Büchermarkt am Rhein

Büchermarkt am Rheinufer – kein leichtes Unterfangen bei diesem wechselhaften Wetter, da muß man schnell sein mit den Plastikplanen, sobald es anfängt zu tröpfeln. Es werden meist modern-antiquarische Bücher angeboten, viele Taschenbücher zwischen einem und fünf Euro, je nach Abnutzungsgrad, aber auch günstige Bildbände und Sachbücher, die es schon längst in keiner Buchhandlung mehr gibt.

"Wohngemeinschaft" in der Richard-Wagner-Str.

Der Kunstautomat von vorgestern hängt in einer relativ neuen … wie soll man sagen: Bar, Café, Kneipe – alles zusammen, aber nichts richtig. „Die Wohngemeinschaft“ heißt der Ort, da er aus mehreren verschieden gestalteten Zimmern besteht: Auf dem Bild sieht man den Hauptraum, Mobiliar aus den 50er und 60er Jahren bestimmt das Bild, viele Sessel und Sofas, in denen sich sehr gemütlich quatschen läßt. Am hinteren Ende ist eine Art Mädchenschlafzimmer – auch aus längst vergangenen Jahrzehnten, um die Ecke steht ein VW-Bus mit Polstern ausgelegt, in einem Zimmer liegen hippieske Sitzmatratzen auf dem Boden, und im letzten Raum steht eine Tischtennisplatte. Abends ist es z.Zt. DIE angesagte „Location“ in der Stadt und entsprechend voll, aber sowas wechselt ja schnell. Nachmittags ist es jedenfalls sehr schön, Kaffee und Kuchen sind gut.

Kunstautomaten

Rauchen ist ungesund, das hat sich ja wohl herumgesprochen, und mit den Automaten, die in den Kneipern hängen, kann man auch viel Besseres anfangen: Man wirft 2 Euro ein und zieht sich eine Schachtel Kunst. Allerdings Vorsicht, auch hier gibt es einen Warnhinweis. Auf der Schachtel steht: „WARNUNG! Diese Kunst kann verwirren, erhellen, aufregen und süchtig machen! Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie sich selbst und schreiben Sie uns die Antwort. Jegliche Haftung ist ausgeschlossen. Es gehört jetzt dir.“

Und das war drin in der Schachtel: Ein signiertes Kunstwerk von Kathrin Ollroge, ein kleines Holzklötzchen mit einer Fotografie von einem Puppenhausspielzeug. Mir gefällt’s, ich mag Wundertüten.

Engeln in der Cranachstr.

Als ich das erste mal das Wort Analogkäse hörte, dachte ich entsprechend der verschiedenen Tonträger, die es gibt, also Schallplatten (analog) und CDs (digital): Sieh an, jetzt gibt es schon digitalen Käse, und fragte mich, ob der auch aus Nullen und Einsen besteht, und falls ja, wie er dann satt macht. Aber weit gefehlt: Analogkäse ist ein Kunstkäse (digitalen Käse gibt es im Internet zwar auch zuhauf, aber eher im bildlichen Sinne). Und nun habe ich neulich einen Bericht im TV gesehen, daß immer mehr Anbieter von Speiseeis dieses aus reiner Profitgier nicht mehr mit Milch, sondern mit Pflanzenfett herstellen – man leckt also unter Umständen an dünner gekühlter Margarine mit Vanillezuckergeschmack, pfui deibel!

Das Eis von der Konditorei Engeln ist garantiert pflanzenfettfrei. Die Herstellungstradition reicht schon drei Generation zurück. Jedes Eis ist sogar ein „Unikat“, d.h., es wird nicht etwa eine Grundmasse angerührt, in die dann jeweilig künstliche Geschmacksnoten zugegeben werden, nein, jede Eissorte wird einzeln mit natürlichen Produkten hergestellt. Verglichen mit dem Analog-Dreck fühlt man sich als Kunde geradezu geehrt und geadelt.

(Weitere Informationen)

Skulpturenpark

Im Skulpturenpark in der Nähe des Zoos stehen neue Kunststücke. Dieses ist von Torsten Slama und heißt „Herbert-Bayer-Zigarettenkiosk/Atomskulptur“. Der Künstler hat sich auch selbst dazu geäußert, aber erstmal schauen:

Schön grell-bunt steht es da mitten im Grünen, schlichte große Flächen und die stehende überdimensionale Zigarette lassen einen an Werbung denken, nur der Gorilla wirkt ein bißchen bedrohlich – dunkel, animalisch, unheimlich.

