Pareidolie

Zitat Wikipedia: „Unter Pareidolie (von griechisch para – daneben, vorbei + eidolon – Bild oder Erscheinung) versteht man die Tendenz des Gehirns, bei seiner stetigen Suche nach Mustern und Bildern in der Wahrnehmung diese auch selbst in zufälligen Strukturen oder in Sinneseindrücken geringen Informationsgehalts zu finden.“

Eindringliches Gespräch am Rheinufer

Hey, Alter, was geht …

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,

weiß auch nicht, voll krass den Blues …

daß ich so traurig bin;

nee, mit der läuft auch nix mehr …

ein Märchen aus alten Zeiten,

wieso wieso – woher soll ich das wissen …

das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Scheiße kalt hier, Alter …

Die Luft ist kühl und es dunkelt,

kein Bock mehr, ist mir zu krass …

und ruhig fließt der Rhein;

nee, heute werd‘ ich nicht alt …

der Gipfel des Berges funkelt

ey, Alter, laß krachen, bis dann …

im Abendsonnenschein.

Unter Verwendung eines Teils des Gedichts „Lorelei“ von Heinrich Heine.

Christopher Street Day

In Köln war am Wochenende Christopher Street Day (wer nicht weiß, was das ist, klicke bitte hier). Freitagabend ging’s schon los, Samstag war Straßenfest und Veranstaltungen auf drei Bühnen, am Sonntag zusätzlich eine Parade, ein Umzug mit Festwagen, aufgekratzten Menschen und viel lauter Musik.

Ungeachtet der Tatsache, wie wichtig dieser Tag für das schwul-lesbische Selbstverständnis ist, ist es heute vor allem eins: Ein riesiger Rummel. Menschenmassen schieben sich zwischen Freß-, Bier- und Verkaufsbuden durch, und aus allen Richtungen wird man mit Musik bedröhnt. Auf der Hauptbühne trällern Vicky Leandros und Daniel Küblböck (neben vielen anderen) Lieder – wer kann mir den schlechten Musikgeschmack der Community erklären?

Auf einer Bühne wurden die drei Oberbürgermeisterkandidaten zu Schwulenthemen befragt, am 30. August ist Wahl, da will natürlich jeder eine gute Figur machen, und alle finden alles Schwule ganz ganz super. Der Kandidat von der FDP, ein bekennender Schwuler, weiß genau, daß er keine Chance hat, gewählt zu werden, aber wenn man überall mitreden will, muß man sich aufstellen lassen, das war ja bei Guido Westerwelle auch nicht anders. Der Kandidat von der CDU Peter Kurth, ein bekennender Schwuler, kommt eigentlich aus Berlin, war dort maßgeblich am Berliner Bankenskandal beteiligt (laut Wikipedia), hat also gute Voraussetzungen, im Kölschen Klüngel zu bestehen. Falls er nicht gewinnt, will er zurückgehen nach Berlin, das muß man verstehen, der junge Mann möchte Karriere machen und kuckt sich noch um. Nachdem CDU-Oberbürgermeister Schramma wegen des miesen Managements angesichts des Zusammenbruchs des Historischen Archivs zurückgetreten war/wurde, hat man lange nach einem neuen Kandidaten gesucht, aber keinen gefunden – welch seltene Einsicht einer Partei, keine angemessenen Kandidaten zu haben für das höchste Amt der Stadt. Der Kandidat der SPD Jürgen Roters, ein kein bekennender Schwuler … oh je, wie soll man diese Scharte auswetzen? Er erzählt, daß er schon damals, als er noch Polizeipräsident war und zu einer Zeit, als das Rathaus sich noch weigerte, gleiches zu tun, angeordnet hatte, zum CSD die Regenbogenfahne zu hissen. Uiuiui – donnerwetter, eine Fahne! Fast tut er mir Leid angesichts der Peinlichkeit, daß er versucht, mit dieser Uraltgeschichte zu punkten – aber Fremdschämen ist abgeschafft, kein Pardon.

Sind diese Damen Politik-begeistert? Nee …

… es ist der Rhythmus der weltbekannten Trommelgruppe „Queerelas“.

Schön bunt ist es ja, aber …

… nichts für ungut, ich ziehe mich langsam zurück.

Folgendes Fotos verrät, worum es (auch) geht, jedenfalls in Köln:

On Tour (6)

War schon mal jemand in Minden? Nein? Gut, wer mal vorbei kommt: Zumindest die Innenstadt ist ein Besuch wert. Minden, fast eine Großstadt an der Weser mit 83.000 Einwohnern, ist die Kreisstadt der Gegend.

