Kurztrip nach Berlin, 6. Tag

In „Billy Wilder’s Cocktailbar“ beim Filmmuseum am Potsdamer Platz kostet der Milchkaffee 3,60 Euro, dafür kann es sein, daß man auch eine Woche vor den Berliner Filmtagen auf internationale Stars trifft – was heißt schon ‚trifft‘, man sieht sie, und ob das den Preisunterschied rechtfertigt, ist fraglich, denn was hat man schon davon? Aber man fühlt sich trotzdem wohl hier, und ein Manko neueren Datums trifft man leider in ganz Berlin an (von ein paar Kreuzberger Kneipen abgesehen):

Kurztrip nach Berlin, 5. Tag

Am Checkpoint Charlie und an den Brücken um den Alexanderplatz stehen die fliegenden Händler in der Kälte und bieten „russische“ Fellmützen oder „original“ Bruchstücke der Berliner Mauer an – und jeweils zwei Gasmasken, für die sich kein Mensch zu interessieren scheint. Immer zwei, ich habe keinen Schimmer, an was die erinnern sollen … vielleicht, wenn ein amerikanischer Kriegsveteran zu Besuch kommt, dem sowas noch in seiner Sammlung fehlt? Jedenfalls stehen sie erbarmungswürdig einsam in der Gegend herum, allein aus Mitleid bin ich versucht, mich nach dem Preis zu erkundigen …

Kurztrip nach Berlin, 3. Tag

„…dann hat sie mir die Rose auf den Hintern tätowiert.“ singen diese drei Herren. Wie man sieht, sind die Berliner begeistert, nur das Schunkeln muß noch geübt werden. Wer noch nicht gemerkt hat, daß der Rosenmontag in Berlin auf den Sonntag verlegt wurde, kann sich vor Ort mit den nötigen Utensilien eindecken:

Karnevalsartikel gibt’s hier – Heijo!! (Heijo steht übrigens für Heiterkeit und Jokus – wirklich war!)

Kurztrip nach Berlin, 1. Tag

Auf auf, nach Berlin, die Verrückten können alleine feiern und brauchen mich nicht.
Dieses 30 m hohe Kunstwerk ist von Jonathan Borofsky, heißt „Molecule Man“ und ist von 1997. Es ist eigentlich dreiteilig, vom dritten Teil sieht man hier nur die ‚Dünnseite‘.
Hier gibt es folgende Informationen: „Liebevoll „Dreikäsehoch“ genannt. Die Skulptur symbolisiert die Wiedervereinigung von Berlin bzw. Deutschland und steht genau am Schnittpunkt der Stadtteile Kreuzberg, Treptow und Friedrichshain. Sie ist Teil der Kunstsammlung der „Allianz“ vor und in den „Treptowers“. Eine kleineres, nur 30 Fuß hohes Exemplar der Skulptur aus dem Jahr 1991 steht vor dem Civic Center in Los Angeles.“

Gottesweg

Friede

Die Bäume lauschen dem Regenbogen,
Tauquelle grünt in junge Stille,
Drei Lämmer weiden ihre Weiße,
Sanftbach schlürft Mädchen in sein Bad.

Rotsonne rollt sich abendnieder,
Flaumwolken ihr Traumfeuer sterben.
Dunkel über Flut und Flur.

Frosch-Wanderer springt großen Auges,
Die graue Wiese hüpft leis mit.
Im tiefen Brunnen klingen meine Sterne.
Der Heimwehwind weht gute Nacht.

Albert Ehrenstein
(1886 – 1950)

Sülzburgstr.

Solche lebensgroßen Figuren, die mit Stroh ausgepolstert sind, hängen zur Karnevalszeit besonders häufig an den Fassaden von den Kneipen, die gerne mal bis morgens um 6 lautstarke Schunkelmusik spielen und deren Besucher sich durch Gesang auch auf der Straße in stimmlicher Selbstüberschätzung trunken daran beteiligen – zum Leid der Anwohner.
Die „Nubbel“, so werden die Figuren genannt, werden Karnevalsdienstag um 24 Uhr, das Ende der Session symbolisierend, während eines Rituals öffentlich verbrannt: Eine Art Hohepriester bejammert erst den Tod des Nubbels, um langsam umzuschwenken in eine Beschimpfung unter johlendem Zuspruch der Zuschauer. Eine solche Stellvertreterfigur, die für unsere begangenen Sünden büßen muß, erinnert mich irgendwie an andere Zusammenhänge …

Oberer Komarweg

Speziell hier ist Schutt abladen verboten, befiehlt der Oberstadtdirektor – schön, daß es wenigstens eine Stelle in der Stadt gibt, wo man sich Schutt-los aufhalten kann. Und damit auch jeder weiß, worum es geht: Hier nicht parken! Allerdings sollte man das Schild mal erneuern, die Schildaufsteller verstoßen sonst gegen das Verbot ihres eigenen Dienstherren.