Im Katalog steht folgender Text: „Der zigarettenförmige Kamin, eine Röhre, dient als Monument und Mahnmal, eine Warnung an künftige Zivilisationen, so Torsten Slama (* 1967). Der Gorilla, der das Monument bewacht, teilt viele Eigenschaften mit der Zigarette. So wie diese sich niemals ihre Giftigkeit wird abgewöhnen können, wird auch er niemals seine Triebe meistern. Die Skulptur basiert auf der Zeichnung Vision 6: Der Herbert-Bayer-Cigarettenkiosk aus dem Zyklus Illustrierte Visionen der Zukunft für die Erhaltung von Monumenten, der Erinnerung an die Menschheit gewidmet. Dargestellt wird ein Gebäude, das, weil es eine namenlose Katastrophe überstanden hat, zukünftigen Tiergenerationen als Denkmal der untergegangenen Menschenzivilisation dient. Als Vorlage diente ein Entwurf von Herbert Bayer aus dem Jahr 1924. Der damalige Lehrer am Bauhaus Dessau war die Blüte einer Zivilisation, die den Gedanken ablehnte, es könne ein Übermaß an Bildung, Fortschritt, Genuss und Energieverbrauch geben. Das Werk Herbert-Bayer-Zigarettenkiosk/Atomskulptur ist ein Monument für den Überfluss im Sinne des Zigarettengleichnisses.“

Oh jee … der Lehrer als Blüte? Und was ist mit dem Zigarettengleichnis? Wenn sie weg ist, ist sie weg, oder wie? Ich finde, der Katalogeintrag trägt ein bißchen dick auf, aber urteilt selbst. Die Vorlage vom Bauhaus-Künstler Herbert Bayer sieht übrigens so aus:

Minibib im Stadtgarten

Seit ein paar Wochen gibt es im Stadtgarten, einem zentrumsnahen Park, „Minibib“, das Bücherbüdchen. Knapp 18 qm groß, beherbergt es gut 1000 Bücher, zumeist Taschenbücher für Erwachsene, aber auch Kinderliteratur, aus dem Mehrfach-Bestand der Stadtbibliothek. Das Besondere an der „Minibib“: Jeder Passant kann hineingehen, sich genau ein Buch (also nie mehrere gleichzeitig) aussuchen und ohne jede Formalität, wie z.B. Ausweis oder Quittung, mitnehmen. Der Entleiher wird gebeten, das Buch nach spätestens zwei Wochen wieder zurück zu geben. Sollte doch mal ein Buch für immer „verschollen“ bleiben, dann, so hofft man, wird es auf anderem Wege die Lesebereitschaft fördern. Soviel Idealismus und Vertrauen – wäre ich der König von Deutschland, ich würde ihnen dafür augenblicklich einen Orden verleihen, den höchsten, den es gibt. Das Projekt (nach einem Vorbild aus Lissabon das zweite in Europa) wird vom „Förderverein Stadtbibliothek Köln e.V.“ getragen, die 15 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen stehen nicht nur zur Beratung und Betreuung zur Verfügung, sondern organisieren auch Lesungen für Kinder.

Pareidolie

Zitat Wikipedia: „Unter Pareidolie (von griechisch para – daneben, vorbei + eidolon – Bild oder Erscheinung) versteht man die Tendenz des Gehirns, bei seiner stetigen Suche nach Mustern und Bildern in der Wahrnehmung diese auch selbst in zufälligen Strukturen oder in Sinneseindrücken geringen Informationsgehalts zu finden.“

Eindringliches Gespräch am Rheinufer

Hey, Alter, was geht …

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,

weiß auch nicht, voll krass den Blues …

daß ich so traurig bin;

nee, mit der läuft auch nix mehr …

ein Märchen aus alten Zeiten,

wieso wieso – woher soll ich das wissen …

das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Scheiße kalt hier, Alter …

Die Luft ist kühl und es dunkelt,

kein Bock mehr, ist mir zu krass …

und ruhig fließt der Rhein;

nee, heute werd‘ ich nicht alt …

der Gipfel des Berges funkelt

ey, Alter, laß krachen, bis dann …

im Abendsonnenschein.

Unter Verwendung eines Teils des Gedichts „Lorelei“ von Heinrich Heine.

Christopher Street Day

In Köln war am Wochenende Christopher Street Day (wer nicht weiß, was das ist, klicke bitte hier). Freitagabend ging’s schon los, Samstag war Straßenfest und Veranstaltungen auf drei Bühnen, am Sonntag zusätzlich eine Parade, ein Umzug mit Festwagen, aufgekratzten Menschen und viel lauter Musik.

