Ausflug nach Oberhausen, Teil 1

Sommerzeit ist Ausflugszeit, neulich war ich in Oberhausen, eine Bahnstunde nördlich von Köln.

Der Gasometer, 1928 erbaut, wurde 1988 stillgelegt und dient nach umfangreichen Umbauarbeiten spektakulären Ausstellungen und Veranstaltungen.

Die derzeitige Ausstellung heißt „Sternstunden – Wunder des Sonnensystems“. Auf der Eingangsebene sind großformatige Bilder aus dem Weltall aufgestellt, Nachbildungen von Planeten und der Sonne hängen an der Decke, sehr imposant. Texttafeln in großer Schrift informieren darüber, was zu sehen ist.

Der Jupiter hat 63 Monde, gut, daß die sich nicht in die Quere kommen. Der „Große rote Fleck“ des Jupiters ist eine Art Wirbelsturm, der eine Länge des doppelten Erddurchmessers hat und schon seit über 300 Jahren wirbelt – wohnen möchte man da nicht.

Der Katzenaugennebel ist doch wirklich hübsch anzusehen, und mit etwas Glück können wir das bald auch bei uns betrachten – nein nein, das will in Wirklichkeit niemand, denn die planetarischen Nebel sind das Endstadium von Sternen, also auch unserer Sonne, nicht auszudenken, was dann mit der Erde wird.

Unsere Sonne explodiert glücklicherweise noch schön vor sich hin und sorgt so bei uns für Wärme und Licht, bis zur Vernebelung dauert es vermutlich noch etwas. Manchmal produzieren die Eruptionen interessante Figuren, rechts oben kann man den Kölner Dom entdecken, das ist nett, die Sonne grüßt ins Rheinland.

Der Mond darf natürlich auch nicht fehlen, riesig hängt er in der Haupthalle des Gasometers. Das ist wirklich ziemlich unheimlich. Das Foto kann nur einen kleinen Eindruck wiedergeben, eigentlich war es zu dunkel zum Fotografieren.

Im gläsernen Aufzug geht’s nun an der Innenwand 117 Meter nach oben, der Ausblick auf dem Dach ist weit – aber auch ein bißchen langweilig, die Gegend ist viel Gegend und nichts Besonderes, vom Weltall in die Oberhausener Niederungen ist ein tiefer Fall.

Der Abstieg geht über die Außentreppe – das war wirklich ein sehr empfehlenswerter Besuch. Die Ausstellung dauert noch bis Januar 2010.

 

Ausflug zur Bruder-Klaus-Kapelle

Man fährt mit dem Bummelzug ins ca. 50 km entfernte Eifeldörfchen Satzvey. Von dort sind es zur Bruder-Klaus-Kapelle noch ca. 4 km Fußmarsch durch Felder und kleine Dörfer, nur einmal muß man kurz an der Straße entlanglaufen.

Unterwegs gibt es natürlich auch schon Religionsstätten älteren Datums – ca. 400 Leute leben in dem Dorf Lessenich, da braucht man natürlich eine große Kirche.

Weiter geht’s nach Wachendorf. Nanu – was sollen uns denn diese Schilder sagen?

„Achtung, fliehende Kinder, wer sie noch erwischen will, sollte mindestens 70 km/h fahren“ – da kann man 10 Meter vorm nächsten Ortsschild nochmal ordentlich auf die Tube drücken. Gefährliches Landleben!

Aber da kommt auch schon das eigentliche Ziel in Sicht:

Da hinten links, das ist die Bruder-Klaus-Kapelle von einem der renommiertesten zeitgenössischem Architekten, dem Schweizer Peter Zumthor, 2008 mit dem Pritzker-Preis, dem „Nobel-Preis“ der Architektur, ausgezeichnet.

Puh, die schicken einen ganz schon Zickzack hier, leicht bergauf geht’s auch – was soll das eigentlich, dieser Betonklotz mitten in der Walachei? Das war so: Der Bauer, dem das Feld gehört, schrieb 1998 einen Brief an den berühmten Architekten, der gerade damit beschäftigt war, das neue Diözesan-Museum in Köln zu bauen, man könne doch dem einzigen Heiligen der Schweiz Niklaus von Flüe (=Bruder Klaus) eine Gedenkstätte errichten. Zumthor lehnte zunächst mit dem Hinweis auf seine Gage ab, da der Heilige aber der Lieblingsheilige seiner Mutter war, besichtigte er den Eifeler Ort – und sagte zu, eine Kapelle quasi zum Selbstkostenpreis zu bauen. 2005 fing man damit unter viel Eigenleistung an, 2007 wurde die Kapelle schließlich geweiht.

