Bonner Innenstadt

Am Samstag war ich in dem schönen Städtchen Bonn, in dem zufällig gerade ein Festival stattfand – ein „Shopping-Festival“ … gut, zwei bis drei Bratwurst- und Crepe-Buden, Bier, eine Bühne auf dem Münsterplatz, aber wer richtig am Festival teilnehmen wollte, mußte eins tun: Shoppen!

Endlich, ist die Bonner Fußgängerzone doch für den Rest des Jahres ein Hort reinster Kontemplation und Askese.
Damit einem das Geldausgeben leichter fällt, gibt diese „freundliche“ Dame ein schönes Beispiel: Trotz schlechter Laune gerade Schmuck gekauft (wenn man der Figur zu nahe kommt, schreit sie: AUS DEM WEG, KRETIN! – – nee, stimmt gar nicht, kleiner Scherz).

Ein paar Meter weiter steht unverkennbar ihr Sohn, der hat sich gerade einen Yoyo gekauft, was ihn aber auch nicht erheitert, das blöde Rad will einfach nicht wieder nach oben kommen.

Scherz beiseite: Auf dem Münsterplatz steht das Original, der größte Sohn der Stadt, der einen solchen Mummenschanz nicht verdient hat.

Ausflug nach Zons (2)

Noch bevor man die Stadt betritt, sieht man an einem Eckturm ein Eiscafé mit Garten – nix wie rein!

Der Picasso-Teller übertrifft alle Erwartungen: Selbstgemachtes Eis mit Sahne, einer Unmenge von frischen Früchten, garniert mit kandierten Walnüssen und verschiedenen Fruchtsoßen – ich weiß nicht, wann ich das letzte mal ein so gutes Eis gegessen habe. Eigentlich können wir wieder nach Hause fahren.
Aber nein, nachdem wir uns an dem Menschen vorbei geschlichen haben (keine Ahnung, was der wollte) …

… sind wir schon drin innerhalb der Mauern.

Links der Mauer floß früher Wasser in einem abschreckend tiefen Graben rund um die Stadt, denn in Zons wurde seit Ende des 14. Jahrhunderts der Rheinzoll erhoben, was vermutlich viele Übeltäter anlockte.

In dem rechteckigen Örtchen leben etwas über 5000 Menschen. Enge, gemütliche Gäßchen beherrschen das Bild, Autos sind nur für Einheimische zugelassen.

Eine Kirche gibt es natürlich auch, mit einer hübschen Tür …

… aber neben Gastronomie für die vielen Touristen gibt es nur noch Läden für Geschenkartikel, kein Tante-Emma-Laden, kein Kiosk, nichts („Gab im Mittelalter ja auch keine Kioske“, belehrt mich meine Begleiterin. Stimmt. Aber was macht man, wenn einem mal ein Pfund Zucker fehlt? Milch für den Kaffee? Frische Brötchen?).

Da der Weg nicht soo schön war und die Aussicht auf noch einmal 28 km auf dem Sattel nicht verlockend ist, machen wir uns auf den Weg ins benachbarte Dormagen mit S-Bahn-Anschluß. Wir winken noch ein letztes fröhliches „Adieu!“ an die Steaks von morgen – und sind dann mal weg.

Ausflug nach Zons (1)

Heute geht es immer am Rhein entlang in nördlicher Richtung, das Ziel ist die mittelalterliche Zollstadt Zons, ca. 28 km entfernt. Also rauf auf’s Rad, und los geht’s.

Saftige Wiesen mit grasenden Schafen, asphaltierte Fahrradwege, den Rhein immer im Blick – was will man mehr. Aber, am Ende einer Sackgasse, ist auch das erstmal zu Ende:

Ein Zementwerk nährt die Befürchtung, da in einer Großstadt die Industrie ja irgendwo sein muß, daß hier der Ort ist, der in früheren Zeiten dazu beigetragen hat, den Fluß fast fischfrei zu machen. Inzwischen soll man wieder unbedenklich angeln können.

Das Bayer-Werk in Leverkusen auf der anderen Rheinseite, eine chemische Fabrik.

Nachdem auch der riesige Ford-Komplex erfolgreich umrundet ist, gibt es Felder, soweit das Auge reicht, das Land ist so flach, man könnte meinen, man sei in Norddeutschland.

Und da ist das Ziel auch schon in erreichbarer Nähe, der Hintern sehnt sich nach 3 Stunden auf dem harten Sattel nach einem weichen Kissen, und die Phantasie malt sich schon erwartungsvoll aus, was es da wohl schönes zu essen gibt.

Fortsetzung folgt.

Ausflug ins Siebengebirge (4)

Wie angenehm der Weg hinunter vom Petersberg (jedem, der mir schwer atmend entgegenkam, streckte ich innerlich die Zunge aus: Ätsch, ich war schon oben).

Immer dem blauen Zeichen nach führt der Weg über die Mondwiese, kurz darauf – wieder bergauf, den Geißberg hinauf. Täusche ich mich, oder grinsen die entgegenkommenden Wanderer unverschämt?

Die Mühe hat sich gelohnt: Ein schöner Blick ins Rheintal …

und auf den Drachenfels, wo einst der Drache gewohnt haben soll, den Siegfried aus der Nibelungensage getötet hat.

Genug gestaunt – der Magen gähnt, der ausgezehrte Körper schreit nach Kalorien – wo, bitte, ist die nächste Gaststätte? 800 Meter nur, bergab zum Milchhäuschen, das so heißt, weil von hier aus früher die Versorgung der umliegenden Güter mit Milchprodukten geregelt wurde.

