Nachdem Ende der 80er Jahre die abschnittsweise mit unterschiedlichen Namen bezeichnete Ringstraße um die Innenstadt zum Teil für die U-Bahn untertunnelt worden war, konnte man sich an die Neugestaltung der Oberfläche machen: Vierspurige Straßen hielt man für Bürgerwunsch, den man auch verwirklichte, erst in letzter Zeit denkt man ernsthaft über einen teilweisen Rückbau auf zwei Spuren nach. Der Abschnitt Kaiser-Wilhelm-Ring jedoch war breit genug, um zusätzlich eine große Brunnenanlage mit Blumenrabatten anzulegen, meiner Meinung nach genau so eine Fehlplanung wie die Straßen. Kleine Zäunchen sagen: Betreten verboten! Die abgezirkelten Blumenrabatte signalisieren „ORDNUNG!“, die ganze Anlage wirkt relativ leblos. Ein paar Bänke stehen an den Wegen, die ab und zu auch besetzt sind, aber selbst für die Penner hat der Platz zu wenig Atmosphäre. Schade.
Schlagwort: Köln
Zülpicher Str. / Auerbachplatz
Eine Stunde vor Anpfiff des Halbfinales wurde die Straße gesperrt. Sie gehört nicht zur Fanzone, hier ist auch kein Außen-Public-Viewing, sondern nur eine hohe Kneipendichte. Besonders bitter ist die Störung der Straßenverkehrsordnung für all die Berufspendler, die noch nach Hause wollen, denn normalerweise fährt hier eine Straßenbahn durch. Die Polizei ist natürlich sofort eingeschritten, schwerer Landfriedensbruch, Störung der öffentlichen Ordnung sind die Anklagepunkte gegen ca. 250 mutmaßliche Gesetzesbrecher … nein, nein, wieder einmal hat sich die normative Kraft des Faktischen durchgesetzt, die Polizei sorgt für den reibungslosen Ablauf der geduldeten Gesetzlosigkeiten.
Das Balthasar ist ein klein wenig schickimicki, die Gerichte gut, aber übersichtlich auf dem Teller, dafür etwas teurer. Das ebenfalls übersichtliche Publikum gehört nicht gerade zu den Gröl-Fans, was mir entgegenkommt, allerdings ist es permanent am Quatschen, so das man den Kommentator nicht versteht (nicht daß das ein soo großer Verlust wäre …), in der Halbzeit sind wir nach Hause gegangen.
Neumarkt
Der Zirkus ist in der Stadt: Roncalli ist der einzige Zirkus, der sein Zelt auf dem zentralsten Platz der Stadt aufstellen darf. Andere haben es auch versucht, allerdings sind die Anträge unter fadenscheinigen Begründungen abgelehnt worden, die Antragssteller mußten auf unattraktive Stadtrandlagen ausweichen, was faktisch ein Monopol für Roncalli bedeutet, für andere Veranstalter lohnt es sich einfach nicht. Und so kommt es, daß Roncalli mindests einmal im Jahr in der Stadt ist, in diesem Winter sind sie sogar für die Köln-Arena angesagt.
Die Karten (im Zelt) kosten zwischen 17 und 50 Euro.
Bahnhofsvorplatz
Im Gebäudekomplex gegenüber dem Hauptbahnhof hat ein neues Brauhaus aufgemacht – ein neues Brauhaus? Mitten in der Stadt? Das ist natürlich ein Fake: Man muß wohl besser sagen: Ein Restaurant im Stil einer Brauhauskneipe: Groß und hoch wie eine Halle, mit langen Tischreihen und vielen Sitzplätzen, auf der Speisekarte steht die übliche regionale Hausmannskost: Himmel un Ääd (Blutwurst mit Apfelkompott und Kartoffelmuß – bäh!), Haxen mit Sauerkraut und für den kleinen Hunger Halve Hahn (Roggenbrötchen mit einer dicken Scheibe Goudakäse). Alte kupferne Braukessel stehen als Zierde in einer Ecke, damit man weiß, wo man ist. Am Nebentisch wollte jemand ein gemischtes Bier, also mit Cola oder Sprudel haben – gibt’s nicht, „Biermischgetränke schenken wir nicht aus“, hieß es süffisant. Überall ist der Kunde König, im kölschen Brauhaus allerdings traditionell ein Bittsteller.
Und treffen sich zwei Ur-Kölner, kann das Gespräch so ablaufen, wie es Konrad Beikircher hier vorführt und analysiert (ich hoffe, der Wunsch nach Beispielen des kölschen Dialekts ist dadurch erfüllt):
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Die weiße Massai op Kölsch – Der Film
Poll ist ein Stadtteil Kölns auf der „Schäl Sick“, womit abfällig das Rechtsrheinische gemeint ist, auf das man als echter Kölner nur mit Abneigung hinabschaut. Die alteingesessenen rechtsrheinischen Bürger reagieren darauf mit gelassener Ignoranz: Wenn sie auf die andere Rheinseite wollen, kündigen sie an: „Ich muß mal kurz nach Köln“, d.h., sie zählen sich einfach nicht dazu.
Die „Poller Negerköpp“ sind eine Karnevalsvereinigung, die ungelogen zum Karneval so herumlaufen wie im Film dargestellt.
Brigittengäßchen
Tünnes un de Schäl sin op der Beerdigung vun deren Fründ Pitter. Der Schäl wirf däm Sarg ne Struß Blome noh, der Tünnes wirf zwei Frikadde hingerher. Schäl: „Tünnes, beste jeck? Wat soll dä Pitter domet, der kann die doch nit mieh esse.“ Darauf dä Schäl: „Ja gläuvs do dann, hä dät ding Blome en de Vas stell?“
Puuuh …
Tünnes-und-Schäl-Witze sind, glaube ich, bundesweit bekannt. Die beiden waren gegensätzliche, sich ergänzende Charaktere aus einem Stockpuppentheater Anfang des 19. Jahrhunderts. Sie waren und sind sehr populär, da sie angeblich zwei Wesenszüge der Kölner widergeben: Tünnes ist naiv, gutmütig, ein bißchen phlegmatisch, aber clever (im Bild links), Schäl ist gerissen, hinterlistig, aber letztlich doch ein guter Mensch.
Die lebensgroßen Skulpturen stammen von Wolfgang Reuter und wurden 1974 aufgestellt. Die Nase der Tünnes-Figur glänzt deshalb so, weil es Glück bringen soll, sie zu streicheln.
Diözesanmuseum Kolumba, Kolumbastr.
Das neue Diözesanmuseum heißt Kolumba, nach der großen mittelalterlichen Pfarrkirche St. Kolumba, die bis in den Zweiten Weltkrieg hier stand, und deren Überreste in den Neubau integriert wurden – nicht nur außen, auch innen.
Der Architekt ist Peter Zumthor. Ein paar Einblicke ins Museum gibt es hier. Wer einen Besuch plant, sollte gut planen, das Museum hat die merkwürdigsten Öffnungszeiten, die ich je bei einem Museum gesehen habe: Täglich außer Dienstags 12 – 17 Uhr!