Viele architektonische Stile mischen sich an diesem eigentlich mittelalterlichen Ort, im 2. WK ist aber viel zerstört worden.

Allerdings gibt man sich viel Mühe, den alten Bestand zu pflegen, es macht Spaß, durch die Straßen zu schlendern und schöne Ecken zu entdecken.

Und jede Menge alte Kirchen gibt es in dieser ehemaligen Bischofsstadt natürlich auch – der Organist erfreute uns im Dom mit einem modernen Stück, als wir gerade da waren – vielen Dank!

Noch ein bißchen ausruhen, das kann man hier gut, bevor es wieder nach Hause geht. Adieu, Storchenland!

On Tour (5)

Ringelblumenblüten waren auf dem Frühstückstisch – nicht etwa nur als Schmuck, sondern, wie unsere Gastgeberin sagte: „Drei davon jeden Tag, und Sie bleiben gesund.“ Wahrscheinlich war es der ruhigen, vertrauensvollen Atmosphäre zu verdanken, daß ich tatsächlich eine probiert habe – interessant, wenn auch ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Von dem Angebot hätten sechs Leute satt werden können …

… in diesem kleinen Windheimer Museum für liebenswerte Dinge.

Und der Kaffee hatte es auch schön warm.

Fortsetzung folgt

On Tour (4)

Die Jugendpflege von Petershagen hat auch schon bessere Zeiten gesehen (aber vielleicht ist da niemand zu pflegen?).

Aber Jugend wird gelockt: An der Tür der mächtigen Kirche fanden wir folgendes Schild:

Würde mich ja interessieren, was man da ersteigern kann: Der Supersegen geht in letzter Sekunde an Videbitis und die Kollekte wird über PayPal bezahlt – gut, da liegt es sicher, und wenn nix passiert, kriege ich das Geld zurück. Gern würde ich allerding wissen, wie sich der Pfarrer da herausredet.

Vorbei an kitschig-antikisierender Deko im Schloßpark …

… geht es zum mittelalterlichen Schloß, das heute Restaurant und Hotel beherbergt.

Hm … auch hier kaum ein Mensch zu sehen. Eine Magd Servicekraft, die vorbei eilt, spricht von geschlossener Gesellschaft.

Kann man das glauben? Der Verdacht verdichtet sich: Der ganze Ort ist eine Inszenierung für uns, in Wirklichkeit lebt hier niemand …

… oder Dornröschen hat sich gerade in den Finger gestochen. Das wird es sein! – auch die Störche am Ortsausgang sind mitten in der Bewegung erstarrt.

Fortsetzung folgt

On Tour (3)

Samstag Abend auf dem Dorf – gut, auch als Großstädter kann man das aushalten, endlich mal Stille … aber man kann ja wenigstens mal ein Auge riskieren, was woanders los ist. Wo geht die Jugend hin, wenn sie feiern will? Windheim ist ein Stadtteil von Petershagen, aber das ist nicht so wie in einer Großstadt, wo ein Viertel ans nächste grenzt, sondern man muß motorisiert sein und einige Kilometer fahren, um ins „Zentrum“ zu gelangen, wo vermutlich das pralle Leben brummt. Und hier ist es: Petershagen!

Eine Geisterstadt. Meine Begleiterin, eine geborene Kölnerin, sagte, sie habe noch nie einen ausgestorbeneren Ort gesehen, und vermutete, wenn man in die Häuser hineinginge, würde man wahrscheinlich auch niemanden treffen. Das folgende Foto ist symptomatisch:

Damit die Straßen nicht ganz so leer sind, hat man sich zu helfen gewußt:

Eine Attraktion fanden wir am Wegesrand:

Fortsetzung folgt

On Tour (2)

300 km von Köln entfern liegt der kleine Ort, das lohnt sich kaum für einen Tag (selbst zwei sind viel zu wenig). Also übernachteten wir in diesem schönen Haus, einer Museumswerkstatt, wo auch Zimmer vermietet werden …

… in dem wir Anfangs mit vor Staunen offenen Mündern standen: So fürstlich waren wir schon lange nicht mehr untergebracht!

Falls wir nichts übersehen haben, gibt es in Windheim zwei Lokale, die mehr Speisen als Kuchen anbieten (der selbstgebackene im Museumscafé ist übrigens ausgezeichnet): Ein Weinlokal mit gutbürgerlichen Speisen und ein Bistro mit Imbißessen und Biergarten, wo einheimisches Bier ausgeschenkt wird – also nichts wie hin!