Ungeachtet der Tatsache, wie wichtig dieser Tag für das schwul-lesbische Selbstverständnis ist, ist es heute vor allem eins: Ein riesiger Rummel. Menschenmassen schieben sich zwischen Freß-, Bier- und Verkaufsbuden durch, und aus allen Richtungen wird man mit Musik bedröhnt. Auf der Hauptbühne trällern Vicky Leandros und Daniel Küblböck (neben vielen anderen) Lieder – wer kann mir den schlechten Musikgeschmack der Community erklären?

Auf einer Bühne wurden die drei Oberbürgermeisterkandidaten zu Schwulenthemen befragt, am 30. August ist Wahl, da will natürlich jeder eine gute Figur machen, und alle finden alles Schwule ganz ganz super. Der Kandidat von der FDP, ein bekennender Schwuler, weiß genau, daß er keine Chance hat, gewählt zu werden, aber wenn man überall mitreden will, muß man sich aufstellen lassen, das war ja bei Guido Westerwelle auch nicht anders. Der Kandidat von der CDU Peter Kurth, ein bekennender Schwuler, kommt eigentlich aus Berlin, war dort maßgeblich am Berliner Bankenskandal beteiligt (laut Wikipedia), hat also gute Voraussetzungen, im Kölschen Klüngel zu bestehen. Falls er nicht gewinnt, will er zurückgehen nach Berlin, das muß man verstehen, der junge Mann möchte Karriere machen und kuckt sich noch um. Nachdem CDU-Oberbürgermeister Schramma wegen des miesen Managements angesichts des Zusammenbruchs des Historischen Archivs zurückgetreten war/wurde, hat man lange nach einem neuen Kandidaten gesucht, aber keinen gefunden – welch seltene Einsicht einer Partei, keine angemessenen Kandidaten zu haben für das höchste Amt der Stadt. Der Kandidat der SPD Jürgen Roters, ein kein bekennender Schwuler … oh je, wie soll man diese Scharte auswetzen? Er erzählt, daß er schon damals, als er noch Polizeipräsident war und zu einer Zeit, als das Rathaus sich noch weigerte, gleiches zu tun, angeordnet hatte, zum CSD die Regenbogenfahne zu hissen. Uiuiui – donnerwetter, eine Fahne! Fast tut er mir Leid angesichts der Peinlichkeit, daß er versucht, mit dieser Uraltgeschichte zu punkten – aber Fremdschämen ist abgeschafft, kein Pardon.

Sind diese Damen Politik-begeistert? Nee …

… es ist der Rhythmus der weltbekannten Trommelgruppe „Queerelas“.

Schön bunt ist es ja, aber …

… nichts für ungut, ich ziehe mich langsam zurück.

Folgendes Fotos verrät, worum es (auch) geht, jedenfalls in Köln:

Berrenrather Str.

Und was, bitte, ist das? Eine Skulptur? Ein Gebäude? Gut geraten – es ist beides: Eine Kirche, in den 60ern des letzten Jahrhunderts entworfen vom Bildhauer Josef Rikus. Der Stil ist angelehnt am Betonstil der damaligen Zeit und sollte durch das Material mit den Neubauten der nahen Universität korrespondieren, denn die „Kirche Johannes XXIII.“ gehört zur katholischen Hochschulgemeinde.

Das verschachtelte Gebäude erinnerst an den frühen Kubismus 50 Jahre zuvor und wirkt deplaziert zwischen all den Zweckbauten, jedesmal wenn ich daran vorbeifahre, denke ich: Oh Gott! – und vielleicht ist ja genau das beabsichtigt. Schön finde ich es nicht, aber interessant.

Im Netz habe ich folgendes Zitat gefunden vom damaligen Hochschulpfarrer und Professor Wilhelm Nyssen: „Bau als Zeichen der Andersheit gegenüber den alltäglichen Lebensvorgängen ist zugleich Zeichen der Zwecklosigkeit des reinen Spiels. Dieser Gedanke alarmiert die Künste und läßt sie bis zum Äußersten an Strenge und Eindeutigkeit, eben an Umsetzung ins Zeichen gewinnen. Aber „Ort der Andersheit“ bezeichnet keinen willkürlichen Akt des Menschen, etwa einen vom Alltag reservierten Bau, der nur für Gebete und geistliche Konzerte bestimmt ist. Ort der Andersheit heißt Ort, an dem die Feier der Mysterien, der Auftrag Jesu vollzogen wird, durch dessen Erfüllung sich erst Kirche in allem Wandel der Verhältnisse konstituiert.“ Mit anderen Worten: Mir gefällt’s auch nicht, aber egal, Hauptsache Jesus und das ganze Pipapo.