Liebesschlösser 2

Vor fast genau einem Jahr berichtete ich hier von den Vorhängeschlössern, die zur Besiegelung einer Liebe an die Gitter der Hohenzollernbrücke angebracht werden. Der Schlüssel wird – als Symbol für die beabsichtigte Dauerhaftigkeit der Liebe – in den Rhein geworfen. Waren es vor einem Jahr noch ein paar hundert von solchen „Lucchetti dell’amore“, sind es inzwischen ein paar tausend. Mich würde interessieren, wieviele von den Paaren wohl noch zusammen sind. Ich finde, man sollte zur Auflage machen, daß eine Trennung nur dann erfolgen kann, wenn die Ex-Liebenden im Rhein nach dem Schlüssel tauchen, um das Schloß wieder aufzuschließen, und wenn er nicht gefunden wird, müssen sie eben zusammen bleiben. Wenn schon, denn schon.

Klettenbergpark

Na bitte – geht doch! Das Grün kommt langsam, aber unaufhörlich, und endlich erlauben es die Temperaturen, sich die Wochenendzeitung zu schnappen und nach draußen zu setzen.

Der kleine Klettenbergpark war eine Kiesgrube, bevor er 1910 liebevoll als Park inmitten der Stadtlandschaft angelegt wurde. Die Besucher sind hauptsächlich Anwohner, ob der Reiher auch zugezogen ist, weiß ich allerdings nicht, vorstellbar wär’s.

Jülicher Str.

Inkasso-Unternehmen sind Geldeintreiber, die gegen Gebühren für Gläubiger arbeiten. Egal, ob die Forderung berechtigt ist oder nicht, das Unternehmen versucht, vom mutmaßlichen Schuldner das ausstehende Geld einzutreiben – oft mit recht drastischen Drohungen. Internetbetrüger bedienen sich gern solcher Firmen, die mit der Drohung explodierender Anwalts- und Gerichtskosten versuchen, die verunsicherten Verbraucher einzuschüchtern. Meistens ist nichts dran, man sollte gar nicht darauf reagieren.

Das „Incasso-Geschäft Lange & Cie.“ belästigt allerdings schon lange niemanden mehr. Bei der Restaurierung des Hauses hat man die Beschriftung freigelgt und nicht wieder übermalt. Nett.

Deutzer Ufer

Kennedy-Ufer, 50679 Köln - Deutz(Quelle)

550 Millionen Euro Haushaltsdefizit in Köln, aber im Stadtrat sitzen keine Weicheier, da werden neue Projekte geplant und umgesetzt … na gut, jedenfalls erstmal angeschoben, dann sieht man weiter, hauptsache, die Wirtschaft brummt. Was zum Beispiel stört auf dem oberen Foto? Genau – die Bäume! Die Architektur des ehemaligen Lufthansagebäudes kommt ja gar nicht richtig zur Geltung, das kann man doch attraktiver gestalten:

Keine lärmenden Vögel, keine lästigen Mücken, stattdessen ein ungestörter Blick auf das DrecksGebäude – das lockt Touristen in die Stadt.

(Quelle)

Ein paar Jahre lang habe ich um die Ecke gewohnt, oft im Sommer am Kiosk eine Flasche Bier geholt, mich hier hingesetzt und mit Blick auf die überfüllte Altstadt im Linksrheinischen in Ruhe den Sonnenuntergang genossen. Aber wie sieht das auch aus: Bürger, die in der Öffentlichkeit sitzen und Alkohol trinken. Zum Besaufen sind die völlig überteuerten Kneipen da – gut, daß das jetzt nicht mehr sooft passieren wird! Denn wer will da jetzt noch sitzen?

Natürlich hat man große Pläne: Die 1928 gepflanzten Bäume sind ja schon mal entsorgt, irgendwann wird der Bahndamm aus dem 19. Jahrhundert abgetragen sein, und wenn der Haushalt es dann in ferner Zukunft mal wieder zuläßt, soll folgendes gebaut werden:

(Quelle)

Bis dahin können wir uns auf ein paar Jahre Baustelle auch an diesem Ort einstellen, dafür können wir uns schon darauf freuen, wenn 50 Jahre nach Fertigstellung die Bäume tatsächlich so groß sind wie auf der Abbildung – wenn dann überhaupt noch Bedarf dafür besteht, wie gesagt, Bäume stören irgendwie das Stadtbild.