Sieht merkwürdig aus, oder? Nichts besonderes … das ändert sich aber, sobald man das Gebäude betritt:

Hinter der Dreieckstür betritt man einen dunklen kurzen Gang, bevor man in den kleinen runden Innenraum kommt. Der erste Blick wandert nach oben: Die 12 Meter in die Höhe spitz zulaufenden Wände haben kein Dach. Die Wände haben eine seltsame Rippenstruktur, schwarz-fleckig, alles macht einen sehr archaischen, höhlenartigen Eindruck. Es ist beeindruckend!

Ein kleine Bank, auf der gerade 2 Personen sitzen können, steht neben dem Kerzenständer und einer modernen Plastik, die den Heiligen darstellen soll – man sitzt und staunt, Andacht stellt sich von ganz allein ein.

Die Rippenwände sind durch die Innenverschalung mit Baumstämmen entstanden, nach Fertigstellung hat man sie in Schwelbrand gesetzt, was dann zu dieser Verfärbung führte. Genial! Hier ist ein Foto aus der Entstehungszeit.

Und was sagen die 600 Bewohner aus dem nahen Wachendorf dazu? Sie beschweren sich über die Besucherströme (als ich da war, war allerdings nichts los). Dabei könnte man die Berühmtheit doch auch nutzen – ich hätte gar nichts gegen eine Frittenbude gehabt, die am Dorfrand hätte auftauchen können. Oder belegte Brötchen? Ein Apfel vielleicht? Nichtmal der Frisör ist noch da, nur sein Schild hat er stehenlassen.

Achtung?

Nicht nur die große Stadt hat vielfältige Gefahren, vor denen man sich in acht nehmen muß, auch in der freien Natur lauern Fallen, die dem ahnungslosen Besucher nach dem Leben trachten, wie hier im nahe gelegenen Kottenforst. Ein Hoch auf den Gewässerwart!

Weihnachtsmarkt Siegburg

Wieder einmal ein Besuch auf dem mittelalterlichen Markt in Siegburg, eine halbe Stunde S-Bahnfahrt von Köln. Sehr nett, viel offenes Feuer, liebevoll hergerichte Verkaufsbuden mit viel Krimskrams aus Handarbeit und Werken.

Man sollte allerdings besser nicht am Wochenende hinfahren, so wie ich, es ist arg voll, und wenn man eine leckere Teigtasche mit Falafel und Salat haben möchte, braucht man Stehvermögen. Dafür wird man zwischendurch von Geschichtenerzählern oder Fackeljongleuren unterhalten.

Ausflug zur Heilquelle

Bei dem kleinen Örtchen Herchen im Rhein-Sieg-Kreis liegt das Ohmbachtal, ein Waldgebiet mit schönem Rundwanderweg, an dem eine Heilquelle liegt. Die Frage, wie abergläubisch die christliche Religion eigentlich sein darf, erspare ich mir, denn meiner Meinung nach ist jede Religion Aberglaube pur.

Die Legende geht folgendermaßen, wie auf dem Schild zu lesen ist:
„Guntram von Kranz, ein wilder Raubritter, der grausamste Tyrann seiner Hörigen, hauste im 13. Jahrhundert auf seiner Feste Graenz im Bruxbachthale. Er ließ einmal einen Greis wegen leichten Holzfrevels blenden. Aber in demselben Augenblick, wo diese Greueltat vollzogen wurde, verlor seine Tochter, des Vaters Liebling, plötzlich das Licht der Augen. Ritter Guntram fiel 1298 unter dem Banner Kaiser Adolfs von Nassau gegen Albrecht von Östreich in der Schlacht am Hasenbühl bei Göllstein. Seine Burg wurde von Albrechts Anhängern zerstört. Das blinde Burgfräulein faßte in seiner Ratlosigkeit den Entschluß, im Frieden des Klosters zu Herchen eine Zufluchtsstätte zu suchen. Auf dem Wege dahin gelangte sie mit ihrer Begleiterin zu einer hell sprudelnden Quelle in der Einsamkeit des Ohmbach-Thales. Ihre Führerin wäscht dem von der Hitze des Tages erschöpften Mädchen mit dem Wasser des Börnleins das Gesicht. Und kaum hatte das Wasser ihre Augen berührt, so erfreut sie auch neubelebend des Lichtes Strahl, und bergansteigend sieht sie am fernen Ufer der Sieg des Klosters Raum, ihr Asyl, herüberschimmern. Seit diesem wunderbaren Erlebnisse war der Born eine vielbesuchte Heilquelle für die ganze Gegend.“
Ich habe die Hand hineingehalten, und oh Wunder, als ich sie wieder herauszog, war sie naß!

