Rathenauplatz

Der Rathenauplatz ist ein 28.000 m² großer rechteckiger Park im Studentenviertel. An beiden Stirnseiten hat er große Kinderspielplätze, auf den breiteren Wegen spielen die Erwachsenen Boule, beobachtet von philosophierenden Pennern, die bei warmem Wetter ein paar Bänke besetzen und selbstzufrieden ihr Flaschenbier schlürfen.
Der Biergarten wird von der Bügergemeinschaft Rathenauplatz e.V. betreut, das Öko-Bier ist nicht billig, aber lecker, ebenso wie der selbstgemachte Kartoffelsalat mit Bockwurst. Im Sommer spielen hier Sonntagnachmittags manchmal Jazzcombos. Bei richtiger Sommerhitze, in der es kein Mensch mehr in seiner Wohnung aushält, ist der Park allerdings meist völlig überfüllt, so daß es keinen Spaß macht, sich in dieser Freibadatmosphäre aufzuhalten.
Wenn man Freunde mit Kindern hat, ist dieser Platz optimal: Die kleinen Nervensägen sind ganz scharf auf die Spielplätze, und man selbst kann sich geruhsam bei einem frisch gezapftem Bier oder einem Milchkaffee unterhalten.

Deutschlandfunk-Hochhaus

Der Deutschlandfunk wurde in den 50er Jahren ausschließlich aus einem Grund gegründet: Man wollte mit einem Langwellen-Sender der Propaganda des DDR-Radios, das ebenfalls auf Langwelle sendete, Paroli bieten – mit Westpropaganda. So entstand neben den Regionalsendern (NDR, WDR etc.) ein Bundesradiosender, der mit dem Fall der Mauer eigentlich überflüssig wurde.
In den 90er Jahren wurden ARD und ZDF beauftragt, das Deutschlandradio mit zwei Programmen zu gründen, dessen Informations- und Kulturprogramm nun vom Deutschlandfunk gestaltet und gesendet wird.
Inzwischen kann man das Programm auch über UKW und Satellit erreichen.
Über das markante Gebäude habe ich leider keine Informationen gefunden, aber es sieht aus, als sei es aus den 70er Jahren.

Kaugummiautomat

Kaugummiautomaten sind auf dem Rückzug, sie lohnen sich einfach nicht – Kaugummi kann man meist billiger im Supermarkt oder am Kiosk kaufen. Ich finde es ganz schön, immer mal welche zu sehen, die noch in Betrieb sind, das hat aber rein nostalgische Gründe, denn ich bin kein Kaugummikauer. 10 Pfennig kostete eine Kugel in meiner Kindheit, ein Fünftel meines ersten Taschengeldes und daher eine große Summe. Dementsprechend war so ein Automat eine sichtbare, aber verschlossene verheißungsvolle Schatzkiste, die sich nicht mit 5-Pfennig-Stücke überlisten ließ (ich gestehe: Ich habe es versucht).
Der erste Kaugummiautomat mit Kaugummikugeln wurde 1907 in New York aufgestellt, in Deutschland erst nach dem 2. Weltkrieg im Zuge der Amerikanisierung unserer Kultur.

Zülpicher Str.

Sollte einen, weil die heimische Mannschaft in der 1. Liga so schlecht spielt wie in der 2. Liga gut (also ohne jede Verbesserung), der Herzkasper für immer umhauen, kann man hier angemessen Vorsorge treffen. Sit tibi terra levis.

Hohenzollernring

Nanu – was ist hier denn los? Überall Polizei, die 4-spurige Straße abgesperrt, ebenso wie die Hauptwege im Studentenviertel – ist denn schon wieder Karneval? Laut gröhlende Jugendliche, überwiegend männlichen Geschlechts, machen es schnell klar: Deutschland ist Weltmeister … ääh, nee, Kölns Verein hat ein Spiel gewonnen. Aber ist das nicht übertrieben, diese Nebensächlichkeit so zu feiern? Ah ja – der 1. FC ist wieder in der ersten Liga und darf sich zukünftig wieder von München, Bremen und Schalke blamieren lassen. Na denn – Prost!