Kirmes

Ich war selbst nicht da, aber am Rhein spazieren, und dann ist es direkt an der anderen Rheinseite nicht zu übersehen: Das Frühlingsfest. Da oben in diesem Schwenkarm sitzen tatsächlich Menschen! Kaum zu glauben, wofür manche Leute ihr Geld ausgeben, mich bekäme man auch dann da nicht hinein, wenn man mir was dazu geben würde. Außerdem weht ein scharfer kalter Wind, das kann doch kein Vergnügen sein.
Allerdings: Auch Eis geht angeblich immer. Wohin? Eis geht heute gar nicht, jedenfalls nicht in meinen Mund, und auch in sonst keinen, den ich sehe.

Werbung an der Siegburger Str.

Dieses Plakat im Format ca. 3×2 Meter hängt an einigen Stellen in der Stadt und wirbt für die schöne Region Niederrhein, ein großes Gebiet zwischen ungefähr Düsseldorf und Kleve. Genauer gesagt: Geworben wird für das Fahrradfahren in dieser Region, an vielen Radstationen kann man sich günstig ein Rad leihen und losfahren, oder auch übers Internet eine längere Reise planen, gegen Kostenaufschlag wird einem das Gepäck per Auto hinterhergefahren. Tolle Idee. Bloß die Radrückgabe könnte noch optimiert werden. Oder sind das Einmal-Räder, die sich im Wasser auflösen?

Café Bonnen in der Dürener Str.

Mit einer Vanillecreme, Schlagsahne und einem Brandteig (was immer das ist) – sehr lecker und leicht.

Das Café Bonnen ist ein typisches Oma-Café, jedenfalls haben wir diese Art Café früher immer so genannt: Vorn ist eine Konditorei mit ihren verführerischen Auslagen, nach hinten erstreckt sich ein von künstlichem Licht erhellter langer Raum, in dem alte Leute sitzen und schwatzen. Heutzutage sitzen aber auch immer mehr junge Leute in diesen Cafés – erstens sind die jungen Leute von einst inzwischen selbst Großeltern, zweitens ist der Kuchen ganz ausgezeichnet.

Wallrafplatz (Ausschnitt)

„Nie war er so wertvoll wie heute“, und das jeden Tag immer wieder – kein Wunder bei 79% Alkohol. Klosterfrau Melissengeist, ein Heilwasser aus den Ölen von dreizehn Kräutern und – wie gesagt – viel Alkohol, wurde 1825 von der Nonne Maria Clementine Martin in Köln erfunden und vermarktet. Erfunden ist vielleicht zuviel gesagt: Die Nonne hatte weitreichende Erfahrungen in der Naturheilheilkunde, und so soll dieses Produkt auf Rezepte des Karmeliterordens zurückgehen. Der Markt für kölnische Heilwässer war zu der Zeit sehr umkämpft, was Erfolg hatte, wurde sofort kopiert (4711 z.B. war ursprünglich auch so ein Plagiat), 64 verschiedene Marken kämpften um die Gunst der Käufer. Aber die Nonne hat sich durchgesetzt, der heutige Konzern hat einen Umsatz von 650 Millionen Euro im Jahr (2006). Na dann: Prost, auf die Gesundheit!

Rechts im Hintergrund sieht man den WDR strahlen, der ist aber noch nicht ganz so alt.

Monheimer Hof in der Riehler Str.

Der Kölner Norden ist nicht ‚meine‘ Gegend, sonst wäre ich sicher öfter hier im Monheimer Hof: Die Musik ist leise, die Bedienung aufmerksam und das Essen zwar absolut nichts Besonderes, aber ordentlich, das ist ja durchaus keine Selbstverständlichkeit. Manchmal finden hier auch Veranstaltungen statt, ich überlege noch, wo ich besser aufgehoben wäre, bei der Ü30-Party oder der Oldienight.

Die ‚Rückreise‘ ist ein großer Nachteil für diese Kneipe, die zugige unwirtliche Haltestelle Boltensternstr. würde sich hervorragend als Kulisse eignen für Krimis, in denen ahnungslosen Passanten das Messer an die Kehle gesetzt wird. Wenn man hier eine Viertelstunde herumgestanden hat, ist man froh, endlich in der 18 zu sitzen.