Eifelausflug – Monreal

Oh je – aber so schnell, wie es gekommen ist, so schnell ist es auch wieder weg – ein Glück!

Durch diese hohle Gasse kannst du gehen …

… und du bist in Monreal.

Eine kleine mittelalterliche Stadt, die früher Königsberg hieß. Französisch hielt man irgendwann für schicker, der Name wurde zu „Monroial“ übersetzt, was dann zu Monreal wurde – und wieso muß ich jetzt an Kanada denken?

Die Stadt war bis Mitte des 19. Jahrhundert ein Zentrum der Tuchherstellung, aus dem Wohlstand der Bürger erklärt sich die große Zahl von großzügigen Fachwerkbauten.

Das gotische Löwendenkmal (spätes 15. Jh.) stand früher vor der deswegen so genannten Löwenburg …

… von der aber nicht mehr viel übrig ist: Erst habe die Schweden im 30-jährigen Krieg hier gewütet, die Franzosen haben der Burg ein paar Jahre später den Rest gegeben.

Was war noch? Ach ja – ein beängstigend großes bewegliches Radioteleskop in Effelsberg, das zweitgrößte der Erde mit 100 m Durchmesser.

Adieu, Eifel – wir werden uns wiedersehen!

Eifelausflug – Blankenheim

Kann man sich das vorstellen? Man hat zwar einen Keller in einem wunderschönen Fachwerkhaus, in den kann man aber nichts hineinstellen, weil in ihm ein fast 90 km langer Fluß entspringt? Und doch ist es so: Die Ahr entspringt in diesem Keller …

… mitten im Eifelstädtchen Blankenheim (ganz links auf der Karte, draufklicken, dann wird sie größer).

Die ersten Meter in Freiheit sind recht kultiviert – kaum zu glauben, daß hier 700 Liter pro Minute entlangfließen (Quelle: Wikipedia).

Blankenheim macht einen sehr relaxten Eindruck. Viel Fachwerk, eine gotische Kirche am Hang und auf dem Berg eine mittelalterliche Burg, in der jetzt eine Jugendherberge ist.

In der Kirche waren wir natürlich auch …

… und dahinter, wo Sisyphos in immer rechtzeitigen Windböen gerade Laub zusammenfegt.

Wer in solchen Häusern wohnt, hat Sinn für Schräges und daher vermutlich auch Humor …

… wie auch diese Figur auf einem Dachfirst nahelegt:

Geistreich sind sie auch, diese Landbewohner …

… und in diesem Café aßen wir eine ausgezeichnete Erbsensuppe. Alles perfekt!

Alles? Ein Blick ins Ambiente beruhigt einen gewissermaßen: Es ist nicht alles perfekt hier (zu Perfektes ist beängstigend).

Nur ein paar Meter weiter: Landschaft – Ruhe.

Eifelausflug – Burg Eltz

Burg Eltz aus dem 12. Jahrhundert ist eine Reise wert. Sie ist eine sogenannte Granerbenburg, das heißt, daß sich die Erben die Burg aufteilen und versuchen, unabhängig voneinander im jeweiligen Teil zu wohnen.

In der Familie Eltz waren es drei Erben, die dann jeweils zur Wohnungsvergrößerung in die Höhe bauen mußten: Hier noch ein Erker, da noch ein Türmchen. Sehr malerisch.

Im Innenhof sieht man die Aufteilung noch besser. Die Wohnungen haben allerdings auch Verbindungstüren, also eine frühe Form von Hausgemeinschaft.

