In der Buchhandlung

Gibt’s doch gar nicht – schon wieder November, wo ist nur der Sommer geblieben? Wieso habe ich gar keine Erinnerung daran? War ich in Urlaub? Bin ich senil geworden? Oder ein Zeitsprung? Gar ein Paralleluniversum? Oder mich nimmt jemand auf den Arm – das wird es sein, steht ja auch darüber: „Humor“ – haha, wie witzig, wir verkaufen schon Anfang Mai Kalender für 2010. Zum totlachen, was ist mit 2011?

Nein, Paralleluniversum ist doch wahrscheinlicher, denn – nichts gegen Teddy und Käpt’n Sharky – unter „Kunst“ versteht man in meiner Kultur etwas anderes:

Und den Nachbarn einen Korb voller Gänseblümchen zu schenken kann ja durchaus mit erotischer Absicht geschehen, ist aber … vielleicht … nicht das geschickteste Vorgehen. Und was für ein perverses Volk sind Hunde- und Katzenfreunde hier? Was macht der Tierschutz, sollten das Kätzchen da mit Strapsen und Bello im String-Tanga abgebildet sein?

Schildergasse

Manchmal gibt es in der Fußgängerzone am Samstag Aktionstage, dann haben viele Geschäfte bis 24 Uhr geöffnet. Wieso, also mit welcher Begründung, entzieht sich meiner Kenntnis, aber um das ganze nicht danach aussehen zu lassen, was es ist, nämlich ein Fest des schier endlosen Konsumierens, gibt man dem Ganzen noch einen zusätzlichen Anstrich, diesmal sollte es ein spanischer Tag sein. Zwei kleine Bühnen waren aufgebaut, auf der einen wurde Folklore zum Besten gegeben, die man mit Spanien verbindet („Bamboleeero …“), auf der anderen wurde Swingjazz gespielt, und an zwei kleinen Ständen gab es spanische Spezialitäten – viel zu klein für die Menschenmassen und mit langen Wartezeiten. Was soll’s, ich mag eh keine Paella.

Wahlfang auf der Studentenwiese

Ob das der richtige Ort ist für diese (neo-)liberale Dame? – von der Partei übrigens, die auch in Krisenzeiten nicht müde wird, nach mehr Eigenverantwortung des Einzelnen zu schreien rufen, wobei in erster Linie natürlich nicht die Banker und Manager gemeint sind, die die Krise verursacht haben. Gut, die Zeiten, in denen man den Leuten an der Kleidung angesehen hat, was sie wählen, ist lange vorbei, die Studenten sind ja auch lange nicht mehr so politisiert, und so ein junges Gesicht – wer weiß, vielleicht fängt man doch ein paar Stimmen. Eine gegnerische Partei, die die Wählerstimmen für sich haben möchte (obwohl sie auch keine Ahnung hat, was zu tun ist), behauptet, daß die schöne Oberfläche eine häßliche Wahrheit verbirgt:

Koch
Fotoquelle unter GNU-Lizenz.

Welche Abbildung zeigt den „Finanzhai“? Wer übrigens eine Ähnlichkeit entdeckt, ist selbst schuld.

Weltstadthaus

Über das Weltstadthaus von Renzo Piano habe ich ja schon mehrfach berichtet (z.B. hier), letzten Samstag öffnete das Kleidungskaufhaus die 5. Etage für das interessierte Publikum.

Zur Erinnerung: Von außen sieht das Gebäude so aus:

Innen fühlt man sich wie im Inneren eines Walskeletts oder eines umgedrehten Bootes:

Von außen ist das Gebäude meiner Meinung nach eine städtebauliche Katastrophe, die Architektur aber von der Binnenperspektive betrachtet ist einfach großartig. Leider vertraute das Kaufhaus nicht darauf und veranstaltete eine Ausstellung von Bildern, die allesamt das Material nicht wert sind, mit dem sie hergestellt wurden.

Egal, man konnte auch einfach nur die Aussicht genießen.

Von den Verkaufsetagen aus gesehen sieht die Hülle übrigens so aus – auch nicht schlecht:

Lindenstr.

Wenn man bei der Maifeier zuviel getrunken hat, ist so ein würziges Sushi vielleicht gerade richtig, um den Mineralienhaushalt des Körpers wieder auf Trab zu bringen. Aber wieso stehen da keine Preise dran? Deshalb:

Der junge Mann hat das bloß auf seiner Badehose. Ich bin wahrscheinlich hoffnungslos altmodisch, in Geschmacksfragen vor ca. 30 Jahren stehengeblieben, aber ich kann nichts dafür, mich befällt ein tiefes Bedauern mit den jungen Menschen, die sich vom Modediktat beherrschen lassen und sowas tatsächlich tragen. Selbst in Schwarz wären die Hosen nicht mein Fall.