Grüngürtel

Natürlich gibt es auch in der Großstadt Einwohner, die einen Garten haben, aber je näher es in die Innenstadt geht, desto weniger werden es. Entsprechend überfüllt sind die öffentlichen Grünanlagen, sobald sich die Sonne blicken läßt, aber meistens vertragen sich die Leute. Natürlich gibt es immer mal welche, die sich benehmen, als seien sie allein auf der Welt: Laute Musik auch für die Nachbarn, ohne die zu fragen, Fußballspielen mit voller Kraft – Pech, wenn man zufällig im Strafraum sitzt. In der Regel schnappt man sich seine Decke und zieht ein paar Meter weiter – Idioten sind meist unbelehrbar.

Mozartstr.

Das sind sogenannte Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig – man soll nicht im Wortsinn darüber stolpern, sondern sich daran erinnern, daß in dem Haus, vor dem sie im Boden eingelassen sind, einst Opfer und Verfolgte des Naziregimes gelebt haben. Die ersten Stolpersteine wurden in Köln ohne Genehmigung verlegt, nach einigen Streitereien einigte man sich aber, inzwischen gibt es über 1500. Die Aktion wurde auf andere Städte ausgedehnt, ca. 13000 Stolpersteine sind in 280 Städten und Gemeinden zu finden. Die Messinplatten, in die jeweils ein Name eingraviert wird, sind 10 x 10 cm groß und werden durch Spenden finanziert, ein Stein kostet 95 Euro. (Quelle: Wikipedia)

Blüte der Vollkommenheit

Blüte der Vollkommenheit

Wir wünschen Blüte der Vollkommenheit,
Auf daß der Schönheit Rose nie verdorrt,
Doch ist dem Tod die reife Frucht geweiht,
So pflanz‘ ein Erbe ihr Gedächtnis fort.

Du lebst nur dir, der Schönheit Selbstgenuß,
Schürst eignen Glanz, der dich verzehrend scheint,
Schaffst Hungersnot aus reichem Überfluß,
Grausam dir selbst gesinnt, dein eigner Feind.

Heut bist du noch der frische Schmuck der Welt,
Der einz’ge Herold für des Frühlings Reiz,
Doch wenn dein Schatz in einer Blüte fällt,
Wird zur Verschwendung, süßer Filz, dein Geiz.

Hab‘ Mitleid, birg nicht überreiche Gabe,
Der Welt Anrecht, in dir und in dem Grabe.

William Shakespeare (1564-1616)

Ampel

Manche Menschen verbinden mit der Aufforderung, zu warten, den Beweis der persönlichen Benachteiligung durch das Schicksal oder durch Gottes Fügung: Wann immer Zeit ungenutzt verstreicht, trifft es gerade und besonders sie, die tatenlos der Willkür anderer Mächte in Form von unpünktlichen Zügen oder unverläßlichen Mitmenschen oder roten Ampeln ausgesetzt sind. Man kann es aber natürlich auch anders sehen: Da man an der Wartezeit eh nichts ändern kann, ist es sinnlos, sich über sie zu ärgern, im Gegenteil, man sollte sie als geschenkte Aus-Zeit betrachten: Endlich ein Moment der Ruhe, eine gezwungene, aber dennoch vorhandene Gelegenheit zur inneren Einkehr, mal nicht jederzeit reden und zuhören, immer auf dem Sprung – was passiert jetzt, und dann und dann … Wartezeit ist süßer Moment des Nichtstuns, manchmal so entspannend, daß wir vergessen, weiterzufahren, obwohl die Ampel schon längst auf Grün gesprungen ist, daß es fast stört, wenn der erwartete Freund entschuldigungsreich doch noch eintrifft.

Die eine Ampel aber, die, die da jeden Morgen verhindert, daß ich rechtzeitig zur Arbeit komme, wenn ich da immer, wenn ich vor ihr gewartet habe, in einem Buch gelesen hätte, dann hätte ich „Krieg und Frieden“ schon zehn mal lesen können!