Während der Führung darf man nicht nur heimlich fotografieren, aus der Hüfte geschossen werden die Bilder leider manchmal etwas unscharf.

Hier wurde Kaffee getrunken …

… und hier wieder abgelassen:

Von den 80 Zimmern hat die Hälfte eine eigene Toilette – mit Wasserspülung: Das Regenwasser wurde auf dem Dach aufgefangen und durch Rohre in der Wand zum Klo geleitet, das Abflußrohr geht dann einfach durch die Wand – fertig. Ich nehme nicht an, daß die Familien in der Nähe ihrer Burg spazieren gegangen sind.

Der Rüstungssaal ist der größte Raum – sieht man hier nicht, aber wenn man weiß, daß über alles, was in diesem Raum, eine Art Konferenzraum, gesprochen wurde, Stillschweigen bewahrt werden mußte, sobald man die Türschwelle nach draußen überschritt, paßt die Heimlichkeit des Bildes ganz gut.

Das Küchenpersonal hat’s auch gemütlich.

In der Schatzkammer gibt es viel zu bewundern, z.B. dieser kleine Reisealtar (was unten reinragt ist mein Finger):

Mokkatassen:

Und hier meine Lieblingsfiguren – zwei Engel, die irgendwas halten können, keine 10 cm hoch:

Ah – da ist der Ausgang – tschüß, Burg Eltz – das hat Spaß gemacht!

Eifelausflug – Mayen

Die Eifel ist ein Mittelgebirge südlich von Bonn von einer Ausdehnung von 5.300 qkm – eine riesige, vielfältige Hügellandschaft, die mich tatsächlich ein wenig an Südengland erinnert.

Der 20.000-Einwohner-Ort Mayen ist im 2. WK fast vollständig zerstört worden – dafür ist er eigentlich ganz hübsch. Zwei große Kirchen dominieren den ersten Eindruck: Die neoromanische Kirche Herz-Jesu, im Zuge des Historismus 1911/12 erbaut:

Auch von Innen beeindruckend …

… mit einer mächtigen Kuppel.

In einer Nische steht ein nicht ganz lebensgroßer Langhaariger mit einer überdimensionierten schwebenden Dornenkrone.

Das Renaissance-Rathaus am Marktplatz ist wirklich liebevoll restauriert. Der Turm … was ist mit dem Turm im Hintergrund?

Er gehört zur gotischen Kirche St. Clemens (Anfang 14. Jh.). War der Erbauer vielleicht Karnevalist?

Fast. Man erzählt sich folgende Geschichte: Der Bau der Kirche kam nicht so richtig voran, die Maurer hatten lange Wartezeiten, der Stein wurde nur zögerlich geliefert. Eines Tages kam ein gutgekleideter Herr des Weges und fragte, was da gebaut würde, er habe gehört, ein Festsaal mit Wirtshaus solle es werden. Die Maurer hatten seinen Klumpfuß längst entdeckt und somit erkannt, daß sie mit dem Teufel sprachen, also taten sie so, als habe er Recht. Der Herr war erfreut und versprach Hilfe. Als die Maurer am nächsten Morgen am Bauplatz eintrafen, war da so viel Stein, daß er bis zur Fertigstellung reichen sollte. Als es soweit war, flog der Teufel über das Gebäude, um eine zukünftige Stätte seines gottlosen Tuns (das Wirtshaus! Alkohol!!) zu betrachten – und erkannte erbost, daß dort gerade die Kirchweihe gefeiert wurde. Wütend griff er nach der Kichturmspitze und versuchte, den Turm zu zerbrechen – es ist ihm nicht gelungen, und mochte er noch so lange daran herumdrehen.
Der Originalturm, der 1945 von anderem Teufelswerk dann doch zerstört wurde, soll noch länger gewesen sein als dieser. Schade, das hätte ich gern gesehen. (EDIT: s. Kommentare)

Es lohnt sich auch, die Kirche von Innen zu besichtigen, sie ist eine der ältesten Hallenkirchen (kein Querschiff) des Rheinlands.

Ich vermute, der weiße Putz ist eher neuerem Geschmack geschuldet – mir gefällt es in ästhetischer Hinsicht ganz gut.