Der Biergarten ist hier wirklich noch ein Garten, in der Mitte steht ein Apfelbaum. Rund um einen Stehtisch „schnacken“ ein paar Einwohner bei einem Feierabendbier und verhandeln gemütlich die Geschicke der Welt (das geht vom Cro-Magnon-Menschen über die „unmögliche“ Schill-Partei hin zu Jackos Tod), während wir zu unserer Überraschung einen ganz ausgezeichneten Flammkuchen serviert bekommen (der Wirt hat uns gebeten, wir sollen das weiterempfehlen, wenn es uns geschmeckt hat: Leute, geht da hin, wirklich lecker und recht günstig, auch der mit Speck schmeckt super).

Kurz vorm Zubettgehen noch ein Blick aus dem Fenster: Da! – ist endlich einer.

Die beiden junge Störche haben es leider nicht geschafft und sind gestorben, erzählte unser Gastgeber, weshalb die Elterntiere keinen Grund haben, tagsüber nach Hause zu kommen. Aber wenn es dunkel wird, kommen sie und klappern sich zur Begrüßung an (oder waren vielleicht wir gemeint?)

Jedenfalls war es ein vergnüglicher, aber auch anstrengender Tag – gute Nacht.

Fortsetzung folgt.

On Tour (1)

Eine Freundin und ich hatten am Wochenende ausnahmsweise ein Auto zur Verfügung, also zögerten wir nicht lang und fuhren nach Windheim, um das hier zu sehen:

Na ja, jedenfalls fast, denn in dem Horst fehlen die Vögel, Störche, um genauer zu sein. Windheim liegt an der Weser westlich von Hannover (tatsächlich gehört es noch zu NRW), ein kleines Dorf in einem Gebiet, in dem es von Storchenhorsten nur so wimmelt, und das wir deshalb per Internet ausgesucht haben, weil es hier ein Storchenmuseum gibt.

Das kleine Museum in der ersten Etage eines umgebauten Bauernhauses ist sehr liebevoll eingerichtet, hier findet man alles, was irgendwie mit Störchen zu tun hat, und sogleich nimmt einen ein Führer unter seine Fittiche und verschenkt gleichermaßen großzügig kleine Täfelchen Schokolade und interessante Informationen:

So ein Horst kann mehrere Tonnen schwer werden, denn Störche sind nesttreu, bauen aber immer wieder an, so daß der Horst von Jahr zu Jahr schwerer wird.
Neben Schautafeln und Infos über alles Storchenmögliche gibt es auch Kurioses, z.B. kleine Scheren:

Und auch Kalif Storch darf natürlich nicht fehlen:

Fortsetzung folgt

Berrenrather Str.

Und was, bitte, ist das? Eine Skulptur? Ein Gebäude? Gut geraten – es ist beides: Eine Kirche, in den 60ern des letzten Jahrhunderts entworfen vom Bildhauer Josef Rikus. Der Stil ist angelehnt am Betonstil der damaligen Zeit und sollte durch das Material mit den Neubauten der nahen Universität korrespondieren, denn die „Kirche Johannes XXIII.“ gehört zur katholischen Hochschulgemeinde.

Das verschachtelte Gebäude erinnerst an den frühen Kubismus 50 Jahre zuvor und wirkt deplaziert zwischen all den Zweckbauten, jedesmal wenn ich daran vorbeifahre, denke ich: Oh Gott! – und vielleicht ist ja genau das beabsichtigt. Schön finde ich es nicht, aber interessant.

Im Netz habe ich folgendes Zitat gefunden vom damaligen Hochschulpfarrer und Professor Wilhelm Nyssen: „Bau als Zeichen der Andersheit gegenüber den alltäglichen Lebensvorgängen ist zugleich Zeichen der Zwecklosigkeit des reinen Spiels. Dieser Gedanke alarmiert die Künste und läßt sie bis zum Äußersten an Strenge und Eindeutigkeit, eben an Umsetzung ins Zeichen gewinnen. Aber „Ort der Andersheit“ bezeichnet keinen willkürlichen Akt des Menschen, etwa einen vom Alltag reservierten Bau, der nur für Gebete und geistliche Konzerte bestimmt ist. Ort der Andersheit heißt Ort, an dem die Feier der Mysterien, der Auftrag Jesu vollzogen wird, durch dessen Erfüllung sich erst Kirche in allem Wandel der Verhältnisse konstituiert.“ Mit anderen Worten: Mir gefällt’s auch nicht, aber egal, Hauptsache Jesus und das ganze Pipapo.