mehr Kirchen sind, die ja unter einem ständig zunehmendem Besucherschwund zu leiden haben, sondern, überspitzt gesagt, Großarenen, in denen nur einer Sportart gehuldigt wird, dem Fußball. Die oft zig-tausendköpfige Gemeinde pilgert, angetan mit speziellen Schals, Fahnen und anderen quasireligiösen Emblemen und nicht selten unter Einfluß berauschender Substanzen, an bestimmten Tagen zum Ort der Verehrung, dort werden gemeinsame Rituale und Gesänge zelebriert, bis man sich geläutert (oder auch nicht) wieder auf den Heimweg macht, wobei man sich schon auf die nächste Zeremonie freut. Nüchtern betrachtet wirken die Großarenen nicht nur – wegen ihrer Architektur – großartig, sondern auch – und auch damit durchaus vergleichbar mit den althergebrachten Kathedralen – einschüchternd und größenwahnsinnig: Wieviel Energie aufgebracht wurde für ein Gebäude dieser monumentalen Größe, das meistens leer steht, und für einen Anlaß, der der Vernunft so fern ist wie die Bundesliga dem Gesundheitssport!
Die Gleichsetzung Großarena / Kathedrale ist natürlich eine satirische Übertreibung – dachte ich bis zum letzten Wochenende. Da wurde für einen mir bisher unbekannten Sportler, den seine Krankheit und das Unvermögen der Leistungsesellschaft, damit umzugehen, in den Tod getrieben hat, in einem Stadion vor 40.000 Menschen eine Begräbnisfeier abgehalten, fünf Fernsehstationen berichteten live. Daß man nun plant, die großen Barockaltäre aus den Kirchen zu holen, um sie in Stadien wieder aufzustellen, halte ich allerdings für ein Gerücht.
