Tatüü tataaaa – manchmal glaubt man, man sei in New York – obwohl sich die Sirenen natürlich von Land zu Land unterscheiden. Aber die Häufigkeit zeigt einem, daß man in einer Großstadt wohnt, es gehört zum Alltag, daß aus irgendeiner Richtung Sirenengeheuel ertönt, und man fragt sich (als Fahradfahrer im Großstadtverkehr) bang, wann es vielleicht mal soweit ist, selbst Anlaß einer Notsituation zu sein.
Schlagwort: Köln
Konrad-Adenauer-Ufer
Die MS Rheintreue ist eins von zwei Schiffen, das einlädt zur Panoramafahrt, die ungefähr 65 Minuten dauert und 6,80 Euro kostet. Am Schokoladenmuseum kann man aus- und wieder zusteigen, ebenso am Wendepunkt Rodenkirchen, einem kleinen Städtchen südlich von Köln. Während der Fahrt hat man das zweifelhafte Vergnügen, die vom Rhein aus sichtbaren Sehenswürdigkeiten in deutscher und englischer Sprache benannt zu bekommen („On se rait sait yu sii se Doom“). Nein, ich will nicht lästern, es ist schon okay, aber der Wahrheit zuliebe muß ich sagen, daß die schöne Rheinlandschaft erst hinter Bonn anfängt. Wenn man sich etwas Gutes tun will, sollte man auf einem größeren Schiff eine Tagestour in die kleine Stadt Linz buchen (23 Euro Hin- und Rückfahrt, ab Juni).
Bürgerstr.
Stattreisen ist ein eingetragener Verein, der alternative Stadtführungen anbietet. Neben den normalen Stadtführungen zu den Hauptsehenswürdigkeiten gibt es -zig Themenführungen: Das heilige Köln, Kunststadt Köln, das schwule Köln, das kriminalgeschichtliche Köln, Großbaustellen, das Nachtleben, Führungen durch die einzelnen Viertel etc. Da kann man selbst als Einheimischer noch viel lernen. Die Preise sind um 10 Euro pro Person, für 2 – 3 Stunden kompetente Führung ist das nicht zuviel, zumal sich der Verein durch diese Gebühren (und Spenden) finanziert. Respekt.
Brüsseler Str.
Die Sonne scheint im Zwergenstaat, der Himmel hängt voller Geigen … äh … Äpfel, alles scheint in Ordnung zu sein – innerhalb des Bezugssystems der Zwerge. In einem größeren Zusammenhang jedoch stellt die vermeintliche Wirklichkeit sich anders dar:
Die Zwergenwelt ist ein Guck-Kasten, eine Glotze im Schaufenster, und die Sonne richtet sich nach den Einstellungen einer Zeitschaltuhr.
Übrigens: Vom Domturm aus oder von noch höher sehen die Menschen auch sehr klein aus …
Hanns-Hartmann-Platz
Sonntags geschlossen – das ist schlecht, was gibt’s da wohl zu kaufen? Also eine Woche später (minus 1 Tag) noch mal hin:
Milch- und Getreideprodukte, sieht alles recht lecker aus, und der Andrang ist groß, das ist ein gutes Zeichen. Im Moment brauche ich nichts, so’n Pech, schau ich doch später noch mal vorbei.
Lübecker Str.
Die Filmpalette ist ein kleines Kino aus den 50er Jahren mit nur siebzig Sitzen – genau richtig für ein kleines, intimes Pornokino, das es war, bevor es Ende der 80er von engagierten Leuten zu einem Filmkunstkino umfunktioniert wurde. Gezeigt werden ambitionierte Filme, die woanders kaum Chancen oder zu wenig Publikum haben, gerne auch Dokumentationen, eine Filmform, die in keinem anderen Kino der Stadt gezeigt wird. Vor ca. einem Jahr öffnete im Nebenhaus ein weiterer Vorführsaal – mit 45 Sitzen!
PS: Warum da ein Playmobilmännchen steht, weiß ich auch nicht.
Roonstr.
Kaum kommen die ersten Sonnenstrahlen heraus, schon macht der Laden in der Nachbarschaft wieder gute Geschäfte: Er verkauft Skateboards. Das bedeutet viel Lärm, denn die Boards müssen auf dem Bürgersteig ausprobiert werden – aber plötzlich ist es still, schon glaube ich, es ist etwas passiert, hoffentlich kein Beinbruch? Ein Blick aus dem Fenster beruhigt: Auch Helden der Straße müssen essen.
Pilgrimstr.
An einem der zentralen Plätze der Stadt, dem Rudolfplatz, steht dieser verkehrsumtoste Gebäudekomplex aus den 50er Jahren, dessen ehemalige Außenwerbung symptomatisch ist für seinen Zustand. Früher war hier ein großes Kino, ein Theater, eine Disco (ich weiß nicht mehr genau, ob in dieser Reihenfolge), nun ist es schon ewig geschlossen. In den Peripherieläden im Erdgeschoß haben sich kleine Läden und Imbisse etabliert, auch eine Kneipe, ein Restaurant und ein Tanzstudio gibt es um die Ecke, der Koreaner im ersten Stock hat schon lange ersatzlos dicht gemacht. Seit neuestem ist an einer Ecke eins von den modischen Edel-Currywurst-Restaurants eingezogen (wo die Wurst doppelt so teuer ist wie anderswo, weil man Champagner dazu bestellen kann), dem ich aber nicht lange gebe. Im Bild ist ein Head-Shop, wo man Zubehör zum illegalen Gebrauch von Cannabis-Produkten kaufen kann. Head-Shops gibt es mehrere in der Stadt, der illegale Drogengenuß scheint weiter verbreitet zu sein, als ich dachte, sonst könnten sie sich nicht halten. Aber ich habe auch keine Ahnung mehr davon. Obwohl Cannabis nicht meine Droge ist, bin ich der Meinung, man sollte es legalisieren – oder Alkohol verbieten, alles andere ist eine üble Heuchelei.