Kuckuck!

„Original Black Forest Cukoo Clocks“ – Köln liegt im Schwarzwald, jeder Japaner wird zu Hause schwören, das hier gelesen zu haben, als Beweis wird er seine neu erworbene Kuckucksuhr vorzeigen, von der er auch ein Foto hat, auf dem im Hintergrund der Dom zu sehen ist. Und der bayrische Bierseidel, den er im gleichen Laden gekauft hat, zeigt, in welchem Teil Deutschlands wir uns befinden. Hätte er mich gefragt, was er daraus trinken soll, ich hätte ihm ein zünftiges Jever Pils empfohlen.

Vermutlich sind alle Dinge, die hier verkauft werden, in China billig hergestellt worden, die asiatischen Touristen sind so nett und nehmen den Schrott wieder mit nach Hause – auch eine Art Recycling.

Köln am Strand

Wenn Köln schon nicht am Mittelmeer liegt, dann holt man sich den Strand und die Palmen eben in die Stadt. Liegestühle, Beachvolleyball, Kinderspielzeug sind vorhanden, die Gastronomie bietet Kuchen und Gegrilltes und neben Longdrinks auch alle anderen denkbaren Getränke, und von fern klingt sanft das Meeresrauschen … gut gut, das natürlich nicht, ab und zu tutet ein Lastkahn, das war’s auch schon. Aber zumindest gibt es ein Planschbecken, in das man zur Abkühlung seine Füße hängen kann.

Irgendjemand hat mir was von 4 Euro Eintritt erzählt, der auf den Verzehr angerechnet werde (die Anlage ist in Privatbesitz), aber davon war gestern nichts zu sehen. Die rechtsrheinische Lage garantiert lange Sonneneinstrahlung (sofern vorhanden), und abends gibt es manchmal Livemusik.

EDIT: Wird seit 2012 nicht mehr betrieben.

Richard-Wagner-Str.

Die Restornamente zeigen: Hier hat mal ein schönes Haus aus der Zeit des Historismus gestanden, das, vermute ich, im 2. WK zerstört wurde. An der Brandmauer kann man die alte Einteilung der Zimmer noch sehen. Heute hat der Ort den verrotteten Charme der 50er Jahre.

In diesem heruntergekommenen Flachdachbau ist überraschender Weise noch viel Leben: Eine Fahr- und Ballettschule – die Autos können nach Absolvierung Can-Can tanzen – und das „Café-Theatre amusette“.

Obwohl ich mich einerseits immer wieder wundere, daß es solche Lücken mitten in der Stadt in der besten Lage immer noch gibt, bin ich andererseits fast entsetzt, wenn man sie schließen will: Das ganze Gelände von 1566 qm steht zum Verkauf. Und was dann da hin kommt, ist wahrscheinlich die übliche abstoßende Charakterlosigkeit moderner Zweckarchitektur.
Aber vielleicht hat die Wirtschaftskrise ja auch mal was Gutes, und es findet sich kein Käufer.

PS: Zum Vergrößern bitte auf das jeweilige Foto klicken.

Frühlingsfest

Na, da fühlt man sich empfangen, freundlich erwidert man die Begrüßung und wäre bereit, einiges dafür zu zahlen, um da nicht hinein zu müssen. Dafür wollen sie aber gar kein Geld, Glück gehabt.
Da freuen sich auch die Gäste aus Fernost.

Oder lachen sie aus einem anderen Grund? Lachen sie uns aus, als Gäste im Land der Dichter und Denker? Nein, dazu sind sie viel zu höflich – dieses Lachen ist wahrscheinlich eher die gute Miene zum bösen Spiel.

Egal, erstmal was essen – deswegen bin ich schließlich hier!

Blumenkohlröschen in Panade gebacken, mit der nicht gespart wurde, glasig gebratene Champignons in öliger Soße oder eine Bratwurst für 3 Euro? Keine Experimente, die Bratwurst macht das Rennen.
Hier hätte man gute Chancen, sie schnell wieder loszuwerden:

Ich jedenfalls, weshalb ich lieber unten bleibe. Geradezu altmodisch mutet das Riesenrad an, aber ich kann mich an meinen letzten Besuch erinnern: Ich war froh, als ich das Karussell endlich wieder verlassen konnte, für Fotos hätte ich mich vielleicht geopfert, aber das Licht war nicht gut genug (tut mir ja sooo Leid).

Zum Abschied winkt noch mal die „Wilde Maus“ – ich hoffe, die Gäste aus Fernost gehen noch woanders hin, bevor sie wieder nach Hause fliegen.