Stadion

Diese Musik- und Bild-Collage machte ich ganz zu Anfang meines Blogs, einerseits, um Bilder des Stadions zu dokumentieren, andererseits, um zu zeigen, daß die eigentlichen sakralen Bauwerke der Gegenwart nicht mehr Kirchen sind, die ja unter einem ständig zunehmendem Besucherschwund zu leiden haben, sondern, überspitzt gesagt, Großarenen, in denen nur einer Sportart gehuldigt wird, dem Fußball. Die oft zig-tausendköpfige Gemeinde pilgert, angetan mit speziellen Schals, Fahnen und anderen quasireligiösen Emblemen und nicht selten unter Einfluß berauschender Substanzen, an bestimmten Tagen zum Ort der Verehrung, dort werden gemeinsame Rituale und Gesänge zelebriert, bis man sich geläutert (oder auch nicht) wieder auf den Heimweg macht, wobei man sich schon auf die nächste Zeremonie freut. Nüchtern betrachtet wirken die Großarenen nicht nur – wegen ihrer Architektur – großartig, sondern auch – und auch damit durchaus vergleichbar mit den althergebrachten Kathedralen – einschüchternd und größenwahnsinnig: Wieviel Energie aufgebracht wurde für ein Gebäude dieser monumentalen Größe, das meistens leer steht, und für einen Anlaß, der der Vernunft so fern ist wie die Bundesliga dem Gesundheitssport!

Die Gleichsetzung Großarena / Kathedrale ist natürlich eine satirische Übertreibung – dachte ich bis zum letzten Wochenende. Da wurde für einen mir bisher unbekannten Sportler, den seine Krankheit und das Unvermögen der Leistungsesellschaft, damit umzugehen, in den Tod getrieben hat, in einem Stadion vor 40.000 Menschen eine Begräbnisfeier abgehalten, fünf Fernsehstationen berichteten live. Daß man nun plant, die großen Barockaltäre aus den Kirchen zu holen, um sie in Stadien wieder aufzustellen, halte ich allerdings für ein Gerücht.

Mensa an der Sporthochschule

Semesterferien – die Stadt ist spürbar leerer geworden, obwohl wahrscheinlich nicht alle Studenten in die Karibik geflogen sind, viele müssen auch arbeiten, immerhin müssen sie pro Semester 500 Euro berappen. Wie man hört, haben sich die Studienbedingungen nicht besonders gebessert – schön, die Bibliothek hat neue Computer bekommen, hier und da ist die Ausstattung nicht mehr ganz so marode wie vorher, aber worauf es wirklich ankommt, ist nichts in Sicht: Mehr Dozenten, bessere Betreuung, kleinere Seminare.

Am Sportpark Müngersdorf

Wie jedes Jahr nehmen sich auch diesmal viele Leute vor abzunehmen. Diäten, das ist doch eine Quälerei, die krankhafte Züge annehmen kann und im Extremfall auch gar nicht gut aussieht (s.o.). Die beste Methode, schlanker und nebenbei auch fitter zu werden, ist Bewegung und halbwegs ausgewogenes Essen: Regelmäßig Spazierengehen hilft schon, besser ist natürlich Walken oder Joggen, Fahrradfahren schont außerdem die Umwelt. Fleisch auf höchstens einmal die Woche zu reduzieren ist gar nicht schwer, der Genuß dabei ist umso größer, und mit dem Alkohol verhält es sich genau so. Ja.

(PS: Wer’s noch nicht gemerkt hat: Das ist so eine Art Selbstbeschwörung …)

Aachener Str. (Müngersdorf)

Mehr Winter als hier ist nicht in der Stadt. Prima, daß die Sonnenwende nun stattgefunden hat, die nächsten drei Tage werden wir sie ausgiebig feiern – und optimistisch angesichts der täglichen Verlängerung des Sonnenlichteinfalls der Biergartensaison entgegensehen. Holt schon mal den Grill aus dem Keller.

Carl-Diem-Weg

In Bibliotheken sollte man sich benehmen können, aber besonders das Handy-Verbot ist natürlich ein sinnloses Unterfangen. Diese Dinger sind wirklich eine wahre Pest, da sitzt man über seiner Lektüre und will sich konzentrieren – klingelt in voller Lautstärke so ein blödes Teil. Was heißt klingelt – unter Umständen muß man sich kleine Symphonieorchester anhören, die den Wiener Walzer spielen. Und was für dringende, lebenswichtige und geistreiche Gespräche werden dann geführt? „Ich bin grad in der Bibliothek …jagut … bis gleich.“ – und macht sich auf zur Mensa. Es ist zum Kotzen.

Aachener Str., Höhe Stadion

Ein neuer Lokus neues Lokal an der Haltestelle Stadion – nach Fußballspielen brummt hier sicher der Bär, in der übrigen Zeit hält es sich in Grenzen, was vermutlich an den Speisen liegt: Z.B. dünne Rindfleischfrikadellen mit einer Scheibe Gewürzgurke und etwas Ketchup in einem laberigen Brötchen, in verschiedenen Variationen und Größen, dazu Pommes und Cola. Diese Filiale einer amerikanischen Imbißkette ist zweistöckig, der Stil erinnert an 70er-Jahre-Design: Eierschalenfarbene Tische, die Sitzmöbel mit dunkelbraunem Kunstleder bespannt, ein wenig Orange hier und da. An der Wand ein elektronisches Textlaufband, von dem man darüber aufgeklärt wird, wie gut und sauber die Bestandteile der Gerichte sind, an anderer Stelle kurze Texte, wie man sich bewußt und gesund ernährt, die optimale Relation von Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten wird erklärt. Der Hinweis, das „Restaurant“ deshalb schnellstens zu verlassen, fehlt.

Foyer der Deutschen Sporthochschule, Carl-Diem-Weg

Daten und Superlative: 1947 Aufnahme des Lehrbetriebs. 1963 Bezug der neuen Hochschulgebäude, 1970 Anerkennung als vollwertige Sportuniversität, die einzige in Deutschland, und gemessen an der Zahl der Institute, der Wissenschaftsdisziplinen und der Studenten, weltweit die größte. Die Hochschulbibliothek ist die mit den meisten sportwissenschaftlichen Medieneinheiten, ebenfalls weltweit. Das Mensa-Essen ist das schlechteste Essen, das man sich überhaupt nur vorstellen kann.