Heute ist es eine Gaststätte mit großer Terrasse mitten im Wald, man kann hier auch Räume und Rasenflächen für größere Feiern mieten.

Wie man sieht, beherrscht der Koch nicht nur die rheinische Küche, sondern ist auch bewandert in der Zubereitung internationaler Spezialitäten. Mir hat’s geschmeckt.
Nun noch ein halbstünstiger Fußmarsch bergab nach Königswinter – der Zug scheint auf uns gewartet zu haben – adios, Siebengebirge. Insgesamt ein gelungener 1. Mai, auch wenn mich der Muskelkater, dieses Monstrum, noch nach drei Tagen plagt.

Ausflug ins Siebengebirge (3)

Auf dem Petersberg steht das Bundesgästehaus, in dem besonders die Bonner Republik hochrangige Gäste beherbergte, aber auch die Berliner Regierung nutzt das Haus. Bekannte Gäste waren z.B. die Queen, Gorbi und die Clintons. Schöne Aussicht hatten sie.

Als wir ankamen, fiel uns der Himmel auf den Kopf – jedenfalls teilweise.

Also schnell hinein in die Gaststätte, leider war kein Tisch mehr frei. Das Personal in grauen Anzügen war so nett und ließ uns im Eingangsbereich stehen, bis der kleine Minutensturm vorüber war.

Es gab aber auch Gäste, die so ausgehungert waren, daß nichts sie von ihren Tellern vertreiben konnte. Sobald es wieder einigermaßen trocken war, machten wir uns auf den Weg zum Geißberg.

Ausflug ins Siebengebirge (2)

„Wissen Sie, wie man zur Abtei Heisterbach kommt?“ „Folgen Sie uns, wir gehen in die Richtung,“ sagte der Vorstand der Kleinfamilie, die wir fragten. Also hinterher – hier wären wir freiwillig garantiert nicht lang gegangen.

Befremdliche Zeichen im Feld – wo sind wir hier? Alienlandeplatz? Sollen wir von Däniken anrufen? Ist die Familie vielleicht eine Gruppe von Außerirdischen, die uns ins Ungewisse führen, eine Falle? Wären wir doch bloß zu Hause geblieben, unvernünftige Abenteuerlust …

Ah – da sind wir ja, nochmal Glück gehabt (ist doch ein bißchen unheimlich, diese Natur). Die Abtei wurde Anfang des 19. Jahrhundert an ein Abbruchunternehmen verkauft – schade, der Rest läßt eine sehr reizvolle Verbindung von spätromanischem und frühgotischem Stil vermuten. Hier findet gleich ein Open-air-Gottesdienst statt – also schnell weg.

Zum Einkehren ist es noch zu früh, also gleich weiter in Richtung Petersberg – wer hat den Kompaß?

Aaaah – diese Luft, die Stille, das zarte helle Grün – herrlich!! Ich glaube, ich muß erstmal eine rauchen.

Ausflug ins Siebengebirge (1)

Der Rheinsteig ist ein gut beschilderter Wanderweg von Bonn nach Wiesbaden und 320 km lang – für den geübten Wanderer kein Problem. Der ungeübte Spaziergänger allerdings sucht sich eine kurze Route, verläuft sich trotz der neuen Schilder ein paar Mal, kommt so auf gut 10 km und ist froh, daß überall gutorganisierte Gastronomiebetriebe zu finden sind.

Man fährt also mit dem Zug nach Niederdollendorf, das am Rande des rheinischen Siebengebirges liegt, einer Hügel- und Waldlandschaft, und geht nach Oberdollendorf (allein wegen der Namen muß man diese Orte gern haben). Dort stehen nicht nur jede Menge  putzige und offenbar frisch renovierte Fachwerkhäuschen, sondern auch riesige Gartenzwergsonderanfertigungen:

Auf dem Weg zu einer Kirchenruine kriegt der Großstädter das Maul nicht wieder zu vor lauter Staunen über so viel Natur – und verläuft sich prompt.

Freundliche Menschen helfen, wo sie können – wieder zurück, am Acker links, dann rechts, dann …

Ja, liebe Kinder, hier kommen die Kartoffeln her – jedenfalls theoretisch.

Ausflug: Siegburger Weihnachtsmarkt

Natürlich bin auch ich nicht frei von Weihnachtssentimentalität, besonders nicht, wenn sie einem so schön abgerungen wird wie hier.

Siegburg ist ein ein kleiner Ort ungefähr 25 S-Bahn-Minuten entfernt von meiner Stadt. Ein Kaff (die Siegburger mögen mir verzeihen), in dem ich nicht begraben sein möchte, aber der alljährliche mittelalterliche Weihnachtsmarkt ist eine kleine Reise wert.

Es gibt fast nur Handwerksarbeit zu kaufen, elektrisches Licht mußte Kerzen- und Petroleumslicht weichen (weshalb fast alle Fotos nichts geworden sind) und Bratwurst ist verpönt – stattdessen gibt es frisch gekochte Hausmannskost: Linsensuppe, Fleischspieße und Spätzle mit Pilzsoße. Der Glühwein ist echt gewürzt und heißt euphemistisch Liebestrank, und es gibt sogar Met. Zwischendurch spielen Schausteller in mittelalterlichen Gewändern auf der Bühne Musik der Renaissance auf Dudelsäcken und Trommeln und machen für die Kinder allerlei Faxen. Ich find’s nett.