Der arme Titus – was hat er nur getan?
Autor: Videbitis
Kurztrip nach Berlin, 3. Tag
„…dann hat sie mir die Rose auf den Hintern tätowiert.“ singen diese drei Herren. Wie man sieht, sind die Berliner begeistert, nur das Schunkeln muß noch geübt werden. Wer noch nicht gemerkt hat, daß der Rosenmontag in Berlin auf den Sonntag verlegt wurde, kann sich vor Ort mit den nötigen Utensilien eindecken:
Karnevalsartikel gibt’s hier – Heijo!! (Heijo steht übrigens für Heiterkeit und Jokus – wirklich war!)
Kurztrip nach Berlin, 1. Tag
Auf auf, nach Berlin, die Verrückten können alleine feiern und brauchen mich nicht.
Dieses 30 m hohe Kunstwerk ist von Jonathan Borofsky, heißt „Molecule Man“ und ist von 1997. Es ist eigentlich dreiteilig, vom dritten Teil sieht man hier nur die ‚Dünnseite‘.
Hier gibt es folgende Informationen: „Liebevoll „Dreikäsehoch“ genannt. Die Skulptur symbolisiert die Wiedervereinigung von Berlin bzw. Deutschland und steht genau am Schnittpunkt der Stadtteile Kreuzberg, Treptow und Friedrichshain. Sie ist Teil der Kunstsammlung der „Allianz“ vor und in den „Treptowers“. Eine kleineres, nur 30 Fuß hohes Exemplar der Skulptur aus dem Jahr 1991 steht vor dem Civic Center in Los Angeles.“
Gottesweg
Friede
Die Bäume lauschen dem Regenbogen,
Tauquelle grünt in junge Stille,
Drei Lämmer weiden ihre Weiße,
Sanftbach schlürft Mädchen in sein Bad.
Rotsonne rollt sich abendnieder,
Flaumwolken ihr Traumfeuer sterben.
Dunkel über Flut und Flur.
Frosch-Wanderer springt großen Auges,
Die graue Wiese hüpft leis mit.
Im tiefen Brunnen klingen meine Sterne.
Der Heimwehwind weht gute Nacht.
Albert Ehrenstein
(1886 – 1950)
Sülzburgstr.
Solche lebensgroßen Figuren, die mit Stroh ausgepolstert sind, hängen zur Karnevalszeit besonders häufig an den Fassaden von den Kneipen, die gerne mal bis morgens um 6 lautstarke Schunkelmusik spielen und deren Besucher sich durch Gesang auch auf der Straße in stimmlicher Selbstüberschätzung trunken daran beteiligen – zum Leid der Anwohner.
Die „Nubbel“, so werden die Figuren genannt, werden Karnevalsdienstag um 24 Uhr, das Ende der Session symbolisierend, während eines Rituals öffentlich verbrannt: Eine Art Hohepriester bejammert erst den Tod des Nubbels, um langsam umzuschwenken in eine Beschimpfung unter johlendem Zuspruch der Zuschauer. Eine solche Stellvertreterfigur, die für unsere begangenen Sünden büßen muß, erinnert mich irgendwie an andere Zusammenhänge …
Oberer Komarweg
Speziell hier ist Schutt abladen verboten, befiehlt der Oberstadtdirektor – schön, daß es wenigstens eine Stelle in der Stadt gibt, wo man sich Schutt-los aufhalten kann. Und damit auch jeder weiß, worum es geht: Hier nicht parken! Allerdings sollte man das Schild mal erneuern, die Schildaufsteller verstoßen sonst gegen das Verbot ihres eigenen Dienstherren.
Neumarkt-Passage
Dies ist ein Teil der Neumarkt-Passage – ich wage es kaum, diese Bezeichnung zu übernehmen, denn mit den Passagen alten Stils hat sie nicht das Geringste zu tun. Waren die alten Passagen Londoner oder Pariser Art geheimnisvolle, auch düstere Orte mit kleinen und zum Teil obskuren Geschäften, die die Phantasie anregten, ist diese hell, kalt, glänzend, aseptisch. Auf dem Boden könnten Chirurgen ihren Geschäften nachgehen. Die den Gebäudekomplex beherrschenden Kaufhäuser zeigen auch nach innen ihre riesigen Schaufenster, in denen Massenmode ausgestellt wird. An allen Ecken findet man Cafés, die entweder an Bäckereiketten angeschlossen oder Teil einer „internationalen“ Gastronomie sind (bzw. was man darunter versteht).
Sollte man jemals die Alltagspathologie des angehenden 21. Jahrhundert untersuchen, solle man diese Kathedralen des Konsums nicht vergessen, sie geben ein besonders gutes